1. Brief an besorgte Christen 2. Den Westen zu Tode gebären 3. Warum die Einsicht Ecône unterstützt 4. Das Jahrhundert des Aases 5. Die Berufung des Matthäus, des Petrus, Jakobus, Andreas und des Johannes 6. Der letzte Tag 7. Aus den geistlichen Ansprachen 8. Der hl. Joseph von Calasanza 9. Die Kruzifixe 10. Vom hl. Papst Pius X. 11. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN 12. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
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| Aus den geistlichen Ansprachen |
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Aus den geistlichen Ansprachen
von
Gregor dem Sinait (1255-1346)
BELEHRUNGEN ÜBER DIE GOTTVERSENKUNG UND DAS GEBET
Beharrlichkeit in der Gottversenkung
Trotz der Unbequemlichkeit bleibe beharrlich längere Zeit auf deinem
Schemel sitzen, dann erst strecke dich auf deinem Lager aus, aber nur
selten, so nebenbei, um dich zu entspannen. Du wirst geduldig sitzend
ausharren wegen des Wortes: »Sie verharrten im Gebete« (Apg. 1, 14).
Aus Bequemlichkeit oder wegen des fühlbaren Schmerzes, den der
ununterbrochene Gebetsruf aus der Tiefe des Gemütes dir verursacht,
darfst du nicht eilen, dich zu erheben. Der Prophet sagt: »Es wird uns
angst und bange werden wie einer Gebärenden« (Jer. 6,24). Bist du von
Angst und Weh bedrückt, so sammle deinen Geist in deinem Gemüte: und
wenn du Jesus Christus zur Hilfe rufst, wird er sogleich aufgeheitert.
Trotzdem die Schultern und der Kopf schmerzen, hältst du in deinem
glühenden Verlangen, in der Tiefe deines Gemütes den Herrn zu suchen,
aus.
Wie soll man beten?
Die Väter geben den Rat, daß die einen die ganze Zeit beten, die
anderen die halbe Zeit, was in Anbetracht der Schwäche des Geistes viel
leichter ist. »Niemand kann sagen, Jesus ist der Herr, außer im
Heiligen Geiste« (I. Kor. 12,3). Ein kleines Kind kann nur stammeln und
die einzelnen Worte noch nicht bilden. Es ist nicht angebracht, die
Gebetsrufe, um der Trägheit nachzugeben, zu wechseln, sondern um der
Beharrlichkeit wegen. Einige Väter belehren uns weiter, den Gebetsruf
entweder mündlich oder im Geiste zu sprechen. Ich rate das eine und das
andere; denn bald wird der Geist, bald werden die Lippen müde. Man bete
also nach beiden Arten, mit dem Geiste und mit den Lippen. Doch spreche
man den Gebetsruf langsam aus und ohne Aufregung, damit weder die
Stimme verschwendet wird noch die Ergriffenheit und Achtsamkeit des
Geistes verwehen. Eines Tages wird der Geist beherrscht sein, er macht
Fortschritte und empfängt die Kraft des Heiligen Geistes, um sich ganz
innig in das Gebet zu versenken. Dann wird es keines Wortes mehr
bedürfen, ja, der Geist wird zum Worte unfähig sein und er wird seine
Freude daran haben, ausschließlich und vollkommen das geistige Gebet zu
üben.
Wie man seinen Geist beherrschen lernt
Keiner, das wisse, kann aus eigener Kraft seinen Geist beherrschen,
wenn der Heilige Geist ihn nicht zuerst beherrscht: denn unser Geist
ist ohne Beherrschung. Nicht als wenn er es von Natur aus wäre, sondern
die Erbsünde hat ihn mit einer Anlage zur Zuchtlosigkeit belasset. Die
Übertretungen der Gebote Gottes haben uns von ihm getrennt. Wir
verloren dadurch zugleieh das feine geistige Gespür nach Gott. Der
Geist, der von Gott getrennt war, wurde irregeführt und läßt sich jetzt
unaufhörlich gefangennehmen. Nur durch die Unterwerfung unter Gott und
durch Anschluß an ihn kann er wieder Ruhe finden und sich mit Gott
freudig vereinen. Wenn der Mensch Gott ständig und beharrlich bittet,
täglich ihm seine Sünden bekennt, dann erhält er Verzeihung. Die
Beherrschung des Atems, das Schweigen bringen den Geist aber nur
teilweise in Zucht; denn immer wieder ist er von neuem zerstreut. Was
überraschend auf die Gebetsübungen hereinbricht, kommt gerade von dem,
der ihn beherrschen und bewachen soll. Es kann vorkommen, daß der Geist
auf das Gebet gerichtet unerschütterlich im Gemüte bleibt, trotzdem die
schweifende Einbildungskraft sich mit einer anderen Sache beschäftigt.
Sie gehorcht nämlich nur denen, die im Heiligen Geiste zur
Vollkommenheit herangereift sind und in Christus Jesus die
Leidenschaftslosigkeit erlangt haben.
(aus "Kleine Philokalie - Belehrungen der Mönchsväter der Ostkirche
über das Gebet" Einsiedeln 1956, S.158 ff. - Gregor stammte aus
Kleinasien und trat zuerst auf der Insel Cypern in ein Kloser ein. Dann
zog er auf die Halbinsel Sinai, wo er in strenger Askese lebte. Später
kam er auf den heiligen Berg Athos. Dort setzte er sich unter den
Mönchen für die Wiedererweckung des »geistigcn Gebetes« ein. Später
mußte er wegen Streitigkeiten, die um die Gebetsmethoden entstanden,
flüchten. Er ging auf eine lange Wanderschaft und kam zuletzt nach
Bulgarien, wo er ein Kloster gründete, in dem er endlich Ruhe fand.
Hier starb er.)
***
Aus dem Leben des Wüstenvaters Agathon
berichtet von
Nicephorus, dem Einsiedler aus dem 13. Jahrhundert
Ein Bruder fragte den Abt Agathon: »Vater, sage uns, was ist von beiden
das Bessere, die körperliche Arbeit oder die Wachsamkeit über das
Innere?«
Agathon antwortete: »Der Mensch gleicht einem Baume. Die körperlichen
Arbeiten bilden seine Blätter, Wachsamkeit über sein Inneres ist die
Frucht. Jeder Baum aber, so steht geschrieben, der keine guten Früchte
bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.« Es folgt daraus, daß
unser Abmühen Früchte bringen muß. Darum bestrebt euch, die Wachsamkeit
zu üben. Doch auch der angenehme Schatten der Blätter ist nötig, darum
pflegt die körperliche Arbeit. Beachtet, was unser Heiliger über
diejenigen sagt, welche den Geist nicht bewachen. Die sich nicht über
das tätige Leben erheben können, denen ruft er zu: »Jeder Baum, der
keine Früchte bringt, d.h. der nicht über seinen Geist wacht und der
nur Blätter trägt, d h. wer nur ein tätiges Leben führt, der wird
ausgehauen und ins Feuer geworfen.« Mein Vater, ein furchtbares Wort.
(aus "Kleine Philokalie - Belehrungen der Mönchsväter der Ostkirche über das Gebet" Einsiedeln 1956, S. 125 f.)
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