1. Brief an besorgte Christen 2. Den Westen zu Tode gebären 3. Warum die Einsicht Ecône unterstützt 4. Das Jahrhundert des Aases 5. Die Berufung des Matthäus, des Petrus, Jakobus, Andreas und des Johannes 6. Der letzte Tag 7. Aus den geistlichen Ansprachen 8. Der hl. Joseph von Calasanza 9. Die Kruzifixe 10. Vom hl. Papst Pius X. 11. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN 12. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
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| Der hl. Joseph von Calasanza |
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Der hl. Joseph von Calasanza
von
Eugen Golla
Joseph von Calasanza gehört neben Philipp Neri, Johannes Bap. de la
Salle und Don Bosco zu den großen Erziehern, die die Kirche
heiliggesprochen hat.
Geboren wurde er 1556 in dem im nördlichen Arragonien gelegenen
Bergschloß Peralta de la Sal als Sohn einer hochadeligen Familie. Schon
in früher Kindheit zeigte sich bei ihm eine außergewöhnliche Neigung
zur Frömmigkeit, die von seinen Eltern gefördert wurde. Nach dem
Studium der Rechtswissenschaft, das er im Alter von zwanzig Jahren mit
der Promotion abschloß, verstärkte sich sein Verlangen, Priester zu
werden. Er legte das Gelübde der Keuschheit ab und begann, in Valencia
Theologie zu studieren. Die Neigungen einer jungen Dame, die ihn
heiraten wollte, erwiderte er nicht. Dennoch schien es bald, daß sich
sein Wunsch, Gott am Altare dienen zu dürfen, nicht erfüllen
sollte, da sein einziger Bruder ohne Nachkommen starb und sein Vater
ihn dringend ersuchte heimzukehren, um durch eine Heirat die Familie
vor dem Aussterben zu bewahren. 1582 befiel ihn aber eine
lebensbedrohende Krankheit, während welcher es ihm gelang, seinen Vater
umzustimmen, als sich nämlich sein Zustand auf wunderbare Weise
besserte. So empfing er, der bereits zuvor den Doktorgrad in Theologie
erlangt hatte, Ende 1583 die Priesterweihe.
Als gelehrter Theologe war er zunächst in seinem Heimatland Peritus des
Bischofs, dann Visitator und schließlich mit 34 Jahren Generalvikar.
Sein Wirken war so erfolgreich, daß ihm eine glänzende Karriere
bevorzustehen schien. Aber Gott hatte mit ihm andere Pläne: seine
heimliche Sehnsucht, Rom zu besuchen, wurde zu einem festen Entschluß,
als er eine innere Stimme vernahm, die ihn immer wieder aufforderte,
dorthin zu gehen. Bei diesen Eingebungen schien es ihm, als ob er von
einer Schar Kinder umringt würde, denen er Unterricht erteilte.
So landete er im Jahres 1592 in Civitavecchia, wohin er mit einem
Schiff gesegelt war. Von dort ging er als Pilger zu Fuß in die Ewige
Stadt, die ihm nun zur zweiten Heimat werden sollte. Fast sein gesamtes
ererbtes Vermögen hatte er bereits verteilt. Jetzt wollte er in Rom so
lange im Verborgenen leben, bis im klar geworden war, wozu er von Gott
in die Fremde berufen worden sei. Von Anfang an stand es aber für ihn
fest, ein streng asketisches Leben zu führen: schon mitten in der Nacht
erhob er sich zum Gebet und im Morgengrauen besuchte er die sieben
Hauptkirchen.
Aber es dauerte nicht lange, da erhielt er bei einem der angesehensten
Kirchenfürsten, dem Kardinal Marcantonio Colonna, die Stelle
eines theologischen Beraters für die Kongregationen, deren Mitglied er
war. Gleichzeitig übertrug er ihm auch die religiöse Erziehung seines
Großneffen, des jungen Fürsten Don Philippo Colonna. Doch dabei blieb
es nicht, denn bald mußte er auch die Bediensteten des Hauses religiös
unterweisen. Als 1595 in Rom die Pest ausbrach, war Calasanza, der
bereits vorher aufopferungsvoll sich in den Spitälern als Krankenwärter
verdient gemacht hatte, ein eifriger Helfer des Kamillus von Lellis,
der später heiliggespochen und zum Patron der Kranken erhoben wurde.
Als Mitglied der "Bruderschaft für den christlichen Unterricht" bekam
er reichlich Gelegenheit, die Armut und Unwissenheit der unteren
Klassen Roms näher kennenzulernen. Da sein Versuch, die Lehrer zu
bewegen, auch unentgeltlich zu unterrichten, fehlschlug, entschloß er
sich 1597, selbst mit dem Unterricht in Religion, Lesen, Schreiben,
Rechnen, sowie den Anfangsgründen der lateinischen Grammatik zu
beginnen. Der Pfarrer Don Antonio Brendano, in dessen Pfarrei die
meisten armen Kinder wohnten, hatte ihm zwei Räume als Schulzimmer
angeboten. Das Presbyterium der in Trastevere gelegenen Kirche Santa
Dorotea wurde nicht nur, wie er es nannte, die erste" fromme Schule",
sondern die erste unentgeltliche öffentliche Volksschule Europas
überhaupt.
Papst Klemens VIII. nahm sie unter seinen Schutz. Aber auch Kardinäle,
u.a. auch der berühmte Kirchenhistoriker Baronius, erwiesen sich als
Wohltäter dieser Idee. 1601 mietete Joseph bereits ein großes Haus, und
drei Jahre später begann er mit seinen zwölf Genossen ein gemeinsames
Leben zu führen. Um die nach wenigen Jahren auf 600 angewachsene Zahl
von Schülern unterzubringen, war das Anmieten eines Palastes notwendig.
Besonders begünstigt wurde Calasanzas Werk von Papst Paul V., der ihm
einen eigenen Kardinal-Protektor gab. 1612 zog die Schule, die nun
bereits 1200 Schüler zählte, in ein geräumiges Haus neben der Kirche
San Pantaleon, unweit der Piazza Navona.
Ein Blick in die Schulordnung! Eröffnet wurde der Unterricht mit einem
Gebet. Jede halbe Stunde ertönte ein Glockenzeichen, um den Englischen
Gruß zu verrichten sowie die Drei göttlichen Tugenden zu erwecken. Nach
dem Unterricht betete man die Lauretanische Litanei. Joseph führte auch
das ununterbrochene Gebet ein: Aus jeder Klasse verrichteten es immer
einige Schüler für die Wohlfahrt der Kirche, des Staates und für die
Bekehrung der Ungläubigen und Sünder. (Im Laufe der Jahre wurden auch
die alten Sprachen und Rhetorik als Unterrichtsfächer aufgenommen.)
Doch auch Enttäuschungen und Verfolgungen ließen nicht lange auf sich
warten. So verließ ein Teil der von ihm ausgebildeten Lehrer das
Institut, um eine eigene Schule zu gründen. Da sich in der Zwischenzeit
der gute Ruf der "frommen Schulen" verbreitet hatte, schickten auch
immer mehr angesehene und reiche Bürger ihre Kinder auf Calasanzas
Schule, was den Neid der Stadtlehrer entfachte. Man schreckte nicht
davor zurück, Joseph einen Heuchler und seine Schule eine Stätte des
Lasters zu nennen. Man klagte ihn an, daß er - obwohl ein Fremder -
nach Belieben Lehrer ohne Prüfung aufnehme und absetze. Auch
befürchteten manche aus der Oberschicht, daß die gut ausgebildeten
armen Schüler später keine niederen Arbeiten mehr würden verrichten
wollen.
Da Joseph es als Willen Gottes ansah, sämtliche Kinder armer Familien
unterrichten zu müssen, nahm er auch zwanzig Kinder von Juden auf, die
aber bald von ihren Eltern wieder abgeholt wurden, da sie eine
Bekehrung zum Christentum befürchteten. Dies hinderte ihn aber nicht
daran, im Unterricht vor den Kinder und in öffentlichen Ansprachen die
weit verbreitete Meinung zu bekämpfen, Juden dürften auf öffentlichen
Straßen verhöhnt werden, als ob sie nicht auch unter das Gebot der
Nächstenliebe fielen.
1617 erhob Paul V. die Genossenschaft von Calasanzas lehrenden
Priestern zu einer Kongregation, die den Namen "Kongregation der armen
Kleriker von der Mutter Gottes von den frommen Schulen" (scholarum
piarum) erhielt, wovon sich der Name "Piaristen" herleitet. Ihre
Mitglieder mußten außer den drei Ordensgelübden das Gelübde des
unentgeltlichen Unterrichts Jugendlicher ablegen. 1622 wurde Calasanza
auf neun Jahre zum Ordensgeneral ernannt, was ihn aber nicht davon
abhielt, weiter bettelnd durch Rom zu ziehen - mehr zur Unterstützung
der Armen als seiner Kongregation.
Mit erstaunlicher Schnelligkeit hatten sich die Piaristen in Italien
ausgebreitet, aber auch in Deutschland, besonders in den habsburgischen
Ländern Böhmen und Mähren, wo sie nicht nur im Schuldienst, sondern vor
allem im Dienste der Bekehrung von Protestanten tätig waren.
Nach Ablauf der neun Jahre seines Generalates sehnte er sich nach
Entlastung von dieser Bürde; er beugte sich aber dem Willen des
Papstes, der ihn 1632 zum General auf Lebenszeit ernannte.
Bisher schien alles Ungemach, das über Calasanza kam, seinen Ursprung
in menschlicher Selbstsucht und im Ehrgeiz zu haben. Aber das bittere
Leid, das nun den über Achtzigjährigen überschattete und sein
Lebenswerk zu zerstören drohte, entsprang der teuflischen Bosheit
zweier für das Ordensleben nicht geschaffenen Confratres: Mario Sozzi
und Stefano Cherubini. Deren Ziel war es, Calasanza von der
Ordensleitung auszuschließen und die wichtigsten Funktionen selbst zu
übernehmen. Sozzi schreckte nicht davor zurück, ihn fälschlich der
Beschlagnahme von Dokumenten des hl. Offiziums anzuklagen. An einem
heißen Sommertag wurde er wie ein Übeltäter, geleitet von Schutzleuten
unter dem Geschrei des Volkes in das Inquisitionsgebäude geführt, wo
sich allerdings schnell seine Unschuld herausstellte. Aber auch
sämtliche weiteren Demütigungen, so auch seine wegen angeblicher
Gedächtnisschwäche erfolgte Absetzung als General, ertrug er
gottergeben ohne zu klagen. Vielmehr sah er es als seine Pflicht an,
sich gegenüber seinen ihm feindlichen Vorgesetzten ehrfurchtsvoll zu
verhalten und sie beim Verlassen des Hauses knieend um den Segen zu
bitten.
Sozzi starb bereits 1643, ohne sich mit Calasanza ausgesöhnt zu haben
Sein Nachfolger Cherubini mußte wenige Jahre später wegen einer
Unterschlagung Rom verlassen, versöhnte sich aber vor seinem bald
darauf erfolgten Tod mit seinem früheren Generalobern. Das Regime
Sozzi-Cherubini hatte dem Piaristenorden indessen schweren Schaden
zugefügt.
Während bisher die Päpste den Orden beschützten und förderten, löste
ihn der seit 1644 regierende Innozenz X. auf, indem er ihn in eine
Kongregation ohne Gelübde- und Profeßablegung zurückstufte und ihn der
Zuständigkeit der jeweiligen Bischöfe unterstellte. Man sagte, die
Schwägerin des greisen Papstes, die wegen ihrer Intrigen gefürchtete
Olimpia Maidalchini sei daran mitschuldig. Sie soll es den Piaristen,
insbesondere Calasanza, nicht verzeihen haben, daß man ihr ihren
Beichtvater, einen Piaristen, durch dessen Versetzung entzogen hatte.
Es schien nun, daß sein Lebenswerk der Vernichtung preisgegeben worden
sei. Aber auch in dieser furchtbaren Zeit lieferte sich der fast
Neunzigjährige bedingungslos dem Willen seines göttlichen Herrn aus. Er
pflegte zu seinen wenigen, ihm treugebliebenen Söhnen zu sagen:
"Kinder, etwas von den Aposteln ist uns zugeteilt geworden, nämlich für
den Namen Jesu Schmach zu leiden. Trachten wir auch nach dem andern:
die Apostel gingen von dannen mit Freuden."
Joseph von Calasanza starb am 25. August 1648 im Alter von
zweiundneunzig Jahren. Seine Söhne segnend waren seine letzten Worte:
"Jesus, Jesus, Jesus". Tausende Gläubige drängten sich zum Katafalk,
der von Soldaten bewacht werden mußte, denn man riß Stücke aus seinen
priesterlichen Gewändern, ja sogar Teile seiner Nägel und seiner
Wimpern schnitt man ab. Die sterblichen Überreste wurden in der Kirche
S. Pantaleon beigesetzt. Die Seligsprechung erfolgte 1748, Klemens
XIII. sprach ihn 1767 heilig. Pius XII. erklärte ihn 1948 zum Patron
aller katholischen Volksschulen. Sein Fest feiert die Kirche am 27.
August.
Was der Heilige nach dem Zusammenbruch seines Ordens prophezeit hatte,
ging in Erfüllung: Alexander VII. ließ 1656 die "frommen Schulen" mit
einfachen Gelübden und Noviziat sowie einem General nebst Assistenten
als regelrechte Kongregation wieder herstellen. Sein Nachfolger,
Klemens IX., erhob sie 1669 wieder zu einem Orden mit feierlichen
Gelübden.
Auch im 18. Jahrhundert mußten die Piaristen Anfeindungen über sich
ergehen lassen, insbesondere warf man ihnen vor, daß sie gemäß ihren
Satzungen nur Volksschulunterricht armen Kindern erteilen dürften.
Papst Klemens XII. bestätigte ihnen aber 1731, daß sie Jugendlichen
jedes Standes in ihren Kollegien und Seminarien auch höhere
Wissenschaften lehren dürften. Als Folge davon traten sie als Erzieher
immer mehr in Konkurrenz zu den Jesuiten, wozu beitrug, daß diese nur
humanistische Studiengänge anboten, während die Piaristen schon damals
auch die noch vernachlässigten naturwissenschaftlichen Fächer lehrten.
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Benützte Literatur:
Huber, W.E.: "Lebensbilder katholischer Erzieher", Band 1, Mainz 1886.
Manns, Peter: "Die Heiligen in ihrer Zeit", 2. Band, Mainz 1966.
Stadler, Joh. Ev.: "Vollständiges Heiligenlexikon in alphabetischer Ordnung", Band 3, Augsburg 1869.
"Vies des Saints", Band 8, Paris 1949.
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