56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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Ausgabe Nr. 9 Monat November 2004
Widerstand? - Fehl(er)anzeige!


Ausgabe Nr. 11 Monat Dezember 2004
Die Allerheiligste Dreifaltigkeit


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Joseph Görres


Ausgabe Nr. 6 Monat Oktober 2005
Ein terminologisches Dilemma


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2005
Unfreundliche Betrachtungen


Ausgabe Nr. 11 Monat december 2005
The Holy Trinity


Ausgabe Nr. 11 Monat december 2005
La Sainte Trinité


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2006
Am Scheideweg


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1971
Einige präzise Fragen an Herrn Professor Schmaus


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1971
WAHNSINN


Ausgabe Nr. 2 Monat März 2003
Orthodoxie und europäische Identität


Ausgabe Nr. 3 Monat April 2003
Die Irrtümer des Johannes Rothkranz


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2002
Welche Bedeutung hat der Kanon 1366 § 2 des CIC


Ausgabe Nr. 4 Monat Juli 2002
AN DIE PRIESTER


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2000
Der heilige Anselm von Canterbury


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2000
Der selige Oliver Plunket


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2000
Linientreue Zwerge


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2000
MITTEILUNGEN DER REDAKTION (dt/espa)


Ausgabe Nr. 7 Monat Oktober 1971
FRIEDRICH HEINRICH JACOBIS


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1999
Warum die Einsicht Ecône unterstützt


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1999
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 1998
ERWIDERUNG AUF DIE STELLUNGNAHME VON DR. E. HELLER


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1998
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1997
Buchbesprechungen


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
Buchbesprechungen


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1997
SEKTIERERTUM ALS VORGABE


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1993
DER HL. ALBERTUS MAGNUS


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1994
ZUM PROBLEM DER ERFORDERLICHEN INTENTION BEI DER SAKRAMENTENSPENDUNG


Ausgabe Nr. 4 Monat November 1996
VERSINKT DER KATHOLISCHE WIDERSTAND... (Anmerkungen)


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1996
Buchbesprechungen


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1995
WELCHE PHILOSOPHIE? - Einleitung


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1995
WELCHE PHILOSOPHIE? -Fortsetzung


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1995
NUR NOCH AUSLAUFMODELL?


Ausgabe Nr. 5 Monat März, Doppelnr. 5-6 1996
WELCHE PHILOSOPHIE? 2. Teil


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
La Santisima Trinidad


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1994
LESERBRIEFE


Ausgabe Nr. 4 Monat Mai 2006
Leserbriefe zu dem Beitrag Am Scheideweg


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2013
Die Irrtümer des II. Vatikanums und ihre Überwindung


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1984
DIE LÄSTERUNG DES GEISTES


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1980
EINSICHT!


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1980
PRÄZISE ZIELE!


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 1980
EINSICHT!!


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1980
DIE KATZE LÄSST DAS MAUSEN NICHT.


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 1981
IM VERTRAUEN AUF GOTT!


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2006
Und ihr werdet sein wie Gott


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1979
DASS (...) DER WAHRHEIT DIE EHRE GEGEBEN WIRD


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1979
UNSCHULD UND SCHULD DER FRAU IN DOSTOJEWSKIJS WERK


Ausgabe Nr. 7 Monat April 1980
JOHANNES PAUL II.


Ausgabe Nr. 7 Monat April 1980
STELLUNGNAHME GEGEN DIE VORWÜRFE, DIE GEGEN DAS VON DER SAKA GEPLANTE SEMINAR GERICHTET SIND.


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
EN LA ENCRUCIJADA


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
À la croisée des chemins


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
At the crossroads


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
Y seréis como Dios (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
And thou wilt be like God (Gen. 3,5)


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1975
DER VERABSCHEUTE DIENST


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 1975
EHE, FAMILIE UND ERZIEHUNG


Ausgabe Nr. 13 Monat September 2007
LA SANTISIMA TRINIDAD


Ausgabe Nr. 13 Monat September 2007
Et vous serez comme Dieu


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2008
Zum 50. Todestag des katholischen Dichters Reinhold Schneider


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2008
Die prinzipielle Offenbarung Gottes und die konkrete Offenbarung


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2009
Die Erfassung der Einheit (des Wesens) Gottes


Ausgabe Nr. 2 Monat April 2009
Dokumente zum Fall Williamson


Ausgabe Nr. 3 Monat August 2009
Die Wahrheit ist einfach


Ausgabe Nr. 12 Monat September 2009
The Truth is simple


Ausgabe Nr. 11 Monat giugno 2010
Al crocevia


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2011
A. 9- 13. a-b Ist das Kirchenvolk in der Konzilskirche erhalten?


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
E sarete come Dio (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
Al crocevia


Ausgabe Nr. 3 Monat Sptember 2011
Das Reich Gottes 'haben wollen'


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
DIE THEORIE DER INTERPERSONALITÄT IM SPÄTWERK J.G. FICHTES


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Einleitung


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel I


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel II


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel II, Forts. 1


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 1


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 2


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 3


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 4


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 5


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 6


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 7


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 8


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 9


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel IV


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2012
Mitteilungen der Redaktion, Hinweise


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2012
Mitteilungen der Redaktion, Hinweise


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2013
Hinweis: Promotion von Eberhard Heller


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2013
Neues aus dem finsteren Land Absurdistan


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2014
Wie Christus als Gottes Sohn erkannt werden kann - weiterführende Betrachtungen


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2014
Moderne Sozial- und Schulpolitik


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2015
Gehört der Islam zu Deutschland?


Ausgabe Nr. 4 Monat September 2015
Die Irrtümer des II. Vatikanums und ihre Überwindung durch die Erkenntnis Christi als Sohn Gottes


Ausgabe Nr. 4 Monat September 2015
Fortsetzung I: Wie Christus als Gottes Sohn erkannt werden kann - weiterführende Betrachtungen


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 2019
Himmelfahrt Christus im Herzen


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 2019
Ich rufe dich bei Deinem Namen: Mein bist Du


Ausgabe Nr. 2 Monat März 2020
Mitteilungen der Redaktion


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2020
Gedanken zu „Einsicht“, Sept. 2015, Dr. E. Heller


Ausgabe Nr. 4 Monat Juni 2020
The Errors of Vatican II and their defeat through Recognizing Christ as Son of God


Ausgabe Nr. 4 Monat Juni 2020
How Christ can be recognized as Son of God – further reflections


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2020
Los errores del Vaticano II y su superación gracias al conocimiento de Cristo como Hijo de Dios


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2020
Cómo se puede conocer a Cristo como Hijo de Dios: nuevas consideraciones


Ausgabe Nr. 6 Monat Juni 2020
Comment le Christ peut être reconnu comme le Fils de Dieu


Ausgabe Nr. 6 Monat Juni 2020
Les erreurs de Vatican II


Ausgabe Nr. 7 Monat Juli 2020
Buchbesprechung:


Ausgabe Nr. 4 Monat August 2021
Der Herr ist der Geist


Ausgabe Nr. 3 Monat Juni 2022
Zum 80. Geburtstag von Dr. Eberhard Heller


Ausgabe Nr. 4 Monat September 2022
Fanatismus im Islam und im Christentum?


Ausgabe Nr. 5 Monat November 2022
Wie im Islam


Ausgabe Nr. 4 Monat August 2023
Herr und Knecht


Ausgabe Nr. 5 Monat August 2024
Anmerkungen Nur noch Auslaufmodell


Ausgabe Nr. 5 Monat November 2025
Seelsorgerliches Wirken von P. Michael Mutter


Ausgabe Nr. 5 Monat November 2025
Herr und Knecht


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2026
Welche Philosophie? Thomas oder Fichte?


Joseph Görres
 
Görres, einer der bedeutendsten Publizisten Deutschlands und in verschiedenen Wissensgebieten zu Hause, ohne jemals ein Hochschulstudium absolviert zu haben, zählt zu den interessantesten Persönlichkeiten seiner Zeit. Er entstammt einer an der unteren Mosel ansässigen bürgerlichen Familie und wurde 1776 zu Koblenz geboren, wo sein Vater Kaufmann und Holzhändler war. Die Kindheits- und Jugendjahre des hochbegabten und frühreifen Knaben, der schon als Gymnasiast erstaunliche Kenntnisse, besonders in den Naturwissenschaften erworben hatte, fiel noch in die letzte Zeit der vom Zauber des Rokkoko verklärten kurfürstlichen Herrschaft. Aber bald verlor Görres seinen Glauben: die Regierung des kraftlosen, um seine Existenz ringenden Erzbistums Trier forderte den Zwölfjährigen zu einer Satire über Papst und Bistum heraus.

Ab 1793 besuchte er die Universität Bonn, um Medizin zu studieren. Doch in dieser Zeit zogen bereits die Heere der französischen Revolution in Koblenz und Mainz ein. Schnell kam die Stunde, in welcher sich Görres mit Begeisterung den Ideen der Revolution verschrieb, denn durch seine Proklamation und seine geschicketen Agenden, welche die Befreiung von Klerus und Adel sowie die Verbrüderung der Menschheit versprachen, gelang es dem revolutionären Frankreich, besonders unter der Jugend, viele Anhänger zu gewinnen. Von der Revolution begeistert, brach Görres 1795 sein Studium ab und trat, begabt mit einem bedeutenden Rednertalent, als Klubredner in Mainz auf.
1797 erschien seine erste Dekaden-Schrift, das "Rote Blatt". Bereitst in diesem Journal stand die Parole, der er während seines ganzen Lebens treublieb: "Unablässiger Krieg gegen Schlechtigkeit aller Art, jedoch die Hand dem tugendhaften Mann."

Der Weltbürger Görres, der von einem Anschluß des Rheinlands an Frankreich das Beste erhoffte, gehörte einer Deputation an, die Ende 1799 günstige Bedingungen für einen rheinischen Staat unter französischer Protektion aushandeln sollte. Als diese Abordnung aber in Paris ankam, war bereits das Direktorium als letzte revolutionäre Institution durch Napoleon gestürzt worden, der statt der Weltverbrüderung einen Eroberungskrieg nach dem anderen starte.

Mit  voller Energie trat nun Görres in eine neue Etappe seines so facettenreichen Lebens ein. Ein echter Jakobiner war er ohnedies nie gewesen, denn er beschrieb diese als Leute, die zwar eine hohe Energie besäßen, aber ohne Bildung und Humanität seien. Er zog sich jetzt vom öffentlichen Leben zurück. Doch ein Leben in Ruhe und bürgerlicher Behaglichkeit verhinderte allein schon sein ungestümes Naturell, das nicht nur temperamentvoll, sondern gleichsam von vulkanischer Eruption war.

Obwohl er die Stelle eines Lehrers der Physik an der Koblenzer Sekundarschule (früher Gymnasium) erhalten hatte, suchte sein nimmermüder Geist zusätzlich in den verschiedensten Wissenschaften Anregung. Er beschäftigte sich mit Sanskrit, Mathematik, Chemie, Astronomie; auch die Liebe zur Medizin war noch nicht erloschen. Er verfaßte nun eine Reihe von Schriften, meist über Themen aus den Gebieten der Naturwissenschaften, wobei ihn Schellings pantheistische Naturphilosophie, die ihm "wie aus dem Herzen genommen ist", besonders begeisterte und beeinflußte. Als er 1806 vom Schuldienst beurlaubt wurde, faßte er den Entschluß, an der Heidelberger Universität Vorlesungen abzuhalten. Es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß auch finanzielle Nöte bei diesem Berufswechsel eine Rolle spielten, denn er war seit einigen Jahren verheiratet und hatte Kinder. In Heidelberg bezog er in seine Vorlesungen mehrere Einzelwissenschaften mit ein: u.a. Psychologie, Philosophie, Ästhetik, spekulative Physik, Himmelskunde und Hygenie, zuletzt sogar altdeutsche Literatur.

Hier  in Heidelberg durchlebte er jetzt gleichsam eine neue Metamorphose: Er schloß mit den bedeutendsten Repräsentanten der sogenannten jüngeren Romantik, Bretano und Achim von Arnim, Freundschaft. Das bedeutete zugleich, sich in das von der Aufklärung als barbarisch verachtete Mittelalter zu vertiefen. Sein kämpferischer Geist schreckte nicht davor zurück, zwei Repräsentanten der Spätaufklärung, den berühmten Homer-Übersetzer, Johann Heinrich Voß, sowie den rationalistischen protestantischen Theologen Heinrich Paulus, der die Wunder Jesu auf natürliche Weise zu erklären versuchte, zu bekämpfen. Seine Liebe zum deutschen Mittelalter veranlaßte ihn, seine "Teutschen Volksbücher", die erste kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Literatur des Mittelalters, herauszugeben.

Eine dauerhafte Anstellung an der Heidelberger Universität kam nicht zustande, so daß er gezwungen war, am Koblenzer Gymnasium den Unterricht wieder aufzunehmen. Die Niederlage Österreichs im Kampfe gegen Napoleon 1809 und der Rat seiner Dichterfreunde der Romantik veranlaßte ihn, sich wieder der Politik zu widmen. So verfaßte er die Schrift "Über den Fall Deutschlands und die Bedingung seiner Wiedergeburt", die einen Vergleich mit Fichtes "Reden an die deutsche Nation" nicht scheuen braucht. 1810 schrieb er den Aufsatz "Fall der Religion und ihre Wiedergeburt". Darin hält er eine Erneuerung Deutschlands nur durch eine Anbindung der Gesellschaft an die Kirche für möglich. Allerdings will er um die alte Kirche eine neue der "Humanität und der Kultur" errichten, die er mit folgenden Worten charakterisiert: "Wir sind den Zeiten wohl nicht allzu ferne, wo die katholische Kirche durch die protestantische sich ergänzt und in dieser Gemeinschaft ohne Überwältigung die wahre allgemeine Kirche wiederherstellt", eine Idee, die er später wieder aufgab.

Nachdem am 1. Januar 1814 Blücher als Oberbefehlshaber des schlesischen Heeres bei Kaub den Rhein überschritten hatte, brach Napoleons Herrschaft im links-rheinischen Gebiet zusammen. Nun begann für Görres die Stunde, als Sprecher des deutschen Volkes und als erster großer Journalist Deutschlands wirken zu können. Seine Waffe war der "Rheinische Merkur", eine in Koblenz erscheinende Zeitung. Sie propagierte eine bessere Zeit für Deutschland in einem freien großen deutschen Kaiserreich. Der an der Spitze stehende Kaiser, dem die Leitung aller Kriegsgewalt anvertraut werden sollte, müßte mit der ganzen Würde der alten Kaiser bekleidet werden. Diesen Vorstellungen entsprechend sollte es einen nach Ständen gegliederten Staat geben, der aber frei wäre sowohl von dem illusionistischen Vorstellungen, das Mittelalter wieder zu neuem Leben zu erwecken, als auch von jeder Art eines radikalen Liberalismus. Görres konnte sich aber mit seinen politischen Ideen nicht durchsetzen, vielmehr siegte die von Metternich propagierte "Heilige Allianz", die dem deutschen Volk nur den schwachen, schließlich den lächerlich erscheinenden Deutschen Bund brachte.

So willkommen den Fürsten Görres zu Anfang des Erscheinens des "Rheinischen Merkurs" auch war, als er sich als erfolgreicher Kämpfer gegen Napoleon erwies, so verhaßt wurde er ihnen wenige Jahre später mit seiner Kritik an ihrer Bürokratie und Reaktion. Einige süddeutsche Staaten beschlagnahmten sogar die Zeitung.

Görres erkannte, daß der Jahrzehnte dauernde Krieg sowie die Entstehung der Industriegesellschaft mit ihren Fabriken die Lage der Armen noch wesentlich verschlechtert hatte. Als sich deshalb nach Kriegsende durch Mißernten die Not noch vergrößerte, wandte er sich in gewohnter Leidenschaft an die Regierung und die Kirche mit Worten wie:

    "Ihr sprecht vom Christentum, wer aber hat seine Macht zuerst gebrochen, in dem er es zum Deckmantel seiner                 Habsucht und jelicher bösen Leidenschaft gemacht hat? Wer kreuzigt noch jetzt den Herrn in seiner Kirche und würfelt      um sein Gewand? Mit Worten höre ich seine Lehre viel bekennen, aber  die Werke sind nicht danach."

So gründete er den "Koblenzer Hilfsverein", um in der Eifel, auf dem Hundsrück, im Moseltal und im Westerwald die vielfach herrschende Hungersnot zu lindern. Wenn er auch keine eigentliche Soziallehre verfaßte, so erkannte er, daß sich bald auch oder gerade die katholische Kirche mit einer drohend gewachsenen sozialen Frage würde auseinandersetzen müssen. Warscheinlich machte er etwa zwanzig Jahre später als Professor in München den Theologiestudenten Ketteler mit der sozialen Frage bekannt und legte so den entscheidenden Grund für dessen späteres Wirken auf dem Gebiet der katholischen Soziallehre und -politik.

1819 veröffentlichte er "Teutschland und die Revolution", was aber kein Aufruf zu einem gewaltsamen Umsturz insinuieren sollte, sondern vielmehr eine Absage an jegliche Revolution beinhaltet und eine ernste Mahnung an Volk und Fürsten darstellt. In dieser Schrift setzt er sich auch mit der intoleranten und unwürdigen Behandlung der katholischen Kirche auseinander, der sie sich seit dem Wiener Kongreß 1815 in den durch Preußen einverleibten Gebieten ausgesetzt sah. Diese Kritik führte schließlich dazu, daß der preußische König befahl, ihn zu verhaften. Ihm gelang es aber zu entfliehen, zuerst nach Straßburg und danach in die Schweiz nach Aarau. Das Leben in der Verbannung fiel ihm bald leichter, als er in Straßburg Mitarbeiter an der streng religiösen Zeitschrift "Katholik" wurde, deren Gründer die späteren Bischöfe Räß (Straßburg) und Weiß (Speyer) waren. In diesem Blatt weist er die Absicht, daß der Protestantismus ein notwendiges Korrelat zur katholischen Kirche bilde, zurück, auch die "fixe Idee", der Protestantismus stehe zwischen und über den beiden Extremen des Rationalismus und des römischen Papismus. Immer schärfer stellt er nun auch den Zusammenhang zwischen Reformation und Revolution heraus und bezeichnet die Reformation als "zweiten Sündenfall der Menschheit". In diese Zeit seiner vollständigen Versöhnung mit der Kirche fällt auch die Einsegnung seiner 1801 geschlossenen bürgerlichen Ehe.

Wieder nach Deutschland zurückgekehrt, versuchte Görres vergebens in seiner so schönen Heimat einen neuen Wirkungskreis zu erhalten. Nach erheblichen Schwierigkeiten und trotz des Widerstand der preußischen Regierung erfolgte schließlich durch König Ludwig I. seine Berufung als Professor nach München, wohin dieser die bis 1810 in Landshut befindliche Universität verlegt hatte. Sie entwickelte sich in kurzer Zeit besonders durch ihn zu einem Zentrum der katholischen Bewegung. Obwohl nun Professor der allgemeinen und "Litterärgeschichte" wurde er, der sein Leben lang ein mutiger, ungestüm schreibender Publizist gewesen war, dennoch kein Professor der Geschichts-wissenschaft im herkömmlichen Sinne. Was er seinen Hörern bot - die Hörsäle vermochten die Studenten kaum zu fassen -, war weniger die Darstellung der Geschicht als vielmehr deren Deutung von der Offenbarung Gottes her, die seine Gegner gerne als eine Art von Dilettantismus bezeichneten.

1837 entstand im Rheinland und in Westfalen ein Kirchenstreit, der gefährliche Ausmaße annahm. Der neu ernannte Metropolit der Kölner Kirchenprovinz, Clemens August von Droste zu Vischering, ein streng kirchlicher und energischer Mann, lehnte die von seinem Vorgänger 1834 unterzeichnete sog. Berliner Convention ab, die eine feierliche kirchliche Einsegnung konfessionell verschiedener Eheleute ohne die Garantie der katholischen Kindererziehung ermöglichte. Der Konflikt weitete sich soweit aus, daß der Erzbischof wegen mehrfacher "Beweise des Ungehorsams gegen die preußische Regierung" auf die Festung Minden abgeführt wurde. Obwohl Görres sein sechzigstes Lebensjahr bereits überschritten hatte, übernahm er mit gewohntem Feuereifer die Verteidigung des Metropoliten, den er, wie es aus dem Titel seiner Verteidigungsschrift hervorgeht, mit dem großen Bekenner und mutigen Verteidiger des Glaubens, dem hl. Athanasius verglich. In seinem "Athanasius" schlägt Görres dort scharfe Töne an, wo es sich um die Bevormundung des preußischen Staates und seiner Bürokratie handelt, die z.B. die Prozessionen und Feiertage vermindern oder den Besuch katholischer Kinder auf protestantischen Schulen erzwingen will. Überhaupt moniert er die traurigen Verhältnisse der Katholiken unter preußischen Behörden, die er als die regierende "Mandarinen-Klasse" bezeichnet.

Der "Athanasius" leitete eine neue Epoche im Katholizismus Deutschlands ein. Während sich die Kirche noch nicht von den furchtbaren Schlägen, die ihr die Säkularisation zugefügt hatte, zu erholen vermochte, zeigte sie sich nun nach dem Erscheinen dieser Schrift gleichsam verjüngt. Es gelang, mit Preußen einen Modus vivendi zu finden, besonders seit der Regierung König Friedrich Wilhelms IV., der den Katholiken wohlgesinnt war. In verstärktem Maße wurden nun anstelle der alten Bischöfe, die in ihrer Jugend- und Studienzeit noch von der Theologie der Aufklärung geprägt worden waren, jüngere, auch sehr junge Bischöfe gewählt, die wesentlich energiescher die Rechte der Kirche verteidigten und einforderten. Gleichsam als Zeichen einer neuen Zeit wurde auch der zu Anfang der Vierzigerjahre beginnende Weiterbau am Kölner Dom, der seit 1560 eingestellt worden war, empfunden.

Einige Jahre nach dem "Athanasius" erschien sein Hauptwerk, die vier Bände umfassende "Mystik". Wenn auch nicht frei von theologischen Fehlern, zeigten diese insgesamt 4000 Seiten umfassende Bücher die Wege, die der gefallene Mensch beschreiten muß, um wieder mit Gott versöhnt  werden zu wollen. Soweit Polemik vorkommt, richtet sie sich entweder gegen die Philosophie von Hegel oder gegen Geistesstörungen, die den Liberalismus oder den Hedonismus propagieren.

In seinen letzten Lebensjahren erkannte Görres gleisam mit prophetischem Blick die schweren Probleme, mit denen sich die kommenden Zeiten würden auseinandersetzten müssen: den Kommunismus  - 1847/48 erschien Marxens "Kommunistisches Manifest" -, den Radikalismus und das Proletariat.

Der Mann, der die katholische Religion, die Wahrheit und die Freiheit ohne Wenn und Aber geliebt hatte, starb nach einer ganz kurzen Krankheit am 29. Januar 1848 im Alter von 72 Jahren. Ein ehrendes Andenken schuf ihm anläßlich seines hundertsten Geburtstages 1876 der vorletzte Kanzler des zweiten Kaiserreiches, Georg Freiherr von Hertling. Er betrieb als katholische Reaktion auf den Kulturkampf die Errichtung der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaften und zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

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Benützte Literatur:

Brück, Heinrich: "Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland", 2. Bd. Mainz 1889.
Artikel "Joseph Görres" in: Coreth Emmerich u.a.: "Christliche Philosophie im kath. Denken des 19. und 20. Jhdt." Band 1, Graz 1987.
Döring Heinrich: "Allg. Enzyclop. der Wissenschaften und Künste", Leipz. 1861 u. Graz 1974.
Mann, Golo.: "Die großen Deutschen", Bd. 2, Berlin 1956.
Mirbt, Cane: "Realenz. f. prot. Theologie u. Kirche" Bd. 6, Leipzig 1899.
Raab Heribert: "Rheinische Lebensbilder" Bd. 8, Köln 1980.
 
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