Ein Beitrag zum Apokalyptischen Charakter unserer Zeit:
DER GEBRAUCH VON DROGEN UNTER DEN MITGLIEDERN DER WACHMANNSCHAFT ÜBER NUKLEARWAFFEN
(oder der Hinweis, daß die rationale
Kontrolle der Nuklearwaffen fraglich geworden scheint -
Anm.d.Übersetzers) aus dem Englischen übersetzt von G.Mevec
Die Drogenepidemia durchdringt nicht nur die amerikanische Armee, sie
hat sich bereits unter jenen Männern verbreitet, die mit Amerikas
Nuklearwaffen umgehen.
Offizielle Untersuchungen der Armee haben bestätigt, daß der Gebrauch
von Drogen bei Männern der Marine, d.h. unter den Mannschaften der
Polaris-Atum-U-Boote, beim Strategischen Luftkommando und bei der Armee
unter den Herkules-Raketen-Bataillonen festgestellt wurde. Nur der
Präsident ist befugt, "den Knopf zu drücken", mit dem eine Nuklearbombe
oder Nuklearrakete abgeschossen würde. Aber in jeder (der genannten
Abteilungen - Anm.d.Übersetzers) könnten zwei im Dienst befindliche
Schlüsselpersonen eine atomare Explosion auslösen. Jede Abteilung hat
Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um gewiß zu sein, daß diese
Wachmannschaften nur aus gesunden und nüchternen Personen bestehen.
Doch mußte jede der Abteilungen feststellen, daß einige Mitglieder der
Mannschaften Drogen gebrauchen. Auf bestimmte Weise ist eine Anzahl von
offiziell dokumentierten Fällen bekannt geworden, obwohl das
Verteidigungsministerium nicht willens war, der Öffentlichkeit davon
Kenntnis zu geben:
Marine: - 1969 wurden 38 von 140 Männern der Mannschaft des mit
Atomraketen bestückten U-Bootes USS Nathan Hale auf den Gebrauch von
Drogen hin untersucht. Bei 18 konnte nichts festgestellt werden. 12
wurden aus dem Dienst entlassen und 8 wurden verwarnt und aus dem
U-Bootdienst gezogen. Die Marine gab bekannt, daß sechs der Männer, die
mit Drogen zu tun hatten, Ämter innehattenl, die eine spezielle
Zuverlässigkeitsuntersuchung auf drei der niedrigsten
Empfindlichkeitsstufen erforderte. Einer von zwanzig, die Drogen
gebrauchten, hätte Haschisch und LSD, die anderen hatten Marihuana
genommen. Als Antwort auf eine Untersuchung durch Rep.John Murphy von
New York teilte die Marine mit, daß sie im April 1971 dem
Drogengebrauch unter den der USS Canopus zugeteilten Mannschaft
nachgegangen war. Fünf der zu dieser Zeit untersuchten Seeleute gaben
zu, LSD und Marihuana zu nehmen. Der Marinebericht sagte jedoch, die
Matrosen hätten behauptet, die Drogen nur an Land zu nehmen. Die
"Canopus" ist ein Begleitschiff für die Polaris-U-Boote, die den
Stützpunkt Holy Loch in Schottland anlaufen und wieder verlassen.
Luftwaffe: - Die californische Polizei durchsuchte im November 69 vier
außerhalb des Stützpunktes liegende Wohnungen von vier SAC (Strategie
Air Command)-Piloten, die dem Castle-Stützpunkt zugeteilt waren. Die
Polizei fand Marihuana, LSD und künstliche Drogen in einer nach
Hippie-Art aufgemachten Wohnung, deren Wände mit Ho-Chi-Minh Bildern
geschmückt waren. Ein SAC-Mechaniker, der gewöhnlich an den B-52
Bombern arbeitet, welche vier H-Bomben befördern, wurde ebenso
festgenommen. Ex-Senator Thomas Dodd, der den Zwischenfall untersuchte,
wurde vom Pentagon informiert, daß einer der Piloten und der Mechaniker
den Verkauf von Marihuana gestanden hätten.
Heer: - Eine komplett bewaffnete russische Mig-17, geflogen von einem
kubanischen Deserteur, durchbrach im Nov.69 die US-Radarkontrolle und
alle anderen Warnungseinrichtungen und landete auf dem Flughafen der
Luftwaffe in Homestead, Florida.
Das Flugzeug des Präsidenten befand sich zu dieser Zeit auf dem
Stützpunkt, da der Präsident in der Umgebung Urlaub machte. Der Vorfall
führte zu einer Untersuchung auf dem Stützpunkt, wobei 35 Mitglieder
der Nike-Herkules-Mannschaft wegen Verkaufs und Gebrauchs von Drogen -
Marihuana und LSD - verhaftet wurden. Der Verwalter Williarm P. Mack,
dem damals das Pentagon-Programm zur Überwachung von Drogenmißbrauch
unterstellt war, bezeugte, daß nur zehn der Verhafteten verantwortliche
Positionen inne hatten, d.h. nur einer je Geschützgruppe stand unter
Drogeneinfluß. Es bedarf aber zweier Männer, um ein Geschoß abzufeuern.
Das Obige sind nur Tatsachen, welche die Abteilungen der Streitkräfte
selbst untersucht, bestätigt und in Bezug auf spezielle Nachfragen zu
den Einzelfällen bekanntgemacht haben. Aber wie viele andere Fälle gibt
es außerdem? Niemand weiß es. Haben die Hasch-Raucher und Säure-Köpfe,
die Atomwaffen abfeuern könnten, Nuklearträume? Wer darüber Bescheid
weiß, hat es jedenfalls nicht publik gemacht.
Der Pentagon weist ständig darauf hin, daß die Drogen ein Problem
unserer Gesellschaft darstellen und man daher nicht erwarten könne, daß
die Streitkräfte dagegen immun seien. Doch ist die Verbindung von
Nuklearwaffen und Drogen mehr als ein böses (Drogen-)Erlebnis. Es
könnte zu einer pilzartigen, die Welt verschlingenden Wolke werden.
Dieser Artikel erschien in der amerikanischen Tageszeitung von Rochester, N.Y."The Times Union", vom 18. August 1971.
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