56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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Ausgabe Nr. 5 Monat August 2005
Rundschreiben Mediator Dei et hominum


Ausgabe Nr. 8 Monat Januar 2002
Die Synode von Pistoja


Ausgabe Nr. 9 Monat Dezember 1971
TUET BUSSE!


Ausgabe Nr. 12 Monat März 1972
QUELLEN DER GLAUBENSLEHRE


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1993
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1994
WAS BEDEUTET DIE UNZERSTÖRBARKEIT DER KATHOLISCHEN KIRCHE?


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar-März 1993
Zum Problem der gegenwärtigen Vakanz des römischen Stuhles


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1991
WER WAR JOHANNES XXIII.?


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1990
ANMERKUNGEN ZUR THEOLOGIE VON H.H. P. GROSS


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1990
ZWISCHEN ZWEI STÜHLEN


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1989
UNBESETZTER APOSTOLISCHER STUHL


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1981
DIE EMSER PUNKTATION


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1981
LITURGISCHE EXPERIMENTE DES DEUTSCHEN RATIONALISMUS


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1980
DIE HERZ-JESU- UND HERZ-MARIÄ-VEREHRUNG


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 1981
DIE SYNODE VON PISTOJA UND DIE BULLE 'AUCTOREM FIDEI'


Ausgabe Nr. 7 Monat April 1979
VERE ANTIQUI ERRORIS NOVI REPARATORES!


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1977
WAS BEZWECKT DIE NEUE PRIESTERWEIHE ?


Ausgabe Nr. 7 Monat April 1978
DIE LITRUGISCHE SPRACHE


Ausgabe Nr. 7 Monat Oktober 1972
DIE LOGIK EINES THEOLOGEN


Ausgabe Nr. 6 Monat September 1973
VOLKSSPRACHE IN DER LITURGIE?


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 2017
Die Synode von Pistoja


TUET BUSSE!
 
TUET BUSSE!

von
Hochw. Dr.theol.Otto Katzer

Das XX.Jahrhundert steht im Zeichen der Moral insanity (des moralischen Wahnsinns); es scheint, daß es ganz dem moralischen Schwachsinn, der äußersten Gemütsarmut verfallen ist. So oft stehen wir unter dem hl.Kreuze! Von Jobs Freunden sagt Faber in seinem Buch "Der Fuß des Kreuzes oder die Schmerzen Mariens": "Sie sahen, daß der Schmerz sehr groß war. Sie wußten, daß Stillschweigen der beste Trost sei. Es gab nichts, was das Herz des Trauernden so rühren konnte, als der Umstand, daß seine Freunde das Übermaß seiner Trübsal zu würdigen verstanden. Als sie endlich sprachen, reizten sie ihn zum Ärger. Der Zauber ihrer tröstlichen stillen Gegenwart war dahin." Auf dem Leidensweg und unter dem Kreuze wird wohl in der Gruppe der Mutter Gottes kaum ein Wort gefallen sein. Deshalb hat auch die hl.Kirche, die als Trösterin unter dem hl.Kreuze stehen will, beim Canon das Schweigen angeordnet. Es ist ein klares Zeichen des Nichtverstehens und äußerster Gefühlslosigkeit, wenn wir es nicht zustandebringen, so wie wir sollen, am Leiden des Herrn teilzunehmen. Bei dieser Gelegenheit haben wir auch die Pflicht, uns auf zwei Fragen die Antwort zu geben:

Cur Deus homo - Warum ist Gott Mensch geworden?
Cur Deus missam - Warum hat der Gottmensch das hl.Meßopfer eingesetzt?

Die Antwort auf die erste Frage lautet: Um der Gerechtigkeit Gottes die gebührende Satisfaktion zu bringen, den Menschen zu erlösen und ihm das Erreichen der ewigen Seligkeit zu ermöglichen, was natürlich ohne seine, des Menschen, Mitarbeit nicht möglich ist.

Die Antwort auf die zweite Frage lautet: Um dem Menschen das compati, das Mitleiden und Mitarbeiten, die Anteilnahme an Seinem Opfer zu ermöglichen, ohne welches er von den Früchten des hl.Kreuzes nicht genießen darf und auch die ewige Seligkeit nicht erlangen kann. Ohne aktive Teilnahme, wenigstens in voto, gibt es für den Menschen keine Rettung.

Betrachten wir den Heiland im Brennpunkt Seines Leidens, wie Er den Himmel mit der Erde, zwischen Himmel und Erde am Kreuze hängend, wieder versöhnt, und bedenken wir alle unsere eigenen Sünden, wie auch die Sünden der Welt, die Er auf sich genommen hat. Wenn der letzte Funken noch eines gesunden Hausverstandes in uns geblieben ist und unser Herz nicht völlig verdorrt, müssen wir erschaudern ob auch der geringsten Sünde!

Willst du sehen, wie die Sünde ausschaut - dann: ECCE HOMO!
Willst du wissen, was Leid ist, dann betrachte unsere Mutter!

Nicht umsonst heißt es: omne malum e clero? alles Übel kommt vom Klerus! Dessen war sich die Kirche immer bewußt, und dies wurde ganz besonders zu Beginn des Konzils von Trient von den Legaten des apostolischen Stuhles betont. Das, was die Reformation ins Leben gerufen hatte, war eben gegen die Gebote Gottes und die Anordnungen der hl.Kirche. Wenn die hl.Kirche nur eine Frage jährlich beantwortet hätte und ihr Urteil darüber ausgesprochen, das endgültige, unfehlbare Urteil in Sachen des Glaubens und der Sitten, so hätten wir schon 2000 Urteile. Wie viele sind ihrer aber in Wirklichkeit: Tausende und Abertausende! "Iam millena et millena judicia dogmatica a Sede apostolica emanarunt" (Schon tausende und abertausende dogmatische Urteile sind vom Apostolischen Stuhl ausgegangen), so wurde beim ersten Vatikanum betont (Coll.Lac. VII, col. 401), von welchen allen gilt, daß ihr Nichtbefolgen wenn nicht gerade immer Häresie, so doch stets error gravissimus, eine überaus schwere Verirrung ist, und peccatum gravissimum, eine überaus schwere Sünde! (ebendort col. 475. Acta et decreta SS. Concilii Vaticani.) Doch Sünde hin, Sünde her, was hat uns noch die Sünde zu sagen?

Im Holländischen Katechismus, Seite 257 der Deutschen Ausgabe, wird behauptet, daß im sogenannten Ritenstreit - der heute von neuem ausgebrochen ist - "die Missionare, die den unterlegenen Standpunkt vertraten, gehorchten". Das ist grobe Irreführung. Den Überblick über die ganze Angelegenheit gewinnen wir aus der Apostolischen Konstitution des Papstes Benedikt XIV., "Ex quo singulari", gegeben zu Rom, Santa Maria Maggiore, 11.Juli 1742, im Zweiten Jahre Unsres Pontifikats. Ein ganzes Jahrhundert, angefangen vom Jahre 1645, mußten die Päpste mit den "unfolgsamen und verfänglichen" Missionaren kämpfen, um sie zum Gehorsam zu zwingen, was nur mit erneuten Exkommunikationen und Vereidigungen auf Grund Apstolischer Gewalt möglich wurde; - daß auch auf die Dauer-nicht, darüber können wir uns leider heute alle überzeugen. Roma locuta (Rom hat gesprochen)? - zum Lachen, das gehört ja der Vergangenheit an!
Im Breve "Cum maxime nobis" vom 8.August 1794 teilt Papst Pius VI. dem Kaiser Ferdinand III. mit, daß er deshalb die apostolische Konstitution "Auctorem fidei" herausgegeben hat, um für die Zukunft eine neue Riccianische Synode, wie die des Bischofs von Pistoja, unmöglich zu machen. Auch belegte er jedes positive Beachten der pistojanischen Beschlüsse mit der Exkommunikation. ("Mit apostolischer Autorität (...) verbieten und verdammen wir das Buch "Die Akten und Beschlüsse des Diözesankonzils von Pistoja", wie auch alle anderen Bücher, die es oder seine Lehre verteidigen, sowohl die geschriebenen, als auch die im Druck herausgegebenen, als auch die was Gott vorhüten möge - , welche noch herausgegeben werden; ebenso deren Lesung, Abschrift, Aufbewahrung und Gebrauch verbieten und untersagen wir zugleich jedem einzelnen Christgläubigen unter der Strafe der Exkommunikation, die sich jeder zuwiderhandelnde schon allein durch die Tat (ipso facto) zuziehen wird."

Auch in dieser Konstitution wird die Einführung der Landessprache in die Liturgie verworfen. (Vgl.Denz. 1533, 1566, wie schon früher 1436).

Wenn die Sünde für uns belanglos ist, was erst dann die Exkommunikation! Wer kümmert sich heute noch darum, da die "Liebe" wartet!

Und so sind wir so weit gekommen, wie Katharina Emmerich es angibt: "Ich sehe, sagte sie einmal, so viele Geistliche in der Exkommunikation, die das überhaupt nicht beachten oder, wie es scheint, überhaupt nichts davon wissen (verschuldeterweise - Anmerkung des Verf.). Und dennoch sind sie in der Exkommunikation, da sie sich in Angelegenheiten hineinmischen, in Beziehungen treten oder sich an Anschauungen halten, welche mit einer Exkommunikation belegt sind. Solche sehe ich wie in einem Nebel, der sie von den anderen trennt. Aus dem ist ersichtlich, wie ernst Gott die Äußerungen, Anweisungen und Verbote des Hauptes der Kirche nimmt und ihre Geltung selbst dann aufrecht erhält, wenn andere Menschen sich darum nicht kümmern, sie leugnen und sich darüber lustig machen." (Schmöger, Arbeiten und Leiden der ehrw. Katharina Emmerich für die Kirche...)

Eine schaurige Vision der hl.Birgitta soll uns die Tatsache etwas zu Gemüte bringen. Buch IV, Kapitel 99: "Die Mutter spricht. Zu jener Zeit litt mein SOHN, indem er sich zum herannahenden Verräter Judas neigte, da er klein von Gestalt war, und ihn küßte, mit den Worten: Freund, wozu bist du gekommen. Und sofort ergriffen Ihn die anderen, zogen Ihn beim Bart und andere entehrten Ihn, indem sie Ihn bespuckten. Darauf sprach mein Sohn: Ich werde betrachtet wie ein Wurm, der wie tot im Winter daniederliegt, welchen Vorübergehende bespucken und auf seinen Rücken treten. Das taten mir heute die Juden an, als wäre ich ein Wurm, da ich von ihnen als Verächtlichster und Unwürdigster verurteilt wurde. So verachten mich aber auch die Christen, da sie all das, was ich aus Liebe zu ihnen getan und gelitten habe, als eine Nichtigkeit betrachten. Sie treten gleichsam auf meinem Rücken herum, indem sie Menschen mehr fürchten und verehren als mich, ihren Gott, wenn sie meine Gerechtigkeit geringschätzen und nach eigenem Gutdünken die Zeit und Art meines Erbarmens bestimmen. Sie schlagen mich gleichsam in die Zähne, wenn sie, obwohl sie meine Gebote vernommen haben und von meinem Leiden erfahren haben, sagen: Machen wir jetzt, was uns gefällt, und dennoch werden wir die himmlischen Güter erreichen. Wenn uns Gott hätte verwerfen wollen oder für die Ewigkeit strafen wollen, so hätte er uns nicht erschaffen und nicht so bitter erlöst. So werden sie aber meine Gerechtigkeit verspüren; denn wie das geringste Gut nicht unbelohnt bleibt, so bleibt auch die geringste Schlechtigkeit nicht unbestraft. Sie verachten mich auch, als ob sie auf mich treten würden, wenn sie die Urteile der Kirche nicht beachten, nämlich die Exkommunikationen. So werden auch sie, wie die anderen dem Exkommunizierten öffentlich aus dem Wege gehn, von mir getrennt, da die Exkommunikation, wenn sie bekannt ist und verachtet wird, mehr schadet als das leibliche Schwert. So will auch ich, der ich einem Wurm ähnlich betrachtet werde, auferstehen zu meinem schrecklichen Gericht. Und ich komme so furchtbar, daß die, welche mich sehen werden, zu den Bergen rufen werden: Fallet über uns vor dem Angesicht des Herrn!"

Die Einführung der Landessprache war keine rein dissiplinäre Angelegenheit, wenn auch nur als beschränktes Privilegium, aber eine Angelegenheit ersten Ranges, ganz besonders bei der chinesischen Sprache. Als Papst Paul V. durch ein Breve vom 27.Juni 1615 den Gebrauch der chinesischen Sprache, als Privileg, gestattete, wurde diese dennoch nicht eingeführt; denn die Erlaubnis gestattete, dem Tridentinum entsprechend, nicht die gewöhnliche Volkssprache, sondern die Gelehrtensprache, was den sie anfordernden Missionaren nicht zureichend war.

Den Hintergrund all dieser unbesonnenen Bestrebungen bildet ein Angriff auf die dominierende Stellung Roms. Auch ist dies als ein peccatum contra Spiritum Sanctum zu betrachten, da es eine Entwertung des sakralen Textes der Vulgata bildet, welche den inspirierten Text unfehlbar darbietet. Ferner wird so ein unter Leitung des Heiligen Geistes gefälltes Urteil angezweifelt und zuletzt übergangen. Es ist nicht unsere Aufgabe, hier erneut zu betonen, daß dieses Urteil selbst den verpflichtet, der es ausgesprochen hat, umso mehr irgendeinen seiner Nachfolger! Es handelt sich nicht um die lateinischeSprache als solche, sonder um den inspirierten Text, welchen sie überliefert, und um seine Gewährleistung durch eine nicht-völkische Sprache, was die Übersetzungen anbelangt, soweit sie in den Gottesdienst zugelassen werden. Die Reinheit des Glaubens ist Ursache und Ziel.

Der falsche Ökumenismus ist eine weitere Sünde gegen den Heiligen Geist, und zwar eine besonders schwere. Es wurde schon klar gesagt, daß wir es einzig und allein der Gnade Gottes zu verdanken haben, daß diese Welt noch überhaupt besteht . Doch was sagt uns das Wort "Gnade"? Wenn ich vor der Kirche, vor den sie nach der heiligen Messe verlassenden Gläubigen, das Wort "Schnitzel" aussprechen würde, so würden bei den meisten, auf Grund des bedingten Reflexes, die Speicheldrüsen zu arbeiten beginnen. Spreche ich aber das Wort "Gnade" aus, dann geschieht nichts, deshalb nichts, weil wir zwar das Schnitzel erlebt haben, meistens nicht aber die Gnade. Wer weiß denn auch nur ein ganz klein wenig von ihren Herrlichkeiten?

Die all-einzige Quelle der Gnade Gottes ist nun das alllerheiligste Kreuzesopfer. Seine Abschaffung, wie sie durch den Protestantismus zustande gekommen ist, war die ganze Welt in eine unheimliche Verarmung, was die Gnade Gottes betrifft. Wo ist da die Reue - wo kann sie sein, wenn der Glaube fehlt? Fehlt aber der Glaube, wie kann man da von Ökumenismus sprechen? So bemerkt schon der hl.Augustinus: "Möge die Wand des Irrtums fallen, so werden wir eins sein, erkenne mich als Bruder, dann werde auch ich dich als Bruder erkennen, jedoch ohne Irrtum, ohne Meinungsverschiedenheit." (S.Augustini sermo secundus de laude pacis). Ist nicht die ganze heilige Schrift Wort Gottes? Warum nehmen wir uns die Mahnung des hl.Paulus nicht zu Herzen: "Zieht nicht an einem Joch mit den Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gottlosigkeit miteinander zu tun? Was haben Licht und Finsternis gemeinsam? (2 Kor. 6, 14-15) Ist nicht das allerheiligste Altarssakrament das LICHT? Verstecken wir etwa deshalb das LICHT, damit uns die Finsternis des Unglaubens einigen kann? Wer wäre dann der Hirte? Nicht etwa der Fürst der Finsternis???

Falscher Fortschritt ist es, der uns beschleunigend in das Verderben stürzt. Wir haben bereits betont, daß unser Ziel nie ein Wissen an sich sein darf, sondern stets ein Wissen, welches in Gott eingebaut ist und so fähig, dem Menschen auch hier auf Erden von Nutzen zu sein, wie der Heiland selbst uns mahnt: "Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und alles andere wird euch hinzugegeben werden." (Matth. 6,33)

Die Leistung einer Krebszelle ist enorm, wer könnte das bezweifeln? Nun gereicht aber diese Glanzleistung dem Organismus nicht zum Guten, sondern stürzt ihn ins Verderben. Diese Zellen sind nicht harmonisch in die Ganzheit des Organismus eingebaut, sondern wachsen auf eigene Faust, ganz im Geiste des "non serviam" (ich werde nicht dienen) der rebellischen Engel. So sind sicher die Reisen auf den Mond Glanzleistungen, haben wir aber die dazu notwendige Zeit und Energie nicht wichtigeren Aufgaben entwendet? Einst sagte mir ein altes Mütterlein, welches ich im Wald traf, die kaum eine einklassige Volksschule besucht hatte, mit Bezug auf diese Versuche: "Möchten sie doch den Mond in Ruhe lassen und lieber Ordnung auf der Erde machen!" Wie wahr sind diese Worte! Wahrlich, was hilflos uns, wenn wir auf den Mond fliegen können, nicht aber gehn auf dieser Erde auf dem Weg, der Christus is! Wir klagen um das Schicksal so mancher Völker, welche fast millionenweise Hunger und Schwert vernichten. Würden wir nur einen geringen Teil dessen, was wir gegen den Willen Gottes gebrauchen, zu ihrer Rettung verwenden, dann müßten sie nicht so schrecklich leiden und kämen zur Überzeugung, daß der Mensch dem Menschen wirklich nicht zum Wolfe geworden ist! Sind unsere Werke nicht richtig in Gott, den Nächsten und die ganze Umwelt eingebaut, dann werden sie zum Fluch und nicht zum Segen!

"Gott hat von Anfang den iVienschen geschaffen und ihm freie Wahl gogeben. Er gab dazu seine Gebote und Gesetze. Willst du seine Gebote halten und immer gläubig sein nach seinem Wohlgefallen, so wirst du auch bewahrt. Er hat dir Feuer und Wasser vorgelegt, strecke deine Hand aus nach dem, was du willst!" (Sirach 15?15-17)

Was wird da nun auf der Welt herumphilosophiert, ob es ein Privateigentum gibt oder nicht gibt, und wenn, wieviel jemand eignen darf. Die Aufgabe des Priesters ist es, darauf hinzuweisen, daß es letztlich überhaupt kein Privateigentum gibt, mit dem man umgehen könnte, wie man wollte; denn so spricht der Herr, unser Gott: "Mir gehört das Land. Ihr seid ja nur Fremdlinge und Beisassen bei mir."(Lev 25,23) Es kommt überhaupt nicht darauf an, wie viel jemand besitzt, wohl aber darauf, wie er zu diesem Eigentum gekommen ist und wozu er es gebraucht, ob in Einklang mit den Geboten Gottes, ganz besonders dem Gebote der Liebe. Nie dürfen wir vergessen, daß alles, was wir an Leib und Seele, an natürlichen und übernatürlichen Werten besitzen, nur Gabe Gottes ist, und wir alles wieder zurückerstatten müssen in jener Vollkommenheit, in welcher es uns verliehen wurde, zugleich mit dem, was wir mit Hilfe der anvertrauten Gaben erwerben konnten und sollten, wie aus dem Gleichnis von den Talenten ersichtlich ist. Wer von uns, der in sein Leben zurückblickt, kann dies ohne tiefste Unruhe in der Seele tun, wer hat Gott so gedient, wie er hätte können und sollen?

Wir alle haben uns schwer versündigt durch Undankbarkeit gegen Gott Vater, der uns geschaffen und so reichlich ausgestattet hat; Gott Sohn gegenüber, der uns durch sein Leben, Leiden und Tod erlöst hat, gegen den Heiligen Geist, der uns geheiligt hat und immer mehr heiligen will.

Wie oft haben wir die Worte gehört: "Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt!" (Joh 1,29), wozu der gelehrte Karmelite Sylveira bemerkt: "Johannes der Täufer sagt nicht, daß das Lamm etwa Krankheiten des Körpers hinwegnehme, noch Beschwerden des Fleisches, aber die Sünde, welche eine Krankheit der Seele ist, eine Schädigung des Geistes. Das Lamm konnte zwar die Krankheiten wegnehmen und alles andere Elend, nun aber ist die Sünde das einzige Übel und alle anderen sind im Vergleich mit ihr nichts."

In diesem Zusammenhang sehen wir auch, zu welcher Verkehrtheit der Werte wir angekommen sind, da das geringste körperliche Übel uns mehr beunruhigt als die Sünde. Selten wird der Seelenschmerz wegen einer Sünde die Stärke auch nur des geringsten körperlichen Schmerzes erreicht haben! Gerade umgekehrt war es beim Heiland. Die geringste Sünde verursachte Ihm einen größeren Schmerz als das gesamte körperliche Leiden am Kreuze. Was sagt uns dazu unser Gewissen? "Lasset uns doch keine anderen Übel mehr in der Welt anerkennen, als die Sünde allein!" mahnt uns der heilige Augustinus (Psalm 138), "kein anderes Gut anstreben als Gott zu erlangen und zu dem hingatührt zu werden, was Er uns verspricht.... Weder macht uns das Glück dieser Welt selig, noch seine Widerwärtigkeiten unglücklich."

Ja, wir müssen mit dem hl.Johannes Chrysostomus sogar sagen: "Wenn auch viele behaupten, daß die Hölle das größte aller Übel ist und auch das letzte, so nehme ich dennoch an und predige, daß es viel bitterer ist, Christus zu beleidigen, als von dem Übel der Hölle geplagt zu werden. Ich ermahne euch und bitte, einig mit mir in dieser Sache zu sein." (Hom.37 in Matth 10). Dies ist allerdings nur dann möglich, wenn wir durch andauernde Kontemplation uns mit der Hilfe von Oben zur Erkenntnis der Erhabenheit Christi und Seiner jungfräulichen Mutter wie des ganzen Himmels durchgearbeitet haben. Mögen wir doch endlich einmal ein wirklich aktives Leben führenl! "Wenn wir Christus so lieben würden", bemerkt der hl.Johannes Chr. an einem anderen Orte (Sermo 5 in cap.2 ad Rom.), "so würden wir es schon anerkennen, daß es schwerwiegender ist, Christus den Geliebten zu beleidigen, als die Hölle zu erleben."

Nicht nur aber, daß wir uns gegen die allerheiligste Dreifaltigkeit vergehen, in der Sünde vergehen wir uns gegen uns selbst und werden uns selbst zur Strafe, wie der hl.Augustinus bemerkt: "Du, O Gott, hast eben so anbefohlen, und so ist dem auch, daß ein jeder ungeordnete Geist sich selbst zur Strafe wird." (Confess.I,12) Dabei aber dürfen wir nicht außer acht lassen, daß dies eine Beschädigung der uns von Gott anvertrauten Substanz ist, für welche wir uns ebenfalls werden verantworten müssen. Niemand ist sein eigenes Eigentum, wie wir bereits betont haben, niemand darf das Ebenbild Gottes, zu dem er geschaffen wurde, zu einer Fratze verzerren.

Die Sünden werden von den Vätern mit Dornen verglichen, welche, indem sie uns zur Lust ziehen, stechend die Seele wie zerreißen. (Vgl. Hl.Gregor, Mor.I, 10,12) "Ja", bemerkt der hl.Gregor an einer anderen Stelle, "die Sünde ist eine Wunde der Seele, von welcher der Prophet Isaias sagt: "Wohin soll ich euch noch schlagen, wenn ihr Sünde auf Sünde häufet? Das ganze Haupt ist krankt das ganze Herz betrübt. Von der Fußsohle bis zum Scheitel ist nichts Gesundes an ihm, sondern Wunden, Striemen, hohe Beulen die nicht verbunden, nicht mit Heilmitteln versehen, nicht mit Öl gelindert sind." (1,5-7)

Wie bitter kommt uns im Leben so manches vor, wie selten aber verspüren wir, wie bitter die Sünde ist, bitter für Christus und Seine heiligste Mutter, bitter aber auch für uns. Ist denn die Sünde nicht eine "Wurzel, die Gift und Wermut sprößt"? (Deut. 29,17) Gilt es da nicht, ob der Gewissenebisse, die früher oder später eintreten müssen, und je später umso beißender; und das, was der Prophet Isaias sagt: "Bitter ist den Zechern der Trank"? Wenn wir es auch nicht zulassen wollen, weil unsere Eitelkeit und Eigenliebe es fordert, daß wir bitter enttäuscht sind ob des "neuen Frühlings" in der Kirche, und daß unser so hinausposaunter Fortschritt, zu einem Schreckgespenst geworden ist, wie auch daß die Früchte unserer Sünden wirklich bitter schmecken, so gelten dennoch die Worte der Sprüche: "Ihr End' ist bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert." (5-4), da wir durch alles hindurch den Hauch der Vergänglichkeit verspüren müssen und ab und zu mit dem Buch Sirach sagen müssen: "O Tod, wie bitter ist dein Andenken dem Menschen, der sein Glück in seinem Vermögen findet!" (41,1) Wenn auch solche Menschen ein weiteres Fortleben nicht annehmen, ruft ihnen dennoch das Gewissen zu: "Deine Bosheit wird dich anklagen und deine Entfernung von mir dich schelten. Du sollst inne werden und einsehen, wie böse und bitter es ist, daß du den Herrn, deinen Gott verlassen und die Furcht vor mir nimmer bei dir ist, spricht Gott, der Herr der Heerscharen." (Jerem. 2,19) Was bleibt uns da anderes übrig, als uns vor Gott, jetzt unserem gerechten Richter zu neigen und mit dem Propheten zu sagen: "Ich will vor dir alle meine Jahre überdenken in der Bitterkeit meiner Seele." (Is. 38,18)

Wer kann uns das Leben mehr vergiften, als wir selbst es tun! Gelten da nicht etwa auch von uns die Worte der Geheimen Offenbarung vom sündhaften Weibe: "In ihrer Hand hielt sie einen goldenen Becher voll ihrer greulichen schmutzigen Buhlerei." (17,5) Dazu bemerkt der hl.Bonaventura, daß alle die, welche von der Schönheit und Lieblichkeit der Geschöpfe zur Sünde verführt werden, gleichsam aus goldenen Gefäßen Gift trinken. (Sermo 2, Dom.3, Pent.)

Schlangenbiß ist die Sünde, sagt der hl.Rupert, von welchen die Menschen geplagt werden, seitdem der erste Mensch von der Schlange, dem Teufel, zur Sünde verleitet wurde.

Nach alter indischer Symbolik ist die Schlange Symbol der göttlichen Gerechtigkeit, und es ist sicher nicht Zufall, daß der böse Geist die Gestalt einer Schlange annahm und hiermit die Gerechtigkeit Gottes dem Menschen vorgaukelte. Lautet doch die Versuchung: Ihr selbst werdet dekretieren, was gut und böse ist, also an der Allwissenheit Gottes teilnehmen. Wie verlockend mußte diese Versuchung sein, wie verlockend ist diese Versuchung auch heute noch, da wir fast ausschließlich alle ohne Gott wie Gott sein wollen. Zum Herrschen bestimmt, ließ sich der Mensch dazu verführen, Alleinherrscher zu werden - mußte aber den Schlangenbiß verspüren und wäre für die ganze Ewigkeit gestorben, wenn Gott selbst nicht Mensch geworden wäre und am Kreuze das Gift an Seinem heiligsten Leibe nicht hätte auswirken lassen. Und so wie einst der fromme Blick auf die eherne Schlange in der Wüste den von den Schlangen gebissenen zur Rettung war, ist auch uns zur Rettung der Blick auf das hl.Kreuz, an dem die GERECHTIGKEIT selbst sich der Gerechtigkeit Gottes als Sühnopfer dargebracht hat.

Wie leicht geben wir nun vergänglichen Dingen den Vorrang und handeln zu unserem eigenen zeitlichen und ewigen Schaden gerade dem Geiste des Evangeliums entgegengesetzt. Der hl.Chrysostomus vergleicht die Seele, die den Sünden verfallen ist, mit einem Garten im Winter, ja einem noch viel schlimmeren, da hier weder Frost noch Regen einsetzt, Schlamm sich bildet, tiefer Sumpf, sondern nooh etwas viel Schlimmeres; dieser Winter gebiert die Hölle und Höllenqualen. Und wie bei starkem Frost die Glieder gefrieren und tot sind, so kommt während des Schauders des Winters der Sünde die Seele nicht mehr ihren Verpflichtungen nach, da das Gewissen wie lahmgelegt ist ob des eisigen Winters der Sündhaftigkeit. (Vgl. Hom. 7 in 2 Cor. 3)

In Anbetracht dessen wollen wir mit dem Psalmisten rufen:"Erbarme dich meiner, o Gott! nach deiner großen Barmherzigkeit; und nach der Menge deiner Erbarmnisse, tilge meine Missetat... Wende ab dein Angesicht von meinen Sünden; und alle meine Missetaten tilge!

Ein reines Herz erschaff in mir, o Gott! und den rechten Geist erneuere in meinem Innern!"
(Psalm 50)

 
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