Aus dem Leben unseres hl. Vaters Antonius
berichtet von
Nicephorus, dem Einsiedler aus dem 13. Jahrhundert
Zwei Brüder begaben sich abends auf den Weg, um den hl. Abt Antonius zu
besuchen. Unterwegs ging ihnen der Wasservorrat aus. Der eine starb und
der andere konnte nicht mehr weitergehen, weil ihm die Kraft fehlte. Er
legte sich zur Erde nieder und erwartete den Tod. Antonius saß auf dem
Ber-ge und rief zwei Mönche, die in seiner Nähe waren, und drängte sie:
»Nehmet einen Krug mit Was-ser und eilet auf den Weg, der nach Ägypten
führt. Zwei Brüder kamen hierher. Der eine ist tot. der andere wird
bald sterben, wenn ihr euch nicht beeilt. Es wurde mir im Gebete
gezeigt.« Die Mönche machten sich auf den Weg und fanden den Toten, den
sie begruben. Den anderen brachten sie mit dem Wasser wieder zu Kräften
und führten ihn zum Meister.
Hier könnte jemand fragen, warum Antonius die Mönche nicht früher
schickte. Es ist aber eine über-flüssige Frage; denn es lag ja nicht
bei Antonius, über den Tod zu entscheiden. Gott ist es, der be-stimmte,
daß der eine starb und der andere am Leben blieb. Was hier zu bewundern
ist, ist die Tat-sache, daß Antonius in seiner geistigen Nüchternheit
vom Herrn über weit entfernte Ereignisse eine Offenbarung erhielt. Hier
seht ihr klar, daß Antonius kraft der Nüchternheit seines Gemütes eines
glücklichen Weitblickes und einer Fernschau gewürdigt wurde. Johannes
von der Leiter sagt, daß sich Gott zuerst dem Geiste offenbart, dann
dem Gemüte, um den zu reinigen, den er liebt. Später schenkt er ihm
Licht, das den Geist hellsichtig und gottähnlich macht.
(aus "Kleine Philokalie - Belehrungen der Mönchsväter der Ostkirche über das Gebet" Einsiedeln 1956, S. 125 f.)
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