NEUERSCHEINUNGEN
BUCHBESPRECHUNGEN:
Bruno Schwalbach:
Erzbischof Conrad Gröber und die nationalsozialistische Diktatur - Eine Studie zum Episkopat des Metropoliten der Oberrheinischen Kirchenprovinz während des Dritten Reiches
Badenia Verlag 76182 Karlsruhe. 288 Seiten. 1 Abbildung. Broschur,
Format 16 x 22, 5 cm. ISBN 3-7617-0234-5. Neuauflage zum 50. Todestag
von Conrad Gröber 1998. Preis DM 48,- / öS 398.--/ sFr 44, 50
Rechtzeitig zum 50. Todestag des Erzbischofs von Freiburg, Dr. Conrad
Gröber, am 14.02.1998 legt der Badenia Verlag ein Lebensbild des
Oberhirten neu auf. In der vorliegenden Studie wird von Dr. Bruno
Schwalbach "sine ira et studio" der Versuch einer gerechten Würdigung
dieser Bischofsgestalt, welche die ganze Spannweite kirchlichen
Verhaltens während des Nationalsozialismus verkörperte, angestrebt.
Die Monographie wurde nach sorgfältigem Quellen-und Aktenstudium
erstellt. Der Autor, welcher im Dritten Reich als Schüler und Soldat
selbst Erfahrungen sammelte, befragte noch lebende Mitbürger nach ihren
teilweise leidvollen Erfahrungen. Eine gewissenhaft vergleichen de und
wertende Art der Darstellung ist darauf bedacht, Zeitzeugnisse stets
eingebettet in das soziale Umfeld aufscheinen zu lassen. Die schwierige
Lage des deutschen Episkopates zu Beginn des NS-Regimes äußerte sich in
einem schwankenden Kurs. Vor dem Schicksalsjahr 1933 schien der
verbrecherische Charakter der Diktatur vielen nicht evident. Auch
Erzbischof Gröber suchte zunächst, gestützt auf die scheinbare
Absicherung durch das Konkordat und überzeugt von der
Rechtsstaatlichkeit der gesetzten Obrigkeit, einen Modus vivendi mit
den neuen Herren. Seine Fehleinschätzung korrigierte er spätestens
1935/36. Zu bedenken bleibt, daß der Kirchenkampf in Baden ursprünglich
nicht mit der gleichen Härte und Rücksichtslosigkeit ge führt wurde wie
beispielsweise in Bayern.
Zeitgeschichtlich bedeutsam erscheint ferner die allgemeine Furcht vor
dem Bolschewismus rus-sischer Prägung. Man erblickte weithin im
Nationalsozialismus eine Art Bollwerk gegen den Todfeind des
Christentums. Dieses Motiv bestimmte Haltungen und Handlungen mit. Als
Gröber die skrupellose Brutalität Hitlers erkannte, wurde er dessen
erbitterter Gegner. In den folgenden Jahren bis zum Kriegsende begegnet
er uns als mutiger Kämpfer für die Rechte der Kirche. Die Stellung des
Freiburger Oberhirten innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz
beleuchtet der Autor facettenreich. Es kennzeichnet den redlichen Sinn
und die moralische Integrität des Erzbischofs, daß er mit scharfen
Worten Fragen der Sterilisation und bekanntgewordene Fälle von
Euthanasie anprangert. Er scheut die Konfrontation mit der Staatsgewalt
nicht. Für ihn ist es ein Gebot der Gerechtigkeit, sich für die
gehetzten Juden einzusetzen. Mutig, wenngleich vielfach vergeblich,
verwendet er sich für die verfolgten Priester aus der Diözese Freiburg
und stellt sich an die Seite des aus seinem Bistum vertriebenen
Rottenburger Suffraganbischofs Johann Baptist Sproll. Mit besonderem
Interesse wird der heutige Leser den im Anhang veröffentlichten
Briefwechsel des Erzbischofs mit weltlichen und geistlichen Stellen
begutachten. Von brennender Aktualität sind die 1943 geäußerten
Gedanken Conrad Gröbers über die katholische Glaubenslehre und die
Liturgie.
Das quellenmäßig hervorragend ausgestattete und kenntnisreiche Werk von
Dr. Bruno Schwalbach wirft interessante Schlaglichter auf die
Gratwanderung, zu welcher der im Grunde seines Herzens unpolitische
Bischof gezwungen war. Seine Hirtenbriefe, die ihn als wortgewaltigen
Prediger ausweisen, bezeugen den offenen Kampf gegen den
verbrecherischen Zeitgeist. Jeden historisch interessierten Leser wird
die Fülle des dargebotenen und teilweise erstmals veröffentlichten
Materials nachdenklich stimmen. Die sorgfältige Arbeit erinnert an die
qualifizierten Untersuchungen Dr. Alfred Schickels und Professor Helmut
Witetscheks bezüglich der kirchlichen Situation Bayerns während der
NS-Zeit.
Magdalena S. Gmehling
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Bruno Schwalbach:
Erzbischof Conrad Gröber und die deutsche Katastrophe
- Sein Ringen um eine menschliche Neuordnung
Badenia-Verlag Karlsruhe 1997. 344 Seiten, 14 Abbildungen, Format
22,5x16 cm, Broschur. Neuauflage zum 50. Todestag von Erzbischof Conrad
Gröber. ISBN 3-7617-0308-2. Preis DM 48.- / öS 398.- / sFr 44, 50.
Als Ergänzung seines ebenfalls im Badenia-Verlag erschienenen Buches
über Erzbischof Conrad Gröber und die nationalsozialistische Diktatur
legt Dr. Bruno Schwalbach den Fortsetzungsband über das dreijährige
Wirken des Freiburger Oberhirten nach dem Zusammenbruch Deutschlands
vor.
Conrad Gröber, der 1872 in Meßkirch geboren wurde und am 14. Februar
1948 in Freiburg verstarb, war ein Mann mit "großem Herzen voll
Temperament und Liebe". Diesem Urteil seines Sekretärs Professor
Bernhard Welte wird sich jeder anschließen, der die Mühe nicht scheut,
die vorliegende Studie aufmerksam und eingehend zu lesen. In den knapp
drei Jahren bis zu seinem Tod leistete der populäre Erzbischof inmitten
der großen Verwirrungen Übermenschliches, ja, er wurde zur letzten
zivilen Autorität, zu einem Symbol der Unbeugsamkeit und
Gewissenstreue. Die dunklen und schweren Tagen des Kriegsendes
offenbarten den geistigen, moralischen und materiellen Schaden, welcher
dem deutschen Volk aus der neuheidnischen Ideologie des
Nationalsozialismus erwachsen war. Es dürfte nützlich sein, uns, den
Nachgeborenen, die Einzelheiten dieser Vorgänge ins Gedächtnis
zurückzurufen. Wer heute in pharisäischer Selbstgerechtigkeit urteilt,
der möge sich an Hand der hier meisterhaft aufgeschlüsselten Quellen
und der zahlreichen abgedruckten Originaldokumente ein Urteil bilden.
Dankenswerter Weise hat der Verlag sowohl den gesamten Text des nicht
unumstrittenen Reichskonkordates vom 20. Juli 1933, an dessen
Zustandekommen Gröber maßgeblich beteiligt war, abgedruckt, sondern
auch die Hirtenbriefe der Jahre 1945-1948 und eine nuancierte
Stellungnahme von Walter Bußmann das Verhältnis Pius XII. zur Diktatur
betreffend. Äußerst sachkundig werden die Vorwürfe widerlegt, die Rolf
Hochhut in unqualifizierter Art und Weise in seinem "Stellvertreter"
erhoben hat. Interessante Schlaglichter wirft der Autor, Bruno
Schwalbach, auch auf die Beziehung des Erzbischofs zu dem jüngeren,
gleich ihm in Meßkirch geborenen Philosophen Martin Heidegger. Nicht
zuletzt sei verwiesen auf einen heute noch durchaus diskussionswürdigen
Brief über die Kirche der Ida Friederike Görres und die problematische
Stellungnahme des Freiburger Oberhirten zu den Anliegen der 1901 als
Gräfin von Coudenhove geborenen katholischen Schriftstellerin.
Verschiedene Gedenkblätter und persönliche Erinnerungen runden das
wohlgelungene Lebensbild Gröbers ab. Daß der impulsive und furchtlose
Mann, der es nie darauf anlegte, eine fehlerfreie Figur zu sein, nicht
nur in seiner großen Menschlichkeit, sondern auch als uner schrockener
Fürsprecher und Bittsteller wie in seiner priesterlichen Würde
verlebendigt wird, betrachten wir als das große Verdienst des sorgsam
recherchierenden Autors.
Man möchte dieses umfangreiche Werk besonders dem intelligenten jungen
Leser empfehlen. Bietet sich hier doch die Möglichkeit historische
Wahrheiten mit- und nachdenkend dokumentarisch zu überprüfen. Manch
unerfreuliche, ja beängstigende Gegenwartserscheinung wird der Kundige
in neuer Perspektive betrachten. Der Kirche an der Schwelle des zweiten
Jahrtausends aber möge eine ähnlich kluge und mutige, großherzige und
opferbereite Führergestalt Wege aus heilloser Verwirrung und ethischem
Relativismus
weisen.
Magdalena S. Gmehling
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P. Maximilian Breig SJ, Pierre Descouvemont, Helmut Nils Loose:
Theresia und Lisieux -
Das Leben der heiligen Theresia von Lisieux
Badenia Verlag, Karlsruhe 1996. Bild- und Textband. 352 Seiten. 567 zum
größten Teil farbige Abbildungen - ISBN 3-92 1009-294,
Preis DM 120.
Am 30. September 1997 jährt sich der 100. Todestag der hl. Theresia vom
Kinde Jesu. Eben rechtzeitig gibt das Theresienwerk e. V. Augsburg im
Badenia Verlag der Schulbrüder einen umfangreichen und durch den hohen
Quellenwert des archivarischen Materials bestechenden Band über die
liebenswerte fianzösische Karmelitin heraus. Es handelt sich um die
deutsche Übersetzung der Arbeit von Pater Pierre Descouvemont, Priester
der Diözese Cambrai, durch den inzwischen verstorbene P. Maximilian
Breig S.J. Fotografisch betreut hat den Band Helmut Nils Loose, ein
Fachmann von europäischem Ruf.
Die zahllosen Zeugnisse aus dem kurzen Leben der Therese Martin
(1873-1897) wurden getreulich gesammelt und eingehend kommentiert. Es
gehören dazu An dachtsbilder, Gedichte, Gesprächsnotizen, Briefe,
Fotos, Manuskriptkopien und anderes mehr. Naturgemäß finden auch
Devotionalien Beachtung, die dem glatten spätbürgerlichen
Massengeschmack um 1900 entsprechen. Seltene Erinnerungsstücke werden
in gekonnter Aufmachung präsentiert. Landschaftsaufnahmen und meditativ
ansprechende ganzseitige Blumenbilder komplettieren den anspruchsvoll
gestalteten Band.
Zahllos sind die Bekehrungen und Heilungen, die auf Fürbitte der
Heiligen erfolgten. Unter dem Namen "Pluie de Roses" wurden sie
veröffentlicht. Einige Päpste haben den Theresienkult besonders
gefördert, unter ihnen der heilige Papst Pius X. Pius XI. erhob
Schwester Theresia vom Kinde Jesu am 17. Mai 1925 zur Ehre der Altäre
und nannte sie den "Stern seines Pontifikates". Im Volksbewußtsein lebt
die Heilige fort durch ihren "kleinen Weg". Ihre Aufzeichnungen, die in
dem Buch "Geschichte einer Seele" zusammengefaßt sind, weisen auch dem
heutigen Menschen die Bahn einer vertieflcen Laienspiritualität und
Selbstläuterung.
Magdalena S. Gmehling
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Mathias von Gersdorff:
Blasphemie - Eine Waffe zur
ideologischen Umwandlung der Gesellschaft
DVCK-Druck 106 S., Emil-von Behring-Str. 43, D - 60439 Frankfurt/M.; Preis DM 10.-; zahlreiche schwarzweiße Abbildungen.
Unbemerkt oder doch weitgehend mißachtet von der breiten Öffentlichkeit
vollzieht sich gegenwärtig ein Gesinnungswandel, dessen unabsehbare
Folgen nicht nur in religiöser, sondern auch in gesellschaftlicher
Hinsicht hochbedeutsam sind. Die Rede ist vom selbstverständlichen
Eindringen der Gotteslästerung in alle Lebensbereiche der Moderne.
Ausgelöst durch das liberalistische Denken und die Krise der
Wertvorstellungen steuert die pluralistische Gesellschaft eine
verantwortungslose Mentalität an, in welcher das Christentum keinen
Platz mehr haben soll. Die Waffe der Blasphemie dient der neuen
Ideologie als sarkastisches Werkzeug der Umfunktionierung des
allgemeinen Bewußt-seins. Es ist dem Dipl.-Volkswirt Mathias von
Gersdorff zu danken, daß er in seiner kleinen preis-günstigen, dem
raschen Informationsbedarf des heutigen Menschen durchaus angemessenen
Bro-schüre "Blasphemie" diese Problematik aufgreift und die Mechanismen
der Zerstörung aufdeckt.
Das schmale Bändchen bietet neben einer ausgezeichneten Begriffsklärung
Beispiele blasphemischer Entgleisungen wie sie in Zeitschriften, in
Comics, im Theater, im Fernsehen und der Werbung an der Tagesordnung
sind. Ein geschichtlicher Rückblick informiert über den Wiederaufbau im
Geist des Christenturns nach 1945. Die Zerstörung des Wertekonsenses
durch provokative Frivolitäten und sich mißbräuchlich auf Kunst- und
Meinungsfreiheit berufende Medien wird schlüssig und allgemein
verständlich dargestellt. Die Hemmnisse, welche eine wirksame Anwendung
des § 166 StGB in einer völlig säkularisierten Gesellschaft oft nahezu
verhindern, kommen ebenso zur Sprache wie die Wirkungen der Blasphemie.
Die radikale moralische Libertinage, die mit einem unlogischen
Freiheitsbegriff argumentiert, zerstört die Unschuld der Kinder. Sie
wirkt sich - wie Gersdorff darlegt - verheerend auf das religiöse Leben
des Heranwachsenden und das Eltern-Kind Verhältnis aus.
Das informative Buch gehört nicht nur in die Hand jedes
Berufserziehers, sondern zweifellos in den Bücherschrank jedes
Politikers. Wer sich ein Gefühl dafür bewahrt hat, von welchem Grad der
Religionsfeindlichkeit und Verrohung unsere Gegenwart bedroht ist, wird
dankbar nach diesem Wegweiser greifen und sich zu spontanen Reaktionen
ermuntert fühlen.
Magdalena S. Gmehling
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