Die Glut des Tages verweht in der kühlen Abendbrise, die vom Meer
herüberweht. Im Lager der Kreuzfahrer vor den Toren von Damiette, dem
Riegel Agyptens am östlichen Nilarm, flammen die Feuer auf. Hoch ragt
das Zeichen der Erlösung über den Zelten. Aber was in seinem Schatten
geschieht,macht dem christlichen Heer, das auszog, des Herren heiliges
Land zu erobern, wenig Ehre. Immer noch wehen die grünen Fahnen des
Propheten über der Stadt am Nil, immer noch gleißt sein halber Mond von
Allahs Türmen. Nach einem Jahr erbitterten Ringens bezwang man erst ein
einziges Bollwerk, den Kettenturm von Damiette, obschon das Blut in
Strömen ins Meer floß.
Zu lange dauert schon der Krieg. Die fromme Zucht im Christenheer
lockert sich bedenklich. Unter braven Bauern und Handwerkern aus
Flandern, dem Kölnischen und Friesland, die einst im glühenden
Verlangen auszogen, die Schmach der Christenheit zu tilgen, gibt es zu
viel Gesindel, Abenteurer, Buschklepper, Raufbolde und Diebe, die das
Kreuz auf ihrem Wams und Mantel schänden und nur noch daran denken,
ihren Gelüsten zu leben und sich recht schnell und gründlich die
Taschen zu füllen.
Auch nun, da der Tag mit seiner lähmenden Hitze vergeht, erwacht aufs
neue die Gier nach Rausch, Genuß und Dukaten. Das Feuer heiligsten
Strebens scheint ausgebrannt, nun lodern die Flammen der Sünde zum
verdämmernden Himmel empor.
Ein gewaltiges Schmausen und Zechen hebt an rund um die Trommeln,
Würfel kollern über das Kalbfell, rohes Gelächter, wilde Flüche,
grausige Lästerungen begleiten jeden Wurf, der auf die Glücks- oder
Unglücksseite fällt. Hie und dort geraten sich ein paar wilde Gesellen
in die Haare, Eisen blitzt auf, Blut fließt iiber das Fell der Trommeln.
Schon der jüngste Troßbub, dem kaum der erste Flaum um die Lippen
sproßt, flucht meisterlich in sieben Sprachen und versteht sich aufs
Rauben, Plündern und Schänden wie der wildeste Eisenfresser.
Irgendwo am Ende der Lagergasse hockt ein Trüpplein provencalischer
Reiterknechte beim Lagerfeuer, die meisten schon trunken vom schweren
Wein. Ein narbenzerhauener Landsknecht, der aus dem Krieg längst sein
Handwerk gemacht hat, grölt ein unflätiges Lied, die übrigen brüllen
den Kehrreim aus rostigen Kehlen.
Plötzlich bleibt einem von ihnen der Unflat im Hals stecken. Mit wildem
Fluch deutet er auf einen Mönch, der in grauer, sackleinerner Kutte
geradewegs auf sie zukommt.
"Bei Gottes Zähnen, da ist er wieder, der Bußprediger, der einem
ehrlichen Landsknecht die gute Laune verdirbt. Bei den Haaren der
Madonna, ich werf' ihn in die Flammen, wenn er es wagt, gegen uns das
Maul aufzutun."
"Ei, warum denn?" lacht lauthals ein anderer. "Wollen doch hören, was
uns das Pfäfflein zu sagen hat! Ist immerhin eine Abwechslung im
Einerlei unseres verfluchten Lebens."
"Wer ist das?" fragt ein junger Bauernbursche, der erst mit dem letzten Kreuzfahrerschiff angekommen ist.
"Den kennst du nicht?" grinst sein Nachbar, ein grauhaariger Söldner.
"Das ist doch der seltsame Narr aus dem Umbrischen, aus Assisi, so viel
ich weiß. Hat einen Orden gegründet aus lauter Bettlern, will die ganze
Welt bekehren und gönnt einem armen Kreuzfahrer nicht den geringsten
Spaß. Wollen ihn gebührend empfangen! He, Georges! Sing den nächsten
Vers von der roten Teufelshure!"
Aber der hat kaum den Mund aufgetan, da steht Franz von Assisi mitten
unter ihnen, und unter dem Blick des Heiligen verstummt das Gegröhl.
"Kennen die Troubadoure aus der herrlichen Provence keine schöneren
Lieder mehr als solch höllische Chorä1e?" ruft der Mönch den
Landsknechten zu. "Meine Mutter, die aus eurer Heimat stammt, lehrte
mich andere Weisen."
"Wir können nicht immer Kyrieeleis singen", murrt der Narbenzerhauene.
Auch der Landsknecht will seinen Spaß. Pack dich fort, du störst uns!"
"Das ist nun mal mein Beruf, die Menschen zu stören, die das Kreuz auf
dem Wams tragen und den Teufel im Herzen!" erwidert Franziskus.
"Den Teufel, sagst du?" fährt der Grauhaarige auf. "Der Teufel haust
drüben im Lager auf der Anhöhe mit seinen höllischen Gefährten, den
Sarazenen. Aber morgen stürmen wir gegen ihn und werden ihm die Zähne
einschlagen."
"So, glaubt ihr?" fragt Franziskus, zum Lager des ägyptischen Sultans
Malek Al-Khamil hinüberblickend. "Um diese Stunde pflegen die Söhne des
Propheten vor Allah zu knien und zu beten, und ihr, was tut ihr? Ihr
lärmt und zecht und brüllt unflätige Lieder. Ihr seid doch schlimmer
als die Heiden. Was glaubt ihr denn? Wem wird Gott wohl den Sieg geben,
den Lästerern und Schamlosen oder denen, die betend zu ihm rufen?"
"Bei der heiligen Jungfrau, so darf ein Pfaff nicht reden!" springt
einer der Landsknechte auf und stellt sich drohend vor den Mönch, der
keinen Fußbreit zurückweicht. "Scher dich aus unseren Augen,
Unglücksprophet!"
Immer mehr Söldner drängen herzu, urnringen mit höhnischen und
haßverzerrten Gesichtern den Ordensgründer, dessen hageres Antlitz im
Schein der Flammen glüht.
"Ins Feuer mit dem Verräter, dem Freund der Ungläubigen! Verbrennt den
Feigling und Christenspott! Ins Tollhaus mit dem Narren! Zur Hölle mit
dem Türkenfreund!"
Und doch wagt keiner, die Hand an den Heiligen zu legen. Franziskus hebt schweigengebietend die Rechte.
"Ihr wißt nicht, was ihr redet!" sagt er mit ruhiger Gelassenheit. "Ich
bin kein Freund der Ungläubigen. Aber ich kann nicht glauben, daß Gott
einem Heer den Sieg verleiht, das sich in Rausch und Sünde auf eine
entscheidende Schlacht vorbereitet. Brüder, Brüder! Ich verkünde euch
im Namen Gottes, daß euer Kampf ein böses Ende nehmen wird. Weiß nicht,
wieviele von euch, die ihr jetzt noch so großmäulig herumspektakelt,
morgen tot und stumm auf der Walstatt liegen werden. Packt euch in euer
Wams! Achtet es wohl und höret! Es ist für viele von euch das
Sterbehemd."
Mit geballten Fäusten springt ihn die Meute an, umlärmt ihn mit
Haßrufen, Flüchen und Lästerungen, aber manch einer der wilden Kerle
stiehlt sich bleich und bebend davon. Noch einmal verschafft sich
Franziskus Gehör.
"Ihr seid ausgezogen, mit dem Schwert für Gottes Sache zu kämpfen. Ich
aber sage euch, Gott braucht eure Schwerter und Morgensterne nicht. Was
er braucht, sind nicht Schwertträger, sondern Kreuzträger, die in
seinen Spuren den Leidensweg nach Golgatha gehen. Reinigt eure Seelen!
Tut Buße, und Gott wird euren Fahnen den Sieg geben, ohne daß ihr einen
einzigen Streich führt!"
"Ich sage doch, daß er ein Narr ist!" brüllt einer der Landsknechte.
"Glaubst du etwa, Mönchlein, Damiette wird fallen, wenn wir Litaneien
singen? Glaubst du, Malek Al-Khamil wird sich ergeben, wenn wir die
Bußpsalmen plärren?"
Immer mehr drängt die Menge den Heiligen gegen die Flammen, und es
scheint, schon müsse die arme Kutte Feuer fangen, als sich ein Offizier
den Weg durch die Lärmenden bahnt und mit donnernder Stimme ruft:
"Was geht hier vor? Was soll das Getöse?"
"Da ist ein Narr, der uns den Sieg der Ungläubigen verkünden will!" kreischt der Narbenzerhauene sinnlos vor Wut.
"Alle Teufel!" schnaubt der Offizier. "Es wird den päpstlichen Legaten
wenig freuen, wenn er das erfährt! Ihr tätet besser, Vater, Gott um den
Sieg unserer Waffen anzuflehen, als unsere Männer zu entmutigen. Folgt
mir jetzt! Ich dulde hier keinen Streit."
Traurig kehrt Franziskus in sein Zelt zurück. Seine Seele ist voller
Bitterkeit und Not, ahnt er doch, daß die bevorstehende Schlacht
nimmermehr gut ausgehen wird.
In der Nacht noch stehlen sich einige Landsknechte heimlich zu ihm, finden ihn auf den Knien vor einem hölzernen Kruzifix.
"Was wollt ihr, meine Kinder?" fragt Franziskus die Eintretenden.
"Wir haben deine Worte gehört", antwortet einer von ihnen. "Sage uns Vater, was wir tun sollen, damit wir unsere Seelen retten!"
"Setzt euch zu mir! Ich will mit euch reden!" nickt der Heilige.
In aller Frühe dröhnen die Heerespauken, rufen die Trompeten zur
Schlacht. Als der Abend niedersinkt, decken sechstausend Kreuzfahrer
die Walstatt. Die Soldaten Al-Khamils haben die Kreuzfahrer nach
mörderischem Ringen geschlagen. Die heiße Augustsonne des Jahres 1219
schaut im Untergang auf ein Heer von Leichen.
Am Abend dieses Tages tritt Franziskus in das prächtige Zelt des
päpstlichen Legaten Kardinal Pelagius Galvani. Demütig neigt er sein
Haupt vor dem Purpurgewandeten.
"Vater Franziskus, Ihr?" fährt der Spanier aus dumpfem Brüten auf. "Ich
hörte, Ihr hättet das Unglück des heutigen Tages vorausgesagt."
"Ja, Ehrwürdigster Herr!" antwortet der Heilige. "Durften wir denn
erwarten, Gott würde den Fahnen, unter denen so viele Greuel geschehen,
den Sieg verleihen? Wenn dieses Heer fortfährt, unseren lieben Herrn
durch ein arges, liederliches Treiben zu beleidigen und seinen Zorn
herauszufordern, wird es die Ungläubigen nimmermehr bezwingen. Wie auch
sollte das geschehen, solange die Söhne des Propheten beten und die
Christen fluchen?"
"Ihr mögt recht haben", erwidert zögernd der Prälat. "Die Zucht unserer
Streiter hat sich bedenklich gelockert. Ich werde dafür sorgen, daß das
anders wird. Aber ich höre nicht auf, an den Endsieg zu glauben.
Damiette wird fallen, und der Sultan wird sich unserem Willen fügen
müssen." Grimmig hebt der Kardinal die geballte Faust in Richtung auf
das feindliche Lager. Der Edelstein an seinem Ring biitzt auf im Schein
der Fackeln.
"Ach, wohin soll das alles führen, Hochwürdigster Kardinal ?" sagt
Franziskus traurig. "Wieviel Blut soll denn noch fließen, wieviele
Tränen sollen die Mütter noch weinen um ihre erschlagenen Söhne? Denkt
doch, ich beschwöre Euch, an Christi Wort: Wer das Schwert zieht, wird
durch das Schwert umkommen!'"
"Ihr vergeßt, daß dies ein heiliger Krieg ist, den wir im Namen Gottes
und auf das Geheiß unseres Heiligen Vaters, des Papstes Honorius III.,
führen. Gott will es, heißt die Parole in diesem Kampf."
"Seid Ihr dessen so sicher, Herr Kardinal? Gott will, daß wir die Unwissenden lehren, nicht aber, daß wir sie erschlagen."
"Und wer soll den Sultan belehren ?" fragt der Legat.
"Ich selbst werde zu ihm gehen und ihn im Namen Gottes auffordern,
seinem Irrtum zu entsagen und sein Haupt vor dem Kreuze zu neigen."
Der Kardinal starrt den Mönch verständnislos an, dann sagt er mit müdem
Lächeln: "Ich weiß, Vater, wie sehr Euch der Heilige Vater und manche
meiner Brüder aus dem Heiligen Kolleg achten und lieben; dennoch
scheinen diejenigen nicht unrecht zu haben, die euch einen Schwärmer
nennen, einen Menschen, der mit seinen Gedanken in den Wolken schwebt
und den Boden der Wirklichkeit unter seinen Füßen verloren hat. Ihr
wollt zumn Sultan gehen? Wißt Ihr denn nicht, daß Al-Khamil eine
Goldmünze für jeden Christenkopf bezahlt? Der erste Wächter im
Sarazenenlager würde Euch das Haupt vor die Füße legen. Wie aber wollt
Ihr dann dem Sultan Eure Botschaft bekanntgeben?"
"Wenn Gott will, kann auch meine tote Zunge noch reden", erwidert der
Heilige ohne Zögern. "Mein Gewissen zwingt mich, das Aussichtslose zu
wagen."
"Aussichtsloses zu wagen, ist nicht die Sache einsichtiger Männer,
sondern die von Träumern und Narren", stößt der Kardinal ärgerlich
hervor.
Wenige Tage später tritt Franziskus seinen Weg an, nur von einem seiner
Mitbrüder begleitet. Als er das christliche Lager verläßt, stimmt er
den Psalm an: "Wenn ich auch in Todesschatten wandere, fürchte ich kein
Unheil; denn du bist bei mir."
Als ihnen zwei Schäflein über den Weg laufen, wendet er sich lächelnd
an seinen Gefährten und sagt: "Habe Vertrauen, Bruder Illuminatus! An
uns erfüllt sich das Wort des Evangeliums: Siehe, ich sende euch wie
Schafe mitten unter die Wölfe!'"
Den guten Bruder scheint das Heilandswort wenig zu trösten, doch sagt
er nicht, was er denkt, und stapft seufzend neben seinem Meister her.
Gleich bei den ersten Verschanzungen des Sarazenenlagers fallen die
Posten über sie her, prügeln sie durch, schleppen sie gebunden ins
Lager.
"Soldan! Soldan!" ruft Franziskus immer wieder, und wirklich erreicht
er es, daß ihn die Soldaten ins Prunkzelt des Sultans bringen.
Al-Khamil thront mit untergeschlagenen Beinen in kostbarem,
goldverbramtem Seidenkleid auf seinem Diwan und schaut überrascht auf
die beiden Männer im Bettelgewand. Im ersten Augenblick glaubt er,
Überläufer aus dem christlichen Lager vor sich zu sehen, an denen es
nach der Niederlage der Kreuzfahrer am 20. August nicht fehlt, dann
aber erkennt er, daß er es keineswegs mit solchen Feiglingen zu tun
hat, die er von Grund seines Herzens verachtet.
"Wozu seid ihr gekommen?" fragt er.
"Um dir die Wahrheit unseres göttlichen Meisters Jesu Christi zu
verkünden!" erwidert Franziskus in der französischen Sprache, die auch
der Sultan beherrscht. "Bindet die Männer los!" befiehlt Al-Khamil.
Mit strahlender Miene beginnt der Heilige von Christus und seinem
heiligen Evangeliurn zu künden, und der Sultan hört zu, ohne ihn zu
unterbrechen.
"Du redest wie einer, der glaubt", sagt er endlich. "Aber wir haben das Gesetz des Propheten. Es genügt uns."
"So rufe deine Priester und Gelehrten zusammen!" schlägt der Heilige
vor. "Wir werden ihnen beweisen, daß euer Gesetz nichtig ist."
Wirklich läßt der Sultan seine Muftis und Mullas kommen, die sich jedoch weigern, mit dem Giaur zu disputieren.
"Du bist das Schwert des Korans, Sultan", mahnt einer von ihnen den
Herrscher. "Deine Pflicht ist es, das heilige Gesetz zu schützen und zu
verteidigen. Im Namen Allahs und seines Propheten Mohammed erinnern wir
dich an deine Pflicht, diesen Lästerern unseres Gesetzes das Haupt
abschlagen zu lassen. Wir halten es für unter unserer Würde, mit ihnen
zu reden. Auch dir untersagen wir, auf ihre Worte zu hören. Der Koran
verbietet es. Wer es wagt, gegen den Koran aufzutreten, wie diese es
tun, muß enthauptet werden; denn so befiehlt es der Koran." Mißmutig
hört der Sultan den Eiferern zu, die sich vermessen, ihm ihren Willen
aufzuzwingen.
"Es ist gut, ihr könnt gehen!" sagt er ungnädig, wendet sich dann
wieder mit offensichtlichem Wohlwollen den beiden Ordensbrüdern zu.
"Ihr habt vernommen, was das Gesetz befiehlt. Ihr hättet euer Leben
also verwirkt, wäre ich nicht entschlossen, euch zu schützen. Ich achte
euch, weil ihr Mut habt und euren Glauben ernst nehmt. Gern möchte ich,
ihr würdet für immer bei mir bleiben. Ich werde euch, die ihr
zweifellos arm seid, mit Gütern überhäufen, wenn ihr euch von der
Wahrheit des Islams überzeugen laßt."
"Wenn du dich mit deinem Volk zu Christus bekehrst, will ich gern bei
euch bleiben", entgegnet Franziskus. "Wenn du aber daran zweifelst, ob
das Gesetz Christi die Wahrheit sei, so laß ein großes Feuer anzünden!
Ich will dann mit deinen Geistlichen durch die Flammen gehen, damit du
selbst erkennst, welcher Glaube der heilige ist."
"Ich glaube nicht, daß einer meiner Mullas sich für seinen Glauben dem
Feuer aussetzt", lächelt der Sultan verächtlich. Aber der Heilige, der
glaubt, in so entscheidender Stunde ein Gottesurteil fordern zu dürfen,
ruft, vor Eifer glühend: "Versprichst du mir, den christlichen Glauben
anzunehmen, wenn ich unversehrt aus dem Feuer hervorgehe, so will ich
allein durch die Flammen gehen. Verbrennt mich aber das Feuer, so
schreibe es meinen Sünden zu! Unser Glaube ist dann doch der wahre.
Beschützt mich aber die Allmacht Gottes, so erkenne, daß Christus der
wahre Gott und Herr, der Erlöser aller ist."
"Nein, nein!" schüttelt der Sultan das Haupt. "Bete lieber für mich,
daß Gott sich würdigt, mir zu zeigen, welcher Glaube ihm mehr gefällt!"
Dann beendigt er die Audienz und läßt die beiden Mönche unter sicherem
Geleit zum Lagerausgang bringen. Traurig schreitet Franziskus mit
seinem Gefährten davon, berichtet dem Kardinal, der nicht genug staunen
kann, ihn lebend wiederzusehen, vom Ausgang seines Wagnisses.
"Vielleicht war doch nicht alles vergebens", setzt er am Ende hinzu.
"Gottes Gnade vermag immer noch zu tun, was seinem armen Geschöpf
mißlang." Dann verläßt er das Lager mit vier Landsknechten, die sich
von ihrem rauhen Wandel bekehrten und das Kleid der Minderbrüder
nahmen. Mit ihnen macht er sich auf den Weg ins Heilige Land, den
Pfaden des Erlösers nachzugehen.
Der Kampf am Nil geht welter. Im November zwingt der Hunger die
Verteidiger von Damiette, die Tore ihrer Stadt zu öffnen. Al-Khamil
bietet den Christen für die Räumung Ägyptens das Heilige Kreuz und die
Stadt Jerusalem an, wird aber abgewiesen. Das Blutvergießen dauert noch
zwei Jahre fort, bis endlich die Kreuzfahrer gezwungen sind, einen
Waffenstillstand anzunehmen, bei dem sie sich verpflichten, Damiette
und das Land am Nil preiszugeben. Das ist das klägliche Ende eines
glänzend begonnenen Unternehmens.
In der Christenheit verstummt später die Kunde nicht, Malek Al-Khamil
habe sich heimlich taufen lassen und sei als Christ gestorben.
(aus: Wilhelm Hünermann: "Geschichte der Weltmission" 3. Bd., Luzern/München 1961, S. 7-13.)
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