BUCHBESPRECHUNGEN:
Gerd-Klaus Kaltenbrunner, Alois F. Kratochvil:
"Tacui - Johannes von Nepumuk"
Theresia-Verlag, Ch-6424 Lauerz Preis 7,70 DM
"Kultur und Religion bedürfen des fruchtbaren Bodens der
Verschwiegenheit." Diesen so überaus zeitgemäßen Satz finden wir in dem
schmalen Bändchen, welches Gerd-Klaus Kaltenbrunner zusammen mit Alois
F. Kratochvil 1993 dem Gedenken des hl. Nepomuk widmete. Die Schrift
ist getragen vom Tenor der Versöhnung, des bayerisch-böhmisch -
altösterreichischen Ausgleichs.
Johannes von Nepomuk, im Volksbewußtsein gegenwärtig als
"Brückenheiliger", wurde von Wenzel IV., dem entarteten Sohn des
tieffrommen Kaisers Karl IV., nach grausamen Folterungen 1393 in der
Moldau ertränkt. Wenngleich wohl sicher primär das spannungsreiche
Verhältnis zwischen Sacerdotium und Imperium auslösendes Moment dieser
ruchlosen Tat war, so bildet sich schon früh eine eigene legendarische
Version über den Hergang des Geschehens. Demnach soll der Domherr und
Jurist sich geweigert haben, das Beichtgeheimnis preiszugeben. Alte
Quellen belegen, daß Königin Sophia, eine bayerische Prinzessin aus dem
Hause Wittelsbach, unter ihrer unglücklichen Ehe mit Wenzel litt. Der
Landesfürst betrieb im Verborgenen eine Annullierung. So suchte die
Gemahlin bei dem Priester und Fachmann des Kirchenrechtes Johannes
Nepomuk, einem nüchtern und pragmatisch denkenden Mann, in der Beichte
Rat. Dieser verweigerte dem König die Aussage über das, was er unter
dem sakramentalen Siegel der Verschwiegenheit erfahren hatte. Für seine
Standhaftigkeit erlitt er den grausamen Martertod. Der Pontifex darf
als völkerverbindende Gestalt christlicher Versöhnungsbereitschaft
gelten, als Mittler zwischen Tschechen, Böhmen und Deutschen, dem es
wahrhaft gelungen ist, pontem facere - eine Brücke zu schlagen. Seine
zahlreichen Heiligtümer zeugen vielfach von Glanz, Größe und
Gemeinschaftsbewußtsein des mitteleuropäischen Kulturraumes. Unserem
Zeitalter "inflationärer Indiskretion" aber, mögen - wie Gerd-Klaus
Kaltenbrunner klug bemerkt - jene fünf schlichten lateinischen
Buchstaben als Warnmal dienen, die sternengleich das Bekenntnis dieses
großen böhmischen Landesheiligen bilden: TACUI (ich habe geschwiegen).
Magdalena S. Gmehling
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P. Fidelis Friedrich OSB:
"Der Erstgeborene Aller Schöpfung.
Die Weisheit des Schöpfers im Lichte der harmonikalen Symbolik"
CH-Sulgen 1997. 223 Seiten / 3 Farbabbildungen - Bezugsquelle: P.
Fidelis Friedrich OSB, Bethanienheim, Kirchstr. 55, CH-8583 Sulgen.
Preis l9.-Sfr/ 23.- DM/ 160 Ös.
Ein bemerkenswertes Buch legt der betagte Benediktinerpater Fidelis
Friedrich zu Beginn dieses Jahres vor. In unserer Zeit, die den Geist
des Ganzen immer mehr vermissen läßt, weist der Autor auf die Denkform
der Zahl als einigende Mitte hin. Eben die Zahl, als Tonzahl und als
Buchstabenzahl bietet einen ganz ungewöhnlichen Zugang zum
Christusmysterium, in dem alles Suchen und Sehnen der Menschheit seine
Erfüllung findet. Es ist das Anliegen dieses Buches darzustellen, daß
die Christusnatur in ihrer Einheit als Logos, Sophia und Agape Vorbild
der ganzen Schöpfung und des Menschen ist. Die Schöpfungsordnung aber,
wird auch im musikalisch-harmonikalen Bereich sichtbar. Mit Hilfe der
Tonzahlensymbolik gelingt es, die hohe Würde und Einzigartigkeit des
wahren Christus aufzuzeigen. Das Neuartige an diesem Buch ist die
Einbeziehung der uralten Weisheitslehre in die theologischen
Betrachtungen. Die harmonikale Symbolik ist bereits in der
philosophischen Zahlenlehre der Pythagoreer grundgelegt und wird bei
den Kirchenvätern vielfach verwendet und bestätigt. Das Geheimnis des
"Erstgeborenen aller Schöpfung", des präexistenten Christus als des
persönlichen Logos und der urbildlich geschauten Idee der Welt,
leuchtet in seinem trinitarischen Bezug auf und wird in Verbindung zum
Kreuzesmysterium dargestellt.
Magdalena S. Gmehling |