51. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2021
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1. OSTERN 1979*)
2. Die Papstwahl von 1903
3. Das Ende Luthers
4. WAHLHILFE BESONDERER ART -
5. WARNING REGARDING A SUPPOSED BISHOP
6. Nachruf auf Herrn Jean André Perlant
7. DER HL. KONRAD VON PARZHAM
8. ÜBER DAS GEBET
9. FÜR DEN GEGENWÄRTIGEN AUGENBLICK
10. Der hl. Ignatius von Antiochien
11. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN
12. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
ÜBER DAS GEBET
 
ÜBER DAS GEBET

von
Makarius d. Gr. von Ägypten (390)


"Willst du beten, dann schaue in dein Herz und in deine Seele und sei fest entschlossen, nur ein reines Gebet zu Gott emporsteigen zu lassen. Wache sorgsam darüber, daß kein Hindernis dein Gebet unrein macht. Dein Geist mufl so auf Gott konzentriert sein, wie der Landmann auf seinen Acker, wie der Gatte auf seine Gattin. (...)

Unser Gebet braucht nicht mit irgendeiner überlieferten Gewohnheit zu beginnen, weder mit einer bestimmten Körperhaltung, noch mit Schweigen oder einer Gebetsverneigung. Wir müssen vielmehr in einer äußerst gespannten Nüchternheit des Geistes wachen, um den Augenblick zu spüren, in dem sich Gott uns nähert, die Seele auf seinen Wegen, durch seine Einwirkung heimsucht. Weder Schweigen noch Schreien noch Aufregung sind im Gebet notwendig, wenn der Geist wirklich an Gott gefesselt ist. Die Seele mufl sich nur ganz frei machen für das inständige Flehen und die Liebe zu Christus ohne Zerstreuung und Abschweifung der Gedanken.

Das Höchste in unserem Mitwirken, das äußerste, was wir leisten können, ist die Beharrlichkeit im Gebet. Durch sie können wir jeden Tag alle Tugenden erwerben und von Gott erbitten. Die für die Vereinigung mit der göttlichen Güte für würdig erfunden werden, erhalten von ihr durch das Wirken des Heiligen Geistes einen geistigen Gedankenaustausch mit Gott in einer unaussprechlichen Liebe. Wer sich Tag für Tag zur Beharrlichkeit im Gebet zwingt, wird im Verlangen nach Gott durch geistige Liebe geradezu verzehrt, entzündet durch sehnendes Schmachten nach Gott, und er empfängt die geistige Gnade der vollendeten Heiligkeit."

Makarius sprach auch dieses: "Der Geist, der die Gegenwart Gottes vernachlässigt, gerät in Gemütswallungen und in leidenschaftliche Gier." Er nannte das eine "tierisch" und das andere "teuflisch". Als ich ihm mein Erstaunen darüber entgegenhielt, dafl der menschliche Geist doch nicht immer bei Gott weilen könnte, sagte er: "Durch jeden Gedanken und jede Handlung der Seele zur Ehre Gottes ist sie bei Gott."

(aus: "Kleine Philokalie - Belehrungen der Mönchsväter der Ostkirche über das Gebet", hrsgg. von Matthias Dietz, Einsiedeln 1956, S. 24 ff.)

 
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