49. Jahrgang Nr. 1 / Februar 2019
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NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN...

Katholische Kirche will Muslimen beim Moschee-Bau helfen (http://www.welt.de/ 15.2.08) - Designierter Vorsitzender der Bischofskonferenz warnt aber vor überdimensionierten Minaretten - Kritik an Erdogans Propaganda - Würzburg/Bonn - Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) unter ihrem künftigen Vorsitzenden, Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg), will den Muslimen helfen, "in Deutschland eine Heimat zu finden", nimmt aber im Meinungsstreit um Moscheebauten einen differenzierten Standpunkt ein. "Wo Muslime leben, haben sie das Recht, eine Moschee zu bauen", bekräftigte Zollitsch in mehreren Interviews in Würzburg die Position seiner Kirche, zu der auch die Bejahung eines muslimischen Religionsunterrichts in deutscher Sprache und mit in Deutschland ausgebildeten Lehrern gehört. Eine andere Frage sei jedoch, ob die Moschee-bauten "in dieser Größe und mit so gewaltigen Minaretten" errichtet werden müssten, fügte er unter Anspielung auf die Debatten in Köln und anderen Städten einschränkend hinzu. Eine Gruppe, die sich integrieren wolle, sollte nicht provozieren, sondern zeigen, dass sie ihren Weg innerhalb der Gesellschaft gehen wolle. Das Entstehen von Parallelgesellschaften schade dem Integrationsziel. Der Erzbischof stellte sich ausdrücklich hinter die Aussage von Angela Merkel, die nach der umstrittenen Kölner Rede des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan erklärt hatte, sie sei auch die Bundeskanzlerin der in Deutschland lebenden Türken. Zollitsch hat eigene, durchaus auch positive Erfahrungen im Umgang mit islamischen Gemeinden und Verbänden: In Mannheim, das zu seinem Erzbistum gehört, steht die derzeit größte Moschee neben einer katholischen Kirche, ohne dass dies bisher zu Konflikten geführt hat. Wie alle Bischöfe besteht er jedoch darauf, dass den Christen in der Türkei und anderen vom Islam geprägten Ländern der Bau von Kirchen erleichtert oder über-haupt erlaubt wird. Allerdings warnt er vor einem, wie er es nennt, falschen Umkehrschluss: Die Tatsache, dass dieses Recht dort verweigert werde, dürfe nicht dazu führen, dass man in Deutsch-land genauso handele. Zollitsch sprach allerdings auch ein seit Langem in der Bischofskonferenz vorhandenes Unbehagen offen aus. Es betrifft die Finanzierung von Moscheebauten aus ausländi-schen, vor allem saudi-arabischen Geldquellen. Man wünscht sich in dieser heiklen Frage mehr Transparenz. Außerdem bedauerte der Erzbischof, dass Imame, die einen intensiven Dialog mit den christlichen Kirchen suchten, oft von ihrer türkischen Entsendebehörde zurückgerufen würden. Fachleute der DBK berichten zudem, dass nach der Islam-Konferenz in Berlin das Interesse des deutschen Zweigs der türkischen Religionsbehörde, Ditib, am Dialog mit den Kirchen abgenommen habe. Die katholische Seite hält dies für keine gute Entwicklung. So warnte der zurückgetretene DBK-Vorsitzende, Kardinal Karl Lehmann, davor, beim Dialog religiöse Fragen auszuklammern und nur politische oder soziale Fragen zu erörtern. Viermal hat sich eine Unterkommission der Bischofskonferenz mit islamischen Repräsentanten getroffen, und bei all diesen Begegnungen wurde von katholischer Seite die Position bekräftigt: Religionsfreiheit ist die Voraussetzung des interreligiö-sen Dialogs. Vorerst nur "in erster Lesung" beraten wurde während der Frühjahrsvollversammlung in Würzburg ein Papier über interreligiöse Feiern, das Richtlinien aus dem Jahr 2003 fortschreiben soll. Es geht darum, wie bei Zusammenkünften von Christen, Juden und Muslimen, vor allem in schulischen Einrichtungen, gebetet werden kann. Zollitsch kündigte eine "präzisere Fassung" an. Ende 2006 hatte der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, katholischen Religionslehrern untersagt, sich an solchen Feiern zu beteiligen. Meisner befürchtete eine "Verwirrung" unter den Schülern, die am Ende womöglich multireligiöse Feiern, ökumenische und katholische Gottesdienste nicht mehr auseinanderhalten könnten. "Jede Gemeinschaft", so der Kardinal mit Hinweis auf die unterschiedlichen Gottesbilder, "kann nur allein zu ihrem Gott beten." Damit gab er den Anstoß zur Überarbeitung der Richtlinien der DBK. Wie Kardinal Lehmann, dessen Rücktritt vom DBK-Vorsitz erst am 18. Februar wirksam wird, vor der Presse berichtete, soll auf die Formulierung "multi-religiöse Feier" verzichtet werden. Sie sei missverständlich. Die Bischöfe, so Lehmann, seien der Auffassung, ein gemeinsames Beten sei nicht möglich. Wohl aber könnte im Beisein von Vertretern anderer Religionen "jeder in seiner eigenen Tradition beten".

'ALTE' INDULT-MESSE - Abermals befasste sich die Konferenz mit der "Umsetzung" der Vorschriften über die Feier der "alten" Messe nach dem päpstlichen Erlass vom Juli 2007. Es sei "keine erhebliche Zunahme" der entsprechenden Anträge festgestellt worden, erklärte Lehmann. Die DBK nahm in Würzburg auch einen Zwischenbericht von "Medienbischof" Gebhard Fürst über die Errichtung eines katholischen digitalen Fernsehkanals entgegen. Entschieden wurde noch nicht. Das ehrgeizige und innerkirchlich umstrittene Projekt wird jetzt Thema im Ständigen Rat, dem alle 27 Diözesanbischöfe angehören.

ZUR WAHL ZOLLITSCHS ALS NACHFOLGER KARL LEHMANNS:  Robert Zollitsch und sein Vorgänger Karl Lehmann -  Zollitsch gilt wegen seines Alters als Übergangs-lösung. Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz wird innerhalb der katholischen Kirche als effizienter, engagierter und zuverlässiger Arbeiter mit großem Organisationstalent geschätzt. Seit Juli 2003 ist Zollitsch Erzbischof in Freiburg und damit Oberhirte von mehr als zwei Millionen Katho-liken. "Wir sind uns theologisch und menschlich so nah, dass es schwer sein wird, Unterschiede zu erkennen", sagte Zollitsch über sein Verhältnis zu seinem Vorgänger Lehmann. - Der 69-Jährige dankte den Oberhirten für ihr Vertrauen und nannte es eine Ehre und Auszeichnung, Nachfolger von Lehmann zu sein. Das Vorankommen der Ökumene bleibe aber ein klarer Schwerpunkt. Dass beide christlichen Kirchen "gemeinsam Zeugnis abgeben", sei für die Zukunft extrem wichtig. Der als liberal geltende Oberhirte ist in manchen Positionen wie etwa der Frage des Zölibats, das er als nicht zwingend betrachtet, eher nicht auf römischer Linie. - Die Verbindung zwischen Priestertum und Ehelosigkeit sei "theologisch nicht notwendig", sagte er in einem "Spiegel"-Interview. Eine Abkehr vom Zölibat wäre allerdings "eine Revolution, bei der ein Teil der Kirche nicht mitginge". Über eine Änderung der kirchenrechtlichen Vorschrift könnte zudem nur ein Konzil befinden, die Versammlung der Weltkirche.  Zollitsch war am Dienstag (12.2.08) zum Nachfolger von Karl Kardinal Lehmann an die Spitze der deutschen Bischöfe gewählt worden. Der Freiburger Erzbischof gilt wie Lehmann als liberal. Zollitsch sagte, er sei in der Frage des Zölibats gegen Denkverbote. Die Verpflichtung zur Ehelosigkeit gilt als ein Hauptgrund für den Priester-mangel. Wenig Aussicht auf Veränderung sieht der Freiburger Erzbischof bei der ebenfalls umstrit-tenen Beschränkung des Priestertums auf Männer: "Das wird wohl so bleiben." Der Erzbischof sprach sich für die Öffnung seiner Kirche für neue gesellschaftliche Milieus aus und ging auf Distanz zu Äußerungen anderer Bischöfe zum Thema Kinderkrippe. "Begriffe wie 'Gebärmaschinen' oder 'Herdprämie' gehören nicht zu meinem Wortschatz und machen jede Diskussion im Ansatz kaputt. Wir brauchen Kinderkrippen, weil viele Eltern sie einfach benötigen", sagte er. Der Augsburger Bischof Walter Mixa hatte im vergangenen Herbst eine Protestwelle mit der Äußerung ausgelöst, Frauen würden mit der Politik von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen zu Gebär-maschinen degradiert. (FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 16.02.08)
 
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