49. Jahrgang Nr. 4 / Dezember 2019
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Schauplatz Koeln - der Fall Abbe Reiling
 
Schauplatz Köln - der Fall Abbé Reiling

von
Eberhard Heller

Reiling, dessen skandalöse Eskapaden in Fortsetzungen hier aufgelistet werden sollen, ist den meisten bekannt unter dem Namen Pater Seraphim. Als ehemaliger Angehöriger des Zisterzienser-Ordens hatte er das Kloster Himmerod wegen modernistischer Tendenzen verlassen, um zunächst einen Zwischenhalt in Econe einzulegen, um u.a. seine Priesterweihe, die er bei den Modernisten erhalten hatte, sub conditione salvieren zu lassen. Ob es etwas genutzt hat, kann mit Recht bezweifelt werden. Wegen theologischer Unstimmigkeiten - Reiling störte die grundsätzlich widersprüchliche Position, die Econe in der Papstfrage einnimmt -, machte er sich schließlich 'selbständig' und errichtete ein sog. Meßzentrum. Meine Versuche, ihm die Möglichkeit zu bieten, sich kirchlich durch einen Anschluß an die Priesterbruderschaft TRENTO zu binden oder durch eine Kooperation mit ihr, schlugen fehl; meine Einladung, mit Bischof Dávila in Kontakt zu treten, um seine Angelegenheiten zu regeln, ebenso. Seitdem privatisiert er so vor sich hin und betreut seine Klientel. Man sollte ein solches Handeln theologisch präziser als katholisierende Sektiererei bezeichnen, die mit einem ernsten Ringen um die Wiedergewinnung kirchlicher Strukturen nichts zu tun hat.

Zur ernsten Gefahr wurde Reiling allerdings erst, als er als 'Brautwerber' für den jungen Herrn M. auftrat. Gegen alle sakraments-theologischen Gundsätze und moralischen Skrupel bestärkte er die-sen, die verheiratete Frau X. erneut zu ehelichen... eine Angelegenheit, die zu dem handfesten Skandal im Kölner Meßzentrum führte, als der inzwischen verstorbene Pater Groß dieses Paar, das vorgibt, von einem nicht weiter benannten Kleriker getraut worden zu sein, bevorzugt zu den Sakramenten zuließ. Abbé Reiling, alias Pater Seraphim, der von vielen Seiten angegangen worden war, sein skandalöses Engagement für dieses seltsame Ehe(bruchs)verhältnis, das erst in dritter Instanz - den Entscheid verlas P. Groß - von der sog. Amtskirche 'grünes Licht' erhalten hatte, einzustellen, bestärkte die jungen Leute nur noch in ihrer Haltung.

Inzwischen ist dieser 'Kenner' des traditionellen katholischen Dogmas sogar zum Lehrer dieses Faches avanciert: Bischof Bedingfeld in Südafrika, der gegen alle Warnungen den halb-ausgebide-ten Herrn Povel - auch bekannt unter dem Namen Pater Benedikt - zum Priester geweiht hatte (nachdem er sowohl in Econe abgewiesen worden war als auch von Bischof Pivarunas Ungeeignetheit bescheinigt bekommen hatte), hatte dies meines Wissens nur getan, falls Povel die fehlenden Studien nachholen würde. Seraphim versucht nun, diesem jungen Kleriker den nötigen theologischen 'Schliff' zu geben. Man könnte eine solche 'Fachbetreuung' auch etwas gelassener nehmen, als ich es tue, wenn man weiß, daß Reiling als Berater in Sachen Theologie der diplomierte Theologe Rothkranz hilfreich zur Seite steht, jener Rothkranz, der - wenn er nicht gerade mit dem U-Boot in der Unterwelt umherirrt - Vorschläge für die pastorale Führung in Deutschland ausarbeitet. Vor einiger Zeit hatte er den Kinderschänder Franck - ein Clerus vagans mit ungültigen Weihen -, der z.Zt. in Belgien im Gefängnis sitzt, als Regionalbischof für Deutschland vorgeschlagen.

Inzwischen erreicht mich eine weitere Hiobsbotschaft aus Köln. Vielleicht, weil Seraphim die Ideen seines Peritus Rothkranz im Kopf herumspuken, vielleicht auch, weil er die Betreuung der Kölner Gemeinde, die er nach dem Tod von P. Groß zusammen mit Pfr. Kouwenberg übernommen hatte, aufgeben wollte. (Nach Kouwenbergs Tod besorgte er die Seelsorge in Köln allein.) Deswegen sah er sich nach einem Ersatz um. Er wurde fündig in der Person des Ex-Econers Abbé Hähnchen. Von diesem ist bekannt - und diese Tatsache kann auch Reiling nicht leugnen -, daß er zwei Jahre im Gefängnis saß... wegen Pädophilie, d.h. wegen Kindsmißbrauches eines ihm seelsorgerisch anvertrauten Jungens. Den erstaunten Kölnern versucht Reiling diesen Unglücklichen nun als armes Justizopfer schmackhaft zu machen, der unschuldig im Gefängnis saß und sogar von Mithäftlingen malträtiert wurde. Und man reibt sich die Augen: gewisse Leute in Köln sind so klerikalistisch und blauäugig, ach nein, so heilsegoistisch eingestimmt, daß sie, um nur ja einen Sakramentenspender zu haben, auch wenn dessen Weihe- und Kirchenstatus durchaus dubios ist, bereitwilligst die reilingsche Story glauben.

Justizopfer, Kinderschänder? Der erneute Skandal, der sich für das Kölner Meßzentrum abzeichnet, geht in seine entscheidende Phase. Obwohl sich der Gemeindevorstand mit zwei gegen eine Stimme gegen den Vorschlag Reilings und die Etablierung des Ex-Econers als Seelsorger ausgesprochen hat, revoltiert die Kölner Volksseele, die ihren Hähnchen haben will. Läßt sich der Skandal noch stoppen? Der Ausgang ist durchaus offen.

 
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