54. Jahrgang Nr. 1 / Januar 2024
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1. Jenseits
2. Zeig mir deine Wege, Herr
3. Der unfruchtbarer Feigenbaum
4. Ubi non est auditus noli effundere sermonem
5. Take me away
6. Die Welt wird immer verrückter
7. Überlegungen zur Metaphysik des Krieges
8. Katastrophen und Alpträume
9. Nach Gasa werden Juden
10. Warum die kleinen Bauernhöfe
11. Mitteilungen der Redaktion
„Alle Jahre wieder kommt das Christuskind“
 
„Alle Jahre wieder kommt das Christuskind“

von
Eberhard Heller

Ein altes Weihnachtslied, das wir an jedem heiligen Abend, in jeder Heiligen Nacht anstimmen und in das die kleinen Enkelkinder schon kräftig mit ihren Stimmen einsteigen, lautet:
„Alle Jahre wieder kommt das Christuskind auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind.

Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus, geht auf allen Wegen mit uns ein und aus.

Steht auch mir zur Seite still und unerkannt, daß es treu mich leite an der lieben Hand.“

Den Liedtext hat Johann Wilhelm Hey 1837 geschrieben, die Melodie stammt von Friedrich Silcher.
„Alle Jahre wieder kommt das Christuskind auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind.“ Das Lied wird nicht so verstanden, als ob Christus jedes Jahr neu auf die Erde kommt, sondern daß wir alle Jahre wieder das Fest der Geburt des Gottes-Sohnes feiern. Das ist die weihnachtliche Botschaft, die uns an diesem Tag immer wieder an das Fest der Geburt Christi erinnert, an dieses übergroße Wunder der Menschwerdung Gottes, das uns zuteil wurde. Der göttliche Heiland steigt hernieder aus der Ewigkeit in die Zeitlichkeit, aus der Unendlichkeit in die Begrenztheit, um uns zum einen sein göttliches Leben miterleben zu lassen und es nachzuahmen. Im Rosenkranz beten wir zu Gott, „der seine Liebe in uns entzünde“. Zum anderen feiern wir das Fest des Salvators, der uns die Erlösung von unserer Sündenschuld und Sündenlast bringt. Insofern stehen Weihnachten mit seiner übergroßen Ausschüttung der Freunden in engem Zusammenhang zum Leiden des Heilandes, der am Karfreitag, an dem der Schmerz seinen Höhepunkt erfährt, an dem Tag, an dem der Heiland sein Leben opferte, um uns zu erlösen. Er eröffnete uns so wieder den Zugang zum Himmel.

Aber heute feiern wir das Fest seiner Menschwerdung mit großer Freude im Herzen, da uns das Christuskind in der Krippe anlächelt, trotz der Niedrigkeit seines Geburtsortes und der ärmlichen Behausung, um uns teil nehmen zu lassen, an der Freude, die es ausstrahlt. Nicht einmal ein Zimmer hatten Maria und Joseph zum Übernachten erhalten. In einem abgelegenen Stall fanden sie schließlich ihr Bleibe für die Nacht. Doch von hier aus beginnt der göttliche Strahl zu glänzen, der auch erleuchten und führen soll.
 
 „Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus, geht auf allen Wegen mit uns ein und aus. “ Doch das Kind, das uns den Segen bringt, findet unsere Tür offen, wenn wir es in Demut bitten, unser Gast zu sein. Gott zwingt sich nicht auf. Doch er kommt, wenn er unsere Sehnsucht nach seiner Liebe, seinem Frieden vernimmt, auch wenn sie nur ganz zaghaft vorgetragen wird. Singen nicht die Engel, die den Hirten erscheinen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden, die guten Willens sind.“ (Lk. 2,14)

So heißt es im Liedtext weiter: „Steht auch mir zur Seite still und unerkannt, daß es treu mich leite an der lieben Hand“ durch alle Gefahren, die uns hier in unserem Leben widerfahren. Und hat uns Gott nicht einen Schutzengel zur Seite gesellt, der uns vor dem Straucheln retten will und der uns Halt und Orientierung gibt auf der Suche nach Licht in diesem Dunkel des Wahnsinns.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gnadenreiches Weihnachtsfest.
 
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