50. Jahrgang Nr. 8 / Serptember 2020
Datenschutzerklärung | Zum Archiv | Suche




1. Vater, Mutter, Kind(er)-
2. Teurer Irrsinn:
3. Tiqua – Lebensrechts-Organisation
4. Corona – Welche Vollmacht hat der Staat
5. Unter dem Deckmantel von Corona:
6. Jordanischer Abgeordneter:
7. KITAS als rettender Anker in großer Not?
8. Nachrichten für Eltern und Erzieher...
9. Sie schlagen N E U E Wege ein:
10. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN...
11. Mitteilungen der Redaktion
Hat Gott alle Religionen gewollt?
 
Hat Gott alle Religionen gewollt?
Kommentar zur Erklärung von Abu Dhabi


von
Dr. Ante Križić

Lieber Eberhard, 7.5.2019

 (...) Das, was der Papst in Abu Dhabi unterschrieben hat, ist ein Dokument, das einen Namen,  ein Datum und seine Unterschriften hat und es bleibt so für den Rest der Geschichte bestehen. Wenn Gott alle verschiedenen Religionen gewollt hat, dann hat er auch solche gewollt, die Menschenopfer verlangen. Das ist eine unbeschreibliche Häresie. Auf der Generalaudienz am 03.05.19 rechtfertigt er sich damit, dass er den scholastischen Begriff "voluntas permissiva" für seine Entscheidung bemüht, eine typische jesuitische Spitzfindigkeit, die aus dem Zusammenhang gerissen ist. Bergoglio ist Links-Pero-nist, vertritt auch diese Politik und ist bestrebt, die UNO-Agenda - Migration und Klimawandel durchzusetzen. Das scheint die einzige Sorge des Vatikans zu sein. Es gibt jetzt eine katholische Intellektullenbewegung, die ihn wegen Häresie anklagen will und Unterschriften dafür sammelt. Aber ich glaube, sie kommen juristisch nicht durch... Meines Wissens kann ein Papst erst nach seinem dem Tode zum Häretiker erklärt werden.

Was der Islam ist, hat Thomas von Aquin am besten auf den Punkt gebracht: Mohammed ist Antichrist und der Koran ist die Summe der Einflüsterungen des Teufels. Ma kann einfach sagen, der Islam ist die Inkarnation des Irrationalen. Dass der Katholizismus auf seine Stufe zurückgefallen ist, hat seinen Grund vor allem darin, dass die Trinität in theologisch-philosophischen Reflexionen verdrängt und sogar geleugnet wurde. Du hast sehr passend die Stellen aus "Lumen gentium" und "Nostra aetate" zitiert: Der Dreieinige christliche Gott wird mit Allah identifiziert.

Der Verlust der Trinität hat eine lange Geschichte. In der traditionellen Philosophia perennis war die trinitarische Metaphysik der Ausgangspunkt aller Überlegungen bezüglich der Naturereignisse. So war es im Mittleren Platonismus, bei Plotin, Proklos, Jamblichos etc, und da sich diese dynamischen triadisch-trinitären Beziehungen sehr leicht einfügen lassen in die christliche Trinitätslehre, haben das auch patristische Autoren wie Hilarius, Hyeronimus, Cassianus, Athanasius und andere in die christliche Philosophie eingebaut. Später über Marius Victorinus, Augustinus haben das Anselm von Canterbury, Thomas von Aquin, Richard de Saint-Victor und besonders Bonaventura fortgesetzt. Thomas von Aquin betont, wenn es in Gott keine Differenzen gäbe, gäbe es auch keine innergöttliche Kommunikation, Gott wäre dann wie eine vollkommene, gestaltlose Kugel, ewig und einsam ("deus ab aeterno solitarius"). Diese Differenzen als drei Personen vollziehen eine innergöttliche Perihorese, eine dynamische Kommunikation, die aus dem freien Willen der göttlichen Personen hervorgeht und die in der Liebe terminiert. Sie ist auch der Grund für die Schaffung dieser Welt. Gott liebt den Menschen so, dass er für ihn auch ans Kreuz geht. So verkürzt nach Thomas von Aquin.

Wenn man bedenkt, was das alles bedeutet, dann ist die christliche Religion etwas Universelles, was auch missionsbedürftig ist. Gott liebt den Menschen so sehr, dass er für ihn ans Kreuz geht ! Das lässt das menschliche Leben leichter ertragen und auch sinnvoller gestalten, egal wie weit jemand dieses Wirklichkeitskonzept in sich integriert hat. Der einsame Gott ohne die innergöttliche Liebeskommunikation wird in seiner Allmacht zu einem Despoten. Das hat Nietzsche klar gesehen, -  er kannte nur einen und einsamen christlichen Gott - und so sagte er, dass der christliche Monotheismus nichts anderes sei als der monotone Theismus eines monarchistischen Gott-Despoten. Aber wie kam es zu dieser Auffassung im Christentum, die Nietzsche rezipiert hat?

Im 17. Jahrhundert entstand eine starke neo-arianische, anti-trinitarische Bewegung in Europa, die sich Sozinianismus nannte und die die christliche Trinitätslehre fast fanatisch bekämpfte. .Alle Intellektuellen jener Zeit waren dabei, einschliesslich Descartes. Für ihn war die Dreifaltigkeitslehre nicht einer theologisch-philosophischen Reflexion wert, sie ist nur Privatmeinung eines jeden. Der einzige, der gegen den Sozianismus und auch Descartes, auch in persönlicher Diskussion mit ihm, kämpfte und "antiqua catholica fides" verteidigte, obwohl er selbst nicht katholisch war, -  war Jan Komensky (Co-menius). Er hat sich der traditionellen Theologie und trinitarischen Metaphysik zugewandt und auf tausenden,  oft ermüdenden Seiten gegen seine Gegner polemisiert. Für ihn ist die Dreifaltigkeitslehre nicht nur eine Sache der Theologie und des Glaubens, sondern er sieht darin auch tiefere kosmologische, soziologisch-politische und exsistentielle Zusammenhänge. Denn Gott hat sich geoffenbart, sowohl in der Natur als auch in der Heiligen Schrift ("tam in natura quam in scriptura"). Alles ist Abglanz seines göttlichen Innenlebens und nach der Erkenntnis dieser Perihorese sollen wir durch und mit Christus streben. Jedes Seiende besteht aus Dreiheit ("omne ens e tribus constat") ...
Eine Darstellung der christlichen Dreifaltigkeitslehre bedürfte einer speziellen Abhandlung und man müsste viel in der Zwischenzeit angesammelte Erkenntnis heranziehen.

Der Sozinianismus hat sich voll und ganz auf allen Ebenen durchgesetzt und in der Aufklärung fand er sein Zuhause. Für Kant war die Trinität ein Unfug, bei Hegel schrumpfte sie zu einem dialektischen Dreischritt zusammen, aus dem allerlei skurrille und verheerende Ideologien hervorgegangen sind mit nachhaltigen Folgen und Irrtümern... Nietzsche meinte: "Ohne Hegel kein Darwin."

So wurde die Dreifaltigkeitslehre auch in der Theologie zu einer Nebensache. Sie blieb nur eine leere Worthülse im Glaubensbekenntnis. Nach und nach verlor sie im religiösen Leben völlig ihre Bedeutung. Dass sie dann in den zwei Enzykliken, aus denen Du zitiert hast, übergangen wurde, ist kein Wunder und so konnte Allah mit dem Dreifaltigen Gott ohne Probleme identifiziert werden. Im praktischen Leben verstehen die Leute nicht einmal, wozu die Taufe da ist. Meine Frau war vor einem Monat in Frankreich, wo unsere älteste Tochter Zwillinge bekommen hat. Meine Frau drängte die Tochter, mit der sie als Kind Rosenkranz gebetet hat, die kleinen Mädchen taufen zu lassen. Aber der Mann, ein Franzose, versteht nicht, was die Taufe soll, aber möglich sei es schon... So haben wir nicht nur einen Schwiegersohn, sondern auch zwei Taufen in spe....

Als ich nach Deutschland kam, da hat mich der Neuthomismus tief enttäuscht. Das ist nicht die echte katholische Philosophie. Das sind Philosophen gewesen, die den Versuch unternommen haben, Kant neu zu taufen. Das waren prominente Jesuiten wie Coreth, Brugger, Lotz, Karl Rahner, Marechal u.a., die in eigentümlicher Weise viele Elemente der thomistischen Seinsphilosophie, Kants Begriff des A-priori, Husserls Lehre von der Horizontalintentionalität und Heideggers Seinsentwurf miteinander verschmolzen haben. Das passt alles nicht zusammen.

Auch das Heil in der Mystik des orthodoxen Christentums - und viele suchen es eben dort -  ist ein  Irrweg. Wir Kroaten haben die Erfahrung mit der Orthodoxie, und dabei meine ich nicht die Serbisch-Orthodoxe-Kirche, die an sich eine atavistisch-kriminelle Organisation ist, die seit 2 Jahrhunderten für das meiste Blutvergießen in dieser Region verantwortlich ist und mit dem Christentum nichts zu tun hat.

Ich meine die Weltorthodoxie, die an sich auch eine Häresie ist. Mir lag damals Eure Begeisterung für Dostojewski schwer im Magen. Er ist zwar ein genialer Schriftsteller und Analytiker der tiefsten Abgründe der menschlichen Seele, er hat auch einige christliche Aspekte im Kontext seiner Erzählungen hervorgehoben, aber insgesamt ist sein orthodoxes Christentum eine Halbseitenlähmung des Christlichen und eine Halbseitenlähmung des Verstandes. Und all das verbrämt mit dem russischen Sendungsbewusstsein. Einzelne Punkte für diese Behauptungen kann ich hier nicht anführen, das würde zu weit führen. Aber das kann man ein anderes Mal ausführlicher diskutieren. Nietzsche hat oft in seinen schlimmsten Angriffen auf die Kirche das Christentum besser beleuchtet und damit auch verteidigt, als es Dostojewski tat in seinen gnostisch-nebulösen Phantasien ... Warum ich das alles schreibe, obwohl ich danach nicht gefragt werde, weiss ich nicht.
 
(c) 2004-2018 brainsquad.de