51. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2021
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1. OSTERN 1979*)
2. Die Papstwahl von 1903
3. Das Ende Luthers
4. WAHLHILFE BESONDERER ART -
5. WARNING REGARDING A SUPPOSED BISHOP
6. Nachruf auf Herrn Jean André Perlant
7. DER HL. KONRAD VON PARZHAM
8. ÜBER DAS GEBET
9. FÜR DEN GEGENWÄRTIGEN AUGENBLICK
10. Der hl. Ignatius von Antiochien
11. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN
12. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
Der hl. Ignatius von Antiochien
 
Der hl. Ignatius von Antiochien

von
Eugen Golla


Er gehört wie der hl. Polykarp und der hl. Klemens von Rom zu den apostolischen Vätern, jenen urchristlichen Autoren, die noch Schüler oder Hörer der Apostel waren und die die empfangene Lehre ohne allen wissenschaftlichen Apparat in Briefen weitergaben. Bedauerlich ist nur, daß über das Leben des hl. Ignatius wenig bekannt ist, da als sichere biographische Daten lediglich sein Episkopat und sein Martyrium anzusehen sind.  Alles übrige, das den Ignatius-Martyrien oder Ignatius-Akten sowie den ältesten Biographen entnommen werden kann, ist teilweise widersprüchlich. So ist z.B. weder das Jahr seiner Geburt noch das seines Todes oder seiner Erhebung zum Bischof bekannt. Sicher ist nur seine eyrische Abstammung. Sein Tod in der Arena beweist, daß er nicht das römische Bürgerrecht besaß. In den Bereich der Legende gehört die Erzählung, er sei jenes Kind gewesen, welches der Heiland herbeirief und vor seine Jünger mit den Worten stellte: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nimmermehr in das Himmelreich eingehen." (...) Ein Wiederaufleben dieser Legende erfolgte durch die gottselige Anna Katharina Emmerich, die das Leben und den Tod des heiligen Ignatius in ihren Visionen sah. Fest steht jedoch, daß er lange Zeit Bischof von Antiochien war, wobei es durchaus sein kann, daß er von Paulus, vielleicht sogar von Petrus als Nachfolger des Evodius eingesetzt wurde. Als ziemlich sicher gilt ferner sein Umgang mit dem hl. Johannes, der von allen Aposteln am längsten lebte. Während der  Kirchenhistoriker Eusebius (+ 339) schreibt, Polykarp sei ein Schüler des Lieblingsjüngers Jesu gewesen, fügt der hl Hieronymus (+ 420) noch hinzu: "Et Ignatius Antiochenus" ("... der Antiochier Ignatius").

Ignatius erwies sich im ausgehenden ersten Jahrhunderts während der Christenverfolgung unter Kaiser Domitian als ein wahrer Hirte. Danach folgten zwar einige Jahre der Ruhe. Aber unter Trajan, der zu den umsichtigsten römischen Kaisern zählte und dessen Regierung ein Segen für das Reich war, kam es dennoch durch aufgehetzte Volksmassen oder eigenmächtige Anordnungen von Statthaltern zu lokalen Verfolgungen, in denen viele Christen für ihren Glauben das Martyrium erlitten. In Antiochia wurde eines ihrer Opfer - vielleicht das einzige - Ignatius, der sich gewöhnlich seines zweiten Namens, Theophoros (d.i. Gottesträger) bediente. In einer der Martyrer-Akten wird berichtet, er sei im Jahre 107 vor den Kaiser gerufen worden, der damals zur Vorbereitung eines Feldzuges gegen die Parther in Antiochia weilte. Als er sich wegen seiner Tätigkeit als Bischof verantworten mußte, bezeichnete er sich als jemanden, der Christus, den Gekreuzigten, im Herzen trage, den einzigen Gott, da sämtliche Gottheiten der Heiden nichts als Dämonen seien. Darüber ergrimmt, soll Trajan befohlen haben, Ignatius in Ketten nach Rom zu bringen und dort den wilden Tieren vorzuwerfen. Ob sich dies im Jahre 107 - dem Jahr, welches am häufigsten angeführt wird - ereignete oder später (jedoch nicht nach 117, dem Todesjahr Trajans), ist ungeklärt. Auch zwingen Andeutungen in den Briefen des Heiligen anzunehmen, daß er durch die Provinzialbehörden und nicht durch den Kaiser verurteilt worden sei. Sicher ist aber, daß er den Martertod in Rom erlitt, wahrscheinlich im größten Amphitheater der Antike, dem damals noch neuen, prunkvoll mit Marmor verkleideten Kolosseum.

Als kostbaren Schatz hinterließ der greise Bischof den kommenden Geschlechtern seine nach dem Vorbild des Paulus abgefaßten sieben Briefe, die er auf der Fahrt nach Rom schrieb. Von den in Smyrna verfaßten waren drei an die kleinasiatischen Gemeinden in Ephesus, in Magnesia und Trallas gerichtet, der vierte war für die Christen Roms bestimmt. Während seines Aufenthaltes in Troas, im nordwestlichen Kleinasien, entstanden die Briefe an die Gemeinden von Philadelphia und Smyrna sowie jene Epistel an den hl. Polykarp, den Bischof der letztgenannten Stadt. Sie zeugen nicht nur von christlichem Geist und seiner glühenden Christus- und Hirtenliebe, sondern sie sind auch in dogmengeschichtlicher Hinsicht besonders wertvoll. Dort, wo der hl. Ignatius von einer drohenden Spaltung in den Christengemeinden, wie z.B. in Philadelphia, erfuhr, lag ihm die Wiederherstellung der Eintracht unter den Gläubigen sowie deren Unterordnung unter die Hierarchie besonders am Herzen. So schrieb er: "Bemühet euch, nur eine Eucharistie zu gebrauchen; denn nur eines ist das Fleisch unseres Herrn Jesus Christus und nur ein Kelch zur Einheit seines Blutes, nur ein Altar sowie ein Bischof mit dem Presbyterium und den Diakonen." Die Magnesier lobt er wegen ihrer hervorragenden Disziplin, fügt aber hinzu: "Ich hatte die Ehre, euch in der Person des Damas, eures heiligen Bischofs, zu sehen. Sein jugendliches Alter soll euch kein Vorwand für eine zu große Vertraulichkeit sein; es ist die Macht Gottvaters, die ihr in vollem Maße in ihm verehren sollt." Er ist auch der erste, welcher für den rechtlichen Zusammenschluß der Einzelgemeinden den Ausdruck katholisch (allgemein, allumfassend) gebraucht. Ignatius ist ferner einer der frühesten Zeugen für die Gottesmutterschaft Mariens, so daß sich auf dem Konzil von Ephesus deren Verteidiger auf ihn berufen konnten. Nicht dieses Konzil, sondern Nestorius, der Bekämpfer der Mutterschaft Mariens, ist somit der Neuerungssucht verfallen, weil er sich gegen die Tradition wandte, denn schon Ignatius hatte  an die Epheser geschrieben: "Unser Gott Jesus Christus wurde nach Anordnung Gottes von Maria im Mutterschoß getragen, stammend aus dem Geschlechte Davids und dem Heiligen Geiste."

Energisch wandte sich der Heilige auch gegen eine der frühesten Häresien, den Doketismus, der behauptete, daß der Erlöser keine echt menschliche Natur, sondern nur einen Scheinleib besaß, er folglich auch nur scheinbar gelitten hätte. Es handelte sich hier um einen Monphysitismus, der zu jener dualistischen Auffassung führte, die ihren Höhepunkt etwa 100 Jahre später in der Gnosis fand. Nach dieser Lehre ist die Materie der Sitz des Bösen, weshalb nach der Meinung der Gnosis sich der göttliche Logos auch nicht mit einem menschlichen Leib verbinden konnte.

Diese Briefe ermöglichen es auch, wenigstens teilweise die Fahrt des heiligen Bischofs nach Rom zu rekonstruieren. In dem Brief an die Römer, der bereits in seiner Überschrift den Vorrang der Ewigen Stadt zum Ausdruck bringt, schreibt er: "Von Syrien bis Rom kämpfe ich mit wilden Tieren, bei Tag und Nacht an zehn Leoparden gefesselt, eine Soldatenabteilung nämlich, die auf erzeigte Wohltaten nur schlimmer wird. Unter ihrer Mißhandlung werde ich immer mehr zum Jünger Christ." Zugleich bittet er die römischen Christen, auf keinen Fall seine Freilassung zu erwirken: "Wollet also nicht, ich bitte Euch, unzeitiges Mitleid an mir zeigen. Laßt mich den Bestien zum Fraß sein! Ich bin ein Weizenkorn Christi und muß von den Zähnen der wilden Tiere zermalmt werden, um ein reines Brot Christi zu werden. Schmeichelt lieber den Bestien, daß sie mein Grab werden, und nichts von meinem Leibe übrig lassen, damit ich nach meinem Tode niemand mehr zur Last falle." In Smyyrna durfte Ignatius das Schiff verlassen und den hl. Polykarp, den Bischof dieser Stadt, besuchen sowie Boten mehrerer umliegender Christengemeinden empfangen. Von Troas ging die Reise zu Lande über die Via Egnatia, eine römische Militärstraße, nach Neapolis in Thrakien und von dort über Philippi wahrscheinlich nach Dyrrachium an der Ostküste des Adriatischen Meeres. Über die weitere Strecke bis Rom liegen keine Berichte vor. Die begleitenden Wachen drängten auf eine schnelle Reise, denn die Ankunft sollte noch vor dem Ende der im Amnphitheater stattfindenden Festspiele erfolgen. Ignatius wurde augenblicklich von zwei Löwen, die auf ihn losgelassen wurden, zerfleischt.

Als Tag des Martyriums wird meistens der 20. Dezember angenommen, den auch die griechische Kirche als Gedenktag feiert, während unsere Martyrologien für sein Fest den 1. Februar bestimmten. Die Reliquien wurden an verschiedne Orte übertragen, das erstemal von Rom nach Antiochien. Ein Großteil von ihnen befindet sich heute in San Clemente in Rom. Die Kirche setze zu Ehren dieses frühchristlichen Martyrers besondere Ehrungen fest. Nicht nur, daß sein Name in die Texte des Meßritus aufgenommen wurde, genauer: in die "Bitten um die Gemeinschaft der Heiligen",  als Kommunionlied zu seinem Festtag dienen die so großartigen und heroischen Worte aus seinem Brief an die Römer, deren Wirklichkeit er an sich selbst erfahren hat: "Ich bin ein Weizenkorn Christi und muß von den Zähnen der wilden Tiere zermalmt werden."

Benützte Literatur:
Bardenhewer Otto: "Geschite der altkirchlichen Literatur" Bd. 1, Darmstadt 1962.
Gamber, Klaus: "Zeugen des Herrn", Einsiedeln.
Pohle-Gierens: "Dogmatik", 2. u. 3. Bd., Paderborn 1937/1933. 
Artikel "Ignatius" in: Stadtler, Joh. Ev.: "Vollständiges Heiligenlexikon in alphabet. Ordnung" 3. Bd., Augsburg 1869.
"Vies des Saints" Bd. 2, Paris 1936.
Wetzer und Welte: "Kirchenlexikon" 6. Band, Freiburg 1889.  
     
 
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