49. Jahrgang Nr. 1 / Februar 2019
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Die inspirierte Vorausschau des hl. Apostels Paulus
 
Die inspirierte Vorausschau des hl. Apostels Paulus
von künftigen schlimmen Kirchenkrisen:

2 Tim 3,1-5 und 4, 1-5

von
Norbert Dlugai

I. Allgemeine Vorbemerkungen - und der konkrete Bezug zur Gegenwart

Das kirchliche Lehramt, sofern und soweit es sich der Wahrung des tradierten, unverfälschten katho-lischen 'Depositum Fidei' verpflichtet wußte bzw. noch (?) weiß, hat stets keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Offenbarungsinhalte der Heiligen Schrift durch Inspiration des Heiligen Geistes schriftlich niedergelegt und der katholischen Nachwelt vermittelt worden sind.

Das gilt besonders auch für die Briefe des Apostel Paulus, denen, wie es einmal jemand ausdrückte, durchwegs eine "fortreißende Beredsamkeit" zu eigen sei. Der hl. Hieronymus formulierte es noch deutlicher, indem er sagte, daß "so oft er den Apostel Paulus lese, nicht Worte vernehme, sondern 'Donnerschläge'"(welche vom Heiligen Geist herrühren - Anm.d.V.).

Solche "Donnerschläge" enthalten nicht weniger die in der Titelüberschrift genannten Textstellen in 2Timotheus, wenn da Paulus Zeiten über das Reich Gottes auf Erden hereinbrechen sieht, welche schwere ungeahnte Krisen für die wahre Kirche Christi und den christlich-katholischen Glauben zur Folge haben würden.

Und wer möchte wirklich ernsthaft leugnen - es sei denn, jemand ist mit totaler Blindheit und Taub-heit geschlagen (vgl.Isaias 43,8) - daß diese Krisen, die Paulus anspricht, in der Tat heutzutage der katholischen Kirche ihren finsteren Prägestempel aufgedrückt haben und fortwährend aufdrücken, weshalb es angebracht ist, sich mit der kontextlichen Voraussage in 2 Timotheus zu befassen,um ihren Offenbarungsinhalt, auf die heutige kirchliche Situation bezogen, transparent zu machen. Das scheint ein dringliches Anliegen zu sein - für alle, denen 'katholisch sein' noch etwas bedeutet.

Aber begegnet echtes, unverfälschtes Katholischsein nicht heute einer erschreckenden Gleichgültig-keit, wenn nicht gar Ablehnung? Die Frage stellen heißt, sie bejahen. Und das sollte Entsetzen hervorrufen! Denn längst verdichten sich kontinuierlich die Anzeichen, daß die eine wahre Kirche Jesu Christi, die wir die katholische und apostolische nennen, mehr und mehr in den Sog einer belialischen Finsternis hineingerissen wird. Einer Finsternis, vor der Paulus warnt (s.b. 2 Kor. 6,14-16) - wenn etwa heute, wie es schon Paulus rügte, "ein anderer Christus und ein anderes Evangelium verkündet werden, und wir dem nichts entgegensetzen! oder entgegensetzen wollen (s. 2 Kor.11,4) - aus Feigheit bzw. sonstigen anderen Gründen, die vor Gott nichtssagend sind. Ist da nicht das Kirchenlied von höchster Aktualität "Wachet auf"? Ja, wachen wir doch endlich auf, ehe es für immer zu spät ist!!

II. Die paulinischen Prophezeiungen und Warnungen und ihr Realitätsbezug zur heutigen Krisensituation der katholischen Kirche als der wahren Kirche Christi

1. Die einschlägigen Textstellen 2 Tim. 3,1-5 u.4,1-5

Die Textstelle 3,1-5 besagt zunächst, daß Paulus seine Vorausschau in der heilsgeschichtlichen Ära der "letzten Tage" angesiedelt sieht! Jedoch hüte man sich insoweit eine restriktive Deutung in dem Sinne vorzunehmen, daß man die "letzten Tage" sozusagen dogmatisch auf die Zeit beschränkt, da das Erscheinen des Weltenrichters Jesus Christus sich ankündigt bzw. unmittelbar bevorsteht - wie es in der Schrift berichtet wird.

Es mag selbst vielen treugläubigen Katholiken etwas paradox anmuten, wenn festgestellt werden muß, daß die "letzten Tage", die Endzeit, das Eschaton mit dem Eintritt des Erlösergottsohnes Christus in unsere irdische Zeitlichkeit begonnen hat. Und das ist mit von entscheidender Wichtig-keit für unsere Überlegungen. Denn unter diesem Aspekt und Konspekt entfalten die Lehrinhalte des Apostel Paulus in den og. Texten ihre das katholische Gewissen verpflichtende konstitutive Aus-sagekraft über alle Zeiten katholischer Kirchen- und Heilsgeschichte hinweg.

Es ist doch mehr als augenscheinlich - weil die verheerenden Turbulenzen im Bereich von Kirche, Glauben, Religion und Theologie heutzutage das bestätigen - wie sehr Paulus mit seinen Prophe-zeiungen und Kritiken im Recht ist, und von daher sollte sich in Wahrheit der Begriff der "letzten Tage" unserem Verständnis erschließen: als das leidvolle, immer chaotischer, weil stets gottloser werdende Hier und Heute, als ein Kreuzweg, den die sündige, schuldbeladene Menschheit gehen muß - bis die Zeit erfüllt ist und der Menschensohn Jesus Christus auf den Wolken des Himmels wiederkommt, zu richten die Lebenden und Toten und das ewige Gottesreich aufzurichten und in Herrlichkeit zu vollenden.

Das vorerwähnte Hier und Heute jedoch schließt nicht weniger die verflossenen Säkula seit Erschei-nen des Heilands und Erlösers in jeder Beziehung mit ein. Bis nun "die Zeit erfüllt ist", wird die Kirche Christi des guten Hirten samt seiner Herde von immer heftigeren, die Glaubensfundamente erschütternden Krisen heimgesucht werden; und wir erleben dies besonders allumfassend in der Gegenwart auf eine Weise, welche die Existenz des sog. christlichen Abendlandes bis in die Wurzeln bedroht.

Zweifelsohne ist jetzt schon weitgehend gespenstische Realität geworden, womit Paulus in 2 Tim. 3,-5, vom Heiligen Geist getrieben, die Christen, nicht nur seiner Gemeinde, sondern weltweit konfrontiert und konfrontieren will, eben nicht zuletzt seinen Schüler Thimotheus. Es sind, um mit dem hl. Hieronymus zu sprechen, "Donnerschläge", durch die Paulus die alle Heilsgnade aus-löschenden Irrwege bloßlegt, welche im Endeffekt die schwerwiegenden Krisen innerhalb der Kirche auslösen, ja zwangsläufig auslösen müssen. "Denn" so Paulus, "in den letzten Tagen werden die Menschen die Lust mehr lieben als Gott. Sie geben sich wohl den Schein der Frömmigkeit, lassen aber deren Kraft vermissen. Schlimme Zeiten brechen herein, und da werden die Menschen selbstsüchtig sein, geldgierig, prahlerisch, hochmütig, schmähsüchtig, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, treulos, verleumderisch, zügellos, grausam, gemein, verräterisch, frech und aufgeblasen. Von solchen Menschen halte dich (Timotheus) fern...".

Von Menschen, welche die Lust mit allen Folgen, wie sie von Paulus in 3,1-5 genannt werden, zu einem Götzen machen - geformt vom Geist des Widersachers, gegen den im Letzten die "Donnerschläge" des Apostels Paulus gerichtet sind.

Und von daher war es geboten, daß Paulus seinem getreuen Schüler und Weggefährten Timotheus die klaren Weisungen erteilt, wie sie in 2 Tim. 4,1-5 enthalten sind - einer Stelle, die zu allen Zeiten, insbesondere aber heute, von einer Brisanz ohnegleichen, ja von einer brandheissen Aktualität ist, was Paulus sagt:
"Ich beschwöre dich vor Gott und Jesus Christus, dem einstigen Richter der Lebendigen und der Toten, bei seiner Wiederkunft und bei seinem Reiche: Verkündige das Wort! Tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen. Überführe, weise zurecht und ermahne mit aller Geduld und allem Geschick. Denn es kommt die Zeit, da man die gesunde Lehre unerträglich findet und sich nach eigenem Sinn Lehrer über Lehrer sucht, um sich einen Ohrenschmaus zu verschaffen. Der Wahrheit verschließt man das Ohr und ergötzt sich an Fabeln. Du aber bleib in allem besonnen. Trage die Leiden. Vollzieh die Aufgabe als Verkünder der Heilsbotschaft. Versieh voll und ganz deinen Dienst." -

Diese Sorge ist ja selbst bei unserem Herrn und Heiland Jesus Christus nicht unausgesprochen geblieben, wenn er vor den "falschen Propheten" warnt, die in "Schafskleidern" zu uns kommen, aber "innen reißende Wölfe sind" (Matt.7,15 u. 24,11).

Und darauf gründen eindeutig die inspirierten paulinischen Voraussagen über die Irrlehrer, welche die Menschen zu dem verführen, was 2 Tim. 3,1-5 u. 4,1-5 besagen.

Im übrigen ist ebenso in 2 Petr. und 1 Jo. von den Irrlehrern und ihrem gotteslästerlichen trüben Agieren die Rede. Jedoch ist bei Paulus in 2 Tim. das Ganze in das heilsgeschichtliche Gesamt-szenarium eingebunden, dessen eines der stärksten und wesentlichsten Fundamente das der - einzig und allein gültigen - Wahrheit und deren Reinerhaltung und Bewahrung darstellt.

2. Die kritischen Voraussagen des Apostels Paulus und ihr Bezug zur heutigen Situation von Glauben und Kirche.

Fragen wir zunächst: War bzw. ist der Christenheit bewußt, was sich an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit an für das christliche Abendland Dramatischem ereignet und vollzogen hat? Wohl kaum, weil der Großteil der Herde Christi sich damit kaum befaßt - noch dazu, wenn man in diesem Zusammenhang gar dunkle gottfeindliche Mächte ins Spiel bringt, von denen sich selbst sog. brave Katholiken längst verabschiedet haben.

Und dennoch, der wahre Treugläubige sieht hinter der sich ab der Zeitenwende dramatisch herauskristallisierenden Gegnerschaft zur gesunden Lehre, von der Paulus spricht, ein machtvolles Intrigenspiel des Widersachers Gottes, des "Menschenmörders und Vaters der Lüge seit Anbeginn" (Jo. 8,44). Seiner groß angelegten Taktik fielen Natur- und Geisteswissenschaftler und viele sonstige geistliche und politische Potentaten, und nicht zuletzt das einfache Christenvolk zum Opfer. Sie alle identifizierten sich mehr oder weniger mit dem am Beginn der Neuzeit um sich greifenden Diesseitsrausch, ausgelöst durch die neuen Entwicklungen, die alle gesellschatlichen Bereiche in einer Weise prägten, die bald einen Revolutionseffekt auslöste.

Ein Effekt, der zwar nicht einer total atheistischen neuen Ära den Weg zu ebnen gedacht war, aber die Geburtsstunde von sog. 'Ismen' bedeutete, mit denen wir uns hier nicht im Einzelnen auseinandersetzen wollen, die jedoch die bis zum Ende des Mittelalters bzw. zum Anfang der Neuzeit maßgebende Dominanz katholisch-kultureller Welt- und Denkanschauung brechen bzw. schwächen sollten.

Die erwähnten 'Ismen' nun sind grundgelegt im Megatrend eines immer offensiver werdenden Anthropozentrismus anstelle eines Theozentrismus. Diese Hinwendung zum Menschen als ein heutzutage das religiöse und theologische Spektrum beherrschendes Element manifestierte sich im Laufe der Jahrhunderte eben in den verschiedenen 'Ismen' in stetig ausgeprägteren Formen und Weltanschauungsmodellen bzw. die menschliche Vernunft verblendenden, zerstörerischen Ideolo-gien. Die desaströsen Folgen dieser theo-dezentrischen bzw. a-theistischen Verkehrungen brauchen wohl nicht eigens erwähnt zu werden - sie reichen bis in unsere Zeit hinein.

Der für das alles ursächliche Giftbazillus eines modernistischen oder subjektivistischen Gottes-bewußtseins fand schließlich eine Art dogmatischer Verankerung durch das II. Vatikanische Konzil, und es drängt sich daher die Frage auf, was dann z.B. "Seelsorge" eigentlich noch soll und welchen Stellenwert sie besitzt ? Wird sie nicht auf ein Niveau verlagert und herabgedrückt, von wo aus eine 'Gottesverehrung' betrieben wird, in ihrem Ziel darauf ausgerichtet, Gott gewissermaßen im Endeffekt zum 'Erfüllungsgehilfen' menschlicher Belange und Wünsche zu machen? Und bewegten sich in den genannten Dimensionen, ob bewußt oder unbewußt, nicht die Hoffnungen und (anthropozentrischen) Intentionen vieler Konzilsväter?

Lassen wir hier einen katholischen Priester zu Wort kommen, der sich von seiner Gemeinde verab-schiedet hat, und der in einem offenen, unverkennbar konzilskritischen Brief die nachkonziliare chaotische Seelsorgssituation aus seiner - und das heißt auch: den Tatsachen gerecht werdenden - Sicht aufzeigt, wenn er schreibt:

"Wir Christen sind, wenigstens was die Konsequenzen angeht, Opfer des vergötzten Großereignisses 'Zweites Vatikanisches Konzil'. Es war vom naiven Fortschrittsoptimismus der 60er Jahre geprägt. Mehrdeutig bis nebulös in der Formulierung, wurde in der Anwendung des Konzils der Mensch an die Stelle Gottes gesetzt. Nicht mehr der Mensch hat sich Gottes Offenbarung zu unterwerfen, sondern der Mensch selbst bestimmt, was er gerade zu glauben geruht. Damit ist natürlich die Religion auf den Kopf gestellt. Entsprechend wurde die Kirche im alllgemeinen Bewußtsein von der göttlich gestifteten Heilseinrichtung zur menschlich gemanagten Sozialbedürfnisanstalt. Öffnung zur Welt - mit Verlaub - als kriecherische Anbiederung! - Seitdem ist die Kirche, statistisch belegbar, in offenem und sich beschleunigendem Niedergang. Der katholische Glaube (ver)schwindet, weniger, weil er in einer heidnischen Gesellschaft 'verdunstet', sondern weil er von kirchlichen Stellen über Jahrzehnte zumindest verkürzt dargestellt wurde. Und man bedenke, wie rabiat fast alle Kommunionbänke, ja selbst viele Altäre und Tabernakel, schon aus den Kirchen gerissen worden sind. Wenn das der 'Konzilsgeist' ist, erübrigt sich ein Kommentar! Denn ist das nicht Ausdruck von Gleichgültigkeit bis Haß gegenüber dem Aller-Heiligsten, das wir besitzen? Angesichts dieses 'Greuels der Verwüstung an heiliger Stätte' (Dan. 8,13) frage ich: Darf man weiter in den verlorenen Chor der Triumphalisten einstimmen, die das Konzil als 'Neues Pfingsten' feiern? Darf man schweigen zu dieser neuen babylonischen Verwirrung, zur Zersetzung von Glaube und Moral als Folge? Und vor allem, soll man achselzuckend den zu befürchtenden Massenruin unsterb-licher Seelen hinnehmen, für deren Rettung doch der Seel-Sorger zu wirken hat?"

Und weiter schreibt der Geistliche:

"Vertritt heute ein Ortspriester auch nur halbwegs eine bewahrend-konservative Position, hat er schon bei 'einem Judas' in seiner Gemeinde keine Chance! In dieses real existiernde 'Kirchensystem' kann ich mich nicht länger einfügen, ohne seelisch zu zerbrechen und völlig unterzugehen. Denn die eigentliche Aufgabe des Priesters wird immer mehr verdrängt, nämlich in der Nachfolge Christi Seelenführer zu sein, d.h. wie er die anvertraute Herde durch Verkündigung in Wort und Heiligung im Sakrament zum ewigen Heil zu führen und der Verdammnis zu entreißen. Statt dessen wird man zum Funktionär einer Diesseitsreligion degradiert. Man soll sich als Manager einer Gebietskörperschaft, säuselnder 'Psychoonkel' oder Stimmungsmacher bzw. dekoratives Element und Ornament bei Familienfesten betätigen. Liebe katholische Mitchristen - dafür ist mir mein Leben und meine priesterliche Berufung zu schade! Gott und sich selbst kann niemand belügen. Was soll ich dem Richter am Jüngsten Tag antworten, wenn er fragt: Weshalb hast du den Menschen mehr gehorcht als mir? Wieso hast du wider besseres Wissen mitgemacht bei der Zerstörung meiner Kirche? Warum hast du durch Schweigen kollaboriert? Eine Wende ist nicht in Sicht. Menschlich gesehen besteht keine Hoffnung. Doch der Herr verläßt seine Kirche nicht und wird eingreifen. Bange fragen wir uns freilich - wann?? Für die Menschen gibt es noch viel, evtl. jahrzehntelang, kaputt zu machen."

Was dieser Priester in seinem Abschiedsbrief anklagt und beklagt, sind wahrlich nicht etwa blosse (subjektive) Rechtfertigungsgründe für seinen Schritt, sondern objektive Fakten, welche die Trost-losigkeit und geistlich-geistige Leere aufzeigen, in die Kirche, Religion, Glauben und Theologie durch das und nach dem Konzil hineingeschlittert sind, als Schlußpunkt einer jahrhundertelangen Entwicklung- und einer dementsprechenden subversiven Konzils- und Nachkonzilsstrategie.

Es ist beängstigende allumfassende Wirklichkeit geworden, wovor Paulus in  2Tim.3,1-5 und 4,1-5 voll brennender Sorge warnt und was nicht weniger schwer auf der Seele unseres aufrechten katho-lischen Priesters lastete, der sich dann zu einer für heutige Verhältnisse mehr als mutigen Entschei-dung durchrang, um seiner ureigentlichsten Aufgabe anderswo gerecht zu werden. Gott möge seine Hoffnungen und Erwartungen erfüllen!

III. Kirchenkrise und Schriftoffenbarung - Auswege aus der Krise

Es gibt Schriftstellen, über die man gedankenlos hinwegliest, z.B. über Bibeltexte mit einem heils-geschichtlich gewichtigem Aussageinhalt. Dies gilt nicht zuletzt für solche Texte, die im Zusammen-hang stehen mit den die "gesunde Lehre" mißachtenden oder mißdeutenden Verkehrungen und Fehlentwicklungen, von denen die Kirche und die Herde Christi heimgesucht und zutiefst verun-sichert werden, - ein immer düsterer werdendes Menetekel unserer Zeit. Und die besagten Bibel-zeugnisse stehen in einem eindeutigen Kontext zu der uns beschäftigenden paulinischen Theologie.

Die seit langem und ganz besonders in unserer Gegenwart heraufbeschworenen Glaubens- und Kirchenkrisen, gekennzeichnet durch eine weithin praktizierte rein äußere "Scheinfrömmigkeit" ohne die Kraft wahrer Hingabe an Gott, und statt dessen Hinwendung zum "Ohrenschmaus" (oder gar zum praktischen Atheismus-Anm.d.V.) ist, wie wir sahen, ein herausragender Bestandteil und ein nicht zu ignorierender Bestandteil des Lehrgehalts der Paulusbriefe und ihrer darin enthaltenen inspirierten Prophezeiungen.

In einer der eingangs erwähnten Bibeltexte aber (2 Thess 2,1O-12) rückt, wiederum Paulus, das Ganze in das Licht der Heiligkeit und Grechtigkeit Gottes. Die zitierte Stelle ist gewissermaßen der - Gottes Walten sichtbar werden lassende - Überbau zu 2 Tim.3,1-5 u. 4,1-5. Offenbart wird da, was geschieht, wenn in den "letzten Tagen" der Mensch sich dem überläßt, was Paulus in 2 Tim. die "schlimmen Zeiten" nennt, die den geistigen Nährboden bilden für "schlimme Glaubens- und Kirchenkrisen".

Die Schriftstelle 2 Thess. 2,1O-12 lautet: "Denn sie haben die Liebe zur Wahrheit, die sie retten sollte, sich nicht zu eigen gemacht. Deshalb schickt Gott ihnen die wirksame Kraft der Verführung, daß sie der Lüge Glauben schenken. So sollen alle, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern an der Gottlosigkeit ihr Wohlgefallen hatten, dem Gerichte anheimfallen!"  

Und auf welche Zeit könnten diese Drohungen nachhaltiger zutreffen als für die Wende Mittelalter/ Neuzeit, und alle nachfolgenden Erschütterungen innerhalb der Kirche - bis in unsere Tage hinein - einer Zeit, wo der wahre Glaube zuweilen einer eisigen Umklammerung ausgesetzt ist,wie gerade jetzt in der sog. 'postkonziliaren' Ära. Sie kann sich rühmen, daß in ihr die Wege zu all den Krisen, mit denen wir uns auseinandersetzen, evident sind.

Der Hauptweg, als die in die Finsternis einer Krise hineinführende "Via Mala", durchzieht die o.g. Schriftstelle bei Paulus. Sie stellt uns den Menschen vor Augen, der seine Liebe zur "gesunden Lehre", somit im Endeffekt zu den ewig gültigen göttlichen Wahrheiten hat erkalten oder gar erlöschen lassen. Die Zugangswege zur "Via Mala" aber werden beschritten von allen, ob im geistlichen oder im Laienstand, welche - nicht eingedenk der Warnung des Apostels Paulus in Röm. 12,1u.2 - den Menschen von heute ein neues offenbarungs-widriges Gottes-Glaubens- und Kirchenbild in die Seelen pflanzen. Ein Bild, wodurch der heutige Katholik in dem Glauben bestärkt und ermutigt werden soll, der (neu kreierte) Heilige Geist stehe hinter einer zeitgemäßen Heilsbot-schaft, die auf dem Boden eines das christlich-abendländische Denken und Handeln neu prägenden Anthropozentrismus gründen und angesiedelt sein müsse.

Doch scheint man sich dabei der Tatsache zu verschließen, daß der Anthropozentrismus als Heils-dogma all die anderen 'Ismen' entstehen ließ, die im Laufe der Geschichte Glauben und Kirche unterhöhlten, und das heute mehr denn je: unentwegt und kontinuierlich. Und in dieser Beziehung unterscheiden sich z.B.(Neo)Modernismus, Subjektivismus, Relativismus, Historizisrnus, und 'last not least 'der hochgejubelte Ökumenismus wenig voneinander - denn der Schritt zu einem totalen Atheismus bzw.zur Apostasie ist dann sehr klein.

Werden wir in alledem nicht in der Tat Zeugen eines immer dreister hervortretenden satanischen Intrigenspiels? - Dem allerdings die heutige Gesellschaft nichts mehr entgegensetzt, weil sie wegen ihres geistigen Ausgedorrtseins nichts mehr entgegenzusetzen imstande - und auch nicht willens ist. Deshalb würde ein hl. Hieronymus als ein die schläfrige Christenheit herausforderndes Gebot der Stunde "Donnerschläge" fordern gegen die für den Glauben und das kirchliche Leben Verantwort-lichen, die, gleich welchen Standes, den immer lauter und betörender werdenden Aggiornamento-Sirenenklängen erliegen und zum Opfer fallen.

Und wen wundert es, daß vor diesem Hintergrund eine schleichende oder gar schon offene Ent-wertung des katholischen Priestertums mit als kostbarster Schatz der Kirche - durch die Etablierung eines verhängnisvollen Laienmitspracherechts stattfand und ständig extensiviert wird, besonders im deutschsprachigen Raum? Die auf solche Weise zu Funktionären hochgehievten Superlaien ließen sich denn nur allzu bereitwilligst in ein marodes und auswucherndes Rätesystem einbinden - und der Widerspruch zur gottgewollten hierarchischen Kirchenverfassung konnte im Zeichen anthropozen-trierter Umorientierung nicht größer sein.

Das Desaster wird perfekt, bedenkt man, daß vielfältigster Erfahrung gemäß, der Alltag der meisten mitbestimmungsbeflissenen Laien auf einem dünnen, rudimentärem religiösen Fundus gelebt wird - den man vielleicht gerade noch so irgendwie mitgeschleppt hat - jedoch sehr weit entfernt von einem durch die Kraft wahrer Hingabe geprägten unverfälschten Glauben.

Lassen wir das bisher Bedachte an uns vorüberziehen, vermag nur ein permanentes inneres Sichverschließen gegenüber der Leugnung der Offenbarung und ihrer Hinterfragung nicht zu ignorieren, daß hier die Macht des "Menschenmörders seit Anbeginn", des Widersachers, hegemonistisch-konsequent agiert - auf allen Ebenen der Kirche Jesu Christi. Dies ist jedoch für das heutige theo-dezentrierte Verstehen und Begreifen indiskutabel. Doch Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit macht für derartiges Verschlossenbleiben der Herzen das Gericht unausweichlich (2 Thess. 2,10-12).

In einem Buch mit dem Titel "Herrlichkeit der Gnade" von P. Gerhard Hermes, bringt der Verfasser in die Diskussion um die Kirchenkrise in Anlehnung an Röm. 13,12 den "Schlachtruf der Braut des Lammes" zu Gehör, der da lautet:
"Eja, milites Christi, abicite opera tenebrarum et induimini arma lucis" - "Auf denn, Soldaten Christi, werft ab die Werke der Finsternis,legt an die Waffen des Lichts"! (a.a.O., S.43).
Dieser Schlachtruf ertönt heute, mit Blick auf die einzig wahre Kirche Jesu Christi, immer seltener, und er wird wohl bald endgültig verstummen, denn die heutige Krise, wo der Wind, ja ein tobender Sturm der (Felsen)-Kirche ins Gesicht bläst, könnte zu einer weltweit ungeahnten Vernaturalisierung des Menschen führen.

Und da wird ein anderer - satanischer - Schlachtruf unsere Gesellschaft sieghaft durchdringen: die Waffen des Lichts abzulegen, und die Werke der Finsternis vollbringen! Hat das nicht selbst der Apostel Paulus vorausgesehen?

So stellt sich am Ende die bange und immer banger werdende Frage: leuchtet ein Ausweg aus der Krise auf? Man sollte sich nicht in müßigen Spekulationen über die Aussichten für eine Wende ergehen, und auch nicht das sich aufdrängende Problem einer geschichtlichen Determination ins Visier nehmen, sondern sich schlichtweg den Optimismus unseres Priesters zu eigen machen, der in seinem Abschiedsbrief schrieb: "Der Herr verläßt seine Kirche nicht, und wird eingreifen" und (Anm.d.V.) wenn die Zeit nach Gottes Ratschluß gekommen ist, jeden falschen Euphorismus, nicht zuletzt, um die jüngste Zeit anzusprechen, den im Konzil und in der Nachkonzils-Epoche hoch-gezüchteten, in die Ecke des Verdrängens bzw.des Vergessens verbannen, -für ewig und endgültig.

Das wollen wir als kleiner werdende Herde wahrer katholischer Christen auf die Fürsprache der Siegerin in allen Schlachten Gottes, der Himmelskönigin, mit gläubigem Vertrauen erhoffen - im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes. Amen!
 
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