49. Jahrgang Nr. 3 / September 2019
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1. ÜBER DEN KATHOLISCHEN WIDERSTAND
2. LEBEN IN APOKALYPTISCHER ZEIT
3. EIN ERSCHÜTTERNDES SAMISDAT-DOKUMENT
4. Die Wahrheit über die Don-Bosco-Schule der Priesterbruderschaft St. Pius X.
5. OFFENER BRIEF VON MGR. GU…RARD DES LAURIERS
6. BERICHT AUS BRÜSSEL
7. IST MGR. LEFEBVRE EIN GÜLTIG GEWEIHTER BISCHOF?
8. FRONTWECHSEL
9. NOBIS QUOQUE PECCATORIBUS - AUCH UNS SÜNDERN
10. VOM 'RECHTEN' ÖKUMENISMUS
11. MARGINALIEN ZUM LUTHER-JAHR
12. DIE ZERSTÖRUNG DER HL. MESSE IM SOG. 'N.O.M.'
13. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN...
14. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
DIE ZERSTÖRUNG DER HL. MESSE IM SOG. 'N.O.M.'
 
DIE ZERSTÖRUNG DER HL. MESSE IM SOG. 'N.O.M.'


von
Dr. H.B. Visser


Anmerkung der Redaktion:

In den Kreisen des katholischen Widerstandes geht man davon aus, daß die sog. 'neue Messe' ungültig ist. In den ersten Jahren ihres Bestehens hat unsere Zeitschrift im Detail und von mehreren Aspekten her diesen Nachweis erbracht und auch die Konsequenzen für den Widerstand gegen den sog. 'N.O.M.1 Pauls VI. aufgezeigt. Das war vor gut lo Jahren. Inzwischen sind viele zu uns gestoßen, die diese Argumentation nicht kennen unddenen es darum teilweise an theologischer Sicherheit fehlt, diesen Kirchenkampf mit voller Überzeugung mit zu bestreiten. Das Herzstück unseres Einsatz gilt der Bewahrung der hl. Messe - und darum der Abwehr der häretischen Neuerungen. Dies ist heute wiederum aktuell geworden, da von dem 'Pseudo'-Widerständler Lefebvre inzwischen die Liturgie verbindlich in seiner Organisation eingeführt wird, die unter Johannes XIII. entstand und die den wirklichen Verrat am hl. Meßopfer durch sukzessive Veränderungen verkleistern sollte.

Eberhard Heller

***
VORWORT DES AUTORS

Es ist wichtig, kurz anzudeuten, daß die sog. neue 'Meßordnung' nicht akzeptiert werden kann, weil man ihr Häresie vorwirft. Es lohnt sich aber auch, den sog. 'N.O.M.' Stück für Stück zu überprüfen; denn erst dann sieht man, wie schlimm es mit dem sog. 'neuen Ordo' wirklich bestellt ist. Dabei kommen auch scheinbar unbedeutende Punkte zur Sprache. Sind sie so wichtig, daß man auf sie zurückkommt? Sie gehören zu einem Gesamtkonzept, wodurch die hl. Messe zerstört wurde. Wenn man es also für wichtig ansah, auch Details zu ändern, ist das für uns Anlaß genug, darauf einzugehen.

Was wir hier vorlegen, ist eigentlich eine Zusammenfassung einer längeren Studie in holländischer Sprache, wovon auch eine deutsche Übersetzung vorliegt. Viele Punkte sind darin ausführlicher behandelt worden. (Im Anschluß an diesen Überblick hat die Redaktion die Absicht, zwei Kapitel dieser ausführlicheren Darstellung folgen zu lassen - über die Änderung des Offertoriums und des Kanons.) Die Studie kann auch bei mir bestellt werden.

H.B. Visser
Plantynstr. 2o
NL - 2321 - JC Leiden


Benützte Abkürzungen:

IG: Institutio generalis missalis romani
NOM: Novus Ordo Missae
Instr.: Instructio
AK: Apostolische Konstitution
CL: Konstitution über die Liturgie
AAS: Acta Apostolicae Sedis
Not.: Notitiae
Vorwort der IG: Veränderte Ausgabe, der IG vorangestellt


INHALTSANGABE

1. Für die neue 'Liturgie' sind neue Regeln formuliert werden, welche eine ganze Reihe verfälschter Bestimmungen enthalten.

2. Die frühere Vormesse ist verändert worden.

3. Das Offertorium ist abgeschafft worden.

4. Die Präfation hat schwer gelitten.

5. Der Kanon ist verändert bzw. verdrängt worden.

6. Es sind sog. 'Eucharistische Gebete' eingeführt worden.

7. Die Wandlung wurde abgeschafft.

8. Der letzte Teil der Liturgie ist willkürlich durcheinander gebracht worden.

9. Das Latein als Kirchen- und liturgische Sprache ist abgeschafft worden.

10. Die Priesterkleidung ist in Mißkredit gebracht.

11. Zerstörerische Veränderung des Altars.

12. Auflösung des Kirchengebäudes.

13. Abschaffung des Weihepriestertums und Schlußberaerkungen.


I. FÜR DIE NEUE 'LITURGIE' SIND NEUE REGELN FORMULIERT WORDEN, WELCHE EINE GANZE REIHE VERFÄLSCHTER BESTIMMUNGEN ENTHALTEN.

- Regeln gab es früher auch, die in dem von Pius V. kodifizierten Meßbuch enthalten waren. Diese sind nicht revidiert, sondern durch neue ersetzt worden: die IG. So entsteht, was nicht sein darf, eine neue 'Messe'. Über dies enthalten diese neuen Regeln falsche theologische Bestimmungen, von denen hier einige angeführt werden:

- Man unterscheidet nunmehr zwei Teile: den 'Wortgottesdienst' und die 'Liturgie der Eucharistie'. Damit ist die Einheit aufgehoben, die wir früher in der hl. Messe kannten. So kann man nun Anschläge an den reform-'katholischen' Kirchen lesen: getrennte 'Dienstangebote'.

- Diese Bezeichnungen wären für die entsprechenden Teile der hl. Messe unbrauchbar. Durch die erste würde unterschlagen, daß das Gloria, das Credo und die übrigen Gebete in sich selbständigen Charakters sind. Durch die zweite würde dem Opfergedanken nicht gerecht werden: 'Mahl des Herrn'. Es wird durch diese Zweiteilung und die Bezeichnung der beiden Teile schon klar, daß im 'N.O.M.' etwas anderes intendiert ist als in der hl. Messe.

- Was dem Wortgottesdienst vorangeht, wird als "Einführung" bezeichnet. Dieser Terminus ist unsachgemäß, da z.B. das Gloria ein selbständiges Moment ist.

- Beim 'N.O.M.' setzt man die Heiligung des Volkes (?) an erste, die Anbetung Gottes (?) an zweite Stelle. (Vgl. IG 1) Umgekehrt wäre es richtig.

- Der Opfergedanke wird verdrängt. Dafür wird der Mahlcharakter im 'N.O.M.' betont. Aber: eine hl. Messe ist keine Mahlzeit, auch keine mystische bzw. pseudomystische!

- Die IG 2 spricht vom Sakrament von Christi Leiden und 'Auferstehung*. In der hl. Messe wird aber nur Christi Opfertod sakramental erneuert, nicht seine Auferstehung.

- IG 2 sagt, daß das "letzte Abendmahl" gegenwärtig gesetzt wird. Was in der hl. Messe gegenwärtig gesetzt wird, ist jedoch Christi Opfer.

- Die AK sacrosct. 6 besagt, daß "der Triumph" von Christi Tod vergegenwärtigt wird. Was in der Messe gegenwärtig gesetzt wird, ist Christi unblutiger Opfertod in aller Schmerzlichkeit und Verdemütigung.

- Durch die Wandlung wird das Mysterium der wirklichen Gegenwart "ausgesprochen". Nein, nicht "ausgesprochen", sondern verwirklicht wird das Mysterium. (N.B. man spricht im Zusammenhang dessen, was im 'N.O.M.' noch als'Wandlung' bezeichnet, häufig auch schon von "Einsetzungsbericht", selbst sogar in sog. 'approbierten' Büchern, d.h. man denkt gar nicht mehr daran, daß der Priester wandelt.)

- "Christus wird auch durch die Ehrfurchtsbezeugung der Gläubigen gegenwärtig" gesetzt. (Vorwort 3). Hier wird eine offenkundige Irrlehre vertreten, die bereits formell durch die Kirche verurteilt worden war, nachdem sie bereits auf der Synode von Pistoia verbreitet worden war.

- "Es gibt zwei Tische, den für Gottes Wort, und den für Christi Leib". (IG 2). Für die hl. Messe ist ein Altar, d.h. ein Opferstein nötig.

- "Diese Tische dienen zur Unterrichtung bzw. zur Nahrung". (IG 8) - Sie sagen, was sie meinen, die Reformer. Man bleibt damit weit hinter den Auffassungen des Reformers Luther zurück, hinsichtlich einer Minimalisierung des theologischen Gehaltes.

- Man spricht vom "Ostermahl" (IG 56). Wie bereits gesagt: die hl. Messe ist zuallererst ein Opfer.

- "Ostermahl" - dieser Terminus kommt häufiger vor, ist aber unrichtig. Andererseits redet man vom "Abendmahl"???

- "Die hl. Messe - gemeint: der 'N.O.M.1 - hat von Natur aus Gemeinschaftscharakter" (IG 14). Antwort: Nein. Der Vollzug des Opfer benötigt keine Gemeinde als Mitvollziehende.

- "Akklamationen sind notwendig" (IG 15). Nein, sie sind im Mitvollzug nicht notwendig.

- Die stille heilige 'Messe' ist erledigt.

- Die IG 75 besagt, daß der Besuch der Sonntagsmesse "hochgeschätzt" werden soll. Unter normalen Umständen ist der Besuch der Sonntagsmesse zur Pflicht gemacht (unter Sünde).

- Hochämter sind nicht mehr vorgesehen (IG 77). Damit wird die Ehre und das Lob Gottes geschmälert.

- Man will nur noch "Eucharistiefeiern mit Gesang" (IG 19). Der sakrale Gesang wird damit unterbunden.

- Das Alleluja mit Vers entfällt, ebenso die Offertoriumsantiphonen.

- Bei einer Zelebration außerhalb der Kirche wird kein Altarstein mehr vorgeschrieben, sondern nur ein Tisch (zur Mahlzeitgestaltung).

- Die Bischofskonferenzen dürfen nahezu alles im 'N.O.M.' modifizieren. (IG 6) So hat jede Diözese, jede Gemeinde ihre eigene 'Liturgie'. Darüber war Paul VI. höchst erfreut.

- Man legt eine 'Meß'auffassung zu Grunde, die durchaus häretisch ist. Die erste Fassung der IG 7 lautete: "Das Herrenmahl oder die hl. Messe ist eine Zusammenkunft des Gottesvolkes unter dem Vorsitz des Priesters, um das Gedächtnis des Herrn zu feiern. Darum gilt das Versprechen Christi: 'Wo zwei oder drei in Meinem Namen versammelt sind, da bin Ich mitten unter ihnen', ganz besonders für diese örtliche Zusammenkunft der hl. Kirche". - Hier wird suggeriert, daß "Herrenmahl" und "Messe" identisch gesetzt werden können. Die hl. Messe ist keine Zusammenkunft des Gottesvolkes. Der Priester ist nicht Vorsitzender. Die hl. Messe ist auch keine "Zusammenkunft", ebenso wenig bezieht sich das Versprechen Christi "wo zwei oder drei..." auf den Vollzug des Mepofers. Christus wird auf eine ganz andere Art im Meßopfer vergegenwärtigt als durch das Zusammenkommen von Gemeindemitgliedern. Die Wandlung wird erst gar nicht erwähnt .-Man hat an dieser IG 7 später Korrekturen vorgenommen, die aber auch keine inhaltliche Veränderung brachte. Außerdem war zu diesem Zeitpunkt der 'N.O.M.' schon abgeschlossen. An ihm wurden keine Änderungen vorgenommen. Auch hat man bestätigt (Vorwort), daß die Veränderungen unerheblich seien. Auf dieser IG 7 kann man keine Meßliturgie aufbauen!!

- Es gibt keine Vorschriften, wie im Falle von Fehlern bzw. Beieinträchtigungen während der Liturgie zu verfahren ist. Das hl. Messformular kennt neben den Vorschriften für den Gottesdienst auch die Regelungen "de defectibus" - für den Fall, daß während der hl. Messe Fehler unterlaufen, welche behoben werden müssen.

- Auch die revid. Fassung der IG 7 kenntunannehmbare Begriffe: Realis praesentia (wirkliche Gegenwart) wird als Terminus für die Gegenwart Christi u.a. in der Person des Priesters verwendet. "Realis präsentia" (Realgegenwart) ist ein fester Begriff für die Anwesenheit Christi nach der hl. Wandlung.

- IG 7 besagt auch, daß das Volk zelebriert: Nun ja, besser kann man es nicht formulieren, daß man das Priestertum abzuschaffen gedenkt; denn zelebrieren kann nur der Priester.


2. DIE FRÜHERE VORMESSE IST VERÄNDERT WORDEN.

- Nach dem neuen Formular fällt die spezielle Vorbereitung für den Priester vor der Feier der Liturgie weg. Die Folge ist, daß sich auch die Gläubigen nicht mehr vorbereiten.

- Der Priester verrichtet keine, früher zur Vorbereitung gehörenden liturgischen Handlungen in der Sakristei mehr: die Handwaschung mit Gebet entfällt, ebenso die Gebete beim Anlegen der Paramente, die Verbeugung vor dem Kreuz etc.

- Nach dem Einzug des Priesters in die Kirche setzen sich die Gläubigen. Sie benehmen sich wie Protestanten: sie warten auf die "Einführung", schauen umher und plaudern mit den Nachbarn.

- Wenn die Gläubigen beisammen sind, fängt die 'Messe' an. (IG 62) Für den Beginn der hl. Messe war früher ein bestimmter Zeitpunkt angesetzt, zu dem die Gläubigen anwesend sein sollten.

- Beim Eintritt in die Kirche trägt der Priester nicht mehr wie früher den vorbereiteten Kelch zum Altar. Er kommt herein wie ein protestantischer Religionsdiener, dem der Ministrant das Evangelienbuch hinterherträgt, was die Erinnerung an protestantische Gottesdienste noch verstärkt.

- Die Vorschriften, wie sich der Priester zu verhalten hat, für die Haltung der Hände,Beine, der Augen fehlen. Heute kann er beim Eintritt umherschauen, hastig schreiten etc.

- "Wenn der Priester eintritt, stehen alle auf" (IG 21).

- "Während der Liturgie wird fast ausnahmslos gestanden" oder gesessen. (IG 21)

- Das Knien wurde praktisch abgeschafft. - Das ist folgerichtig, denn vor wem sollte man niederknien? An die Realpräsenz glaubt niemand mehr, und zum anderen gibt es sie real in den sog. 'N.O.M.' nicht mehr!

- Die Staffelgebete sind abgeschafft worden.

- Die Gebete beim Emporsteigen der Altarstufen fallen weg. In diesen Gebeten trat so ausdrucksvoll die Einheit zwischen Altem und Neuen Testament hervor: das Eintreten des Hohen Priesters ins Allerheilige hat sich in Christus erfüllt, wie in Hebr. 9 dargelegt wird. Und in der hl. Messe wirde es noch täglich fortgesetzt.

- Beim Altar angekommen, macht der Priester eine tiefe Verbeugung; wenn ein Tabernakel da ist, eine Kniebeuge. (IG 84) Reduzierung der Ehrfurcht.

- Der Altarkuß ist nicht mehr obligatorisch, er kann unterbleiben (IG 232). Dadurch wird die Verehrung der Reliquien bzw. der Heiligen reduziert. Der Priester steht bei der Liturgie nicht mehr in Gemeinschaft mit ihnen und den Märtyrern.

- Die früheren Gebete sind weggefallen.

- Es gibt keine Rubriken mehr für die Haltung der Hände bzw. die Stellung am Altar.

- Die Verwendung des Weihrauches ist stark eingeschränkt worden. Das Weihrauchfaß wird, wenn überhaupt, ohne die früher üblichen Begleitgebete bereitet. Auch die Gebete beim Inzensieren sind weggefallen. Es gibt keine Vorschriften mehr, wie Altar und Personen zu inzensieren sind. Der Weihrauch darf beliebig verwandt werden, also: ein sog. 'Hochamt' ohne, eine Werktags'messe' mit Weihrauch.

- Auch das "Asperges" kann je nach Laune gesungen bzw. gebetet werden oder nicht. Wenn überhaupt, wird es jetzt innerhalb der 'Liturgie' gebetet. Selbst die Weihe das Wasser ist mit in die 'Liturgiefeier' hineingeholt worden. Eine solche Handlung bietet heute nur einen Anlaß zum Reden, und nicht zum Beten. Bei der Wasserweihe entfällt der Exorzismus.

- Der Priester trägt kein Pluviale, sondern eine Kasel oder sonst irgend ein Gewand. Asperges und Beweihräucherung folgen unmittelbar hintereinander. Das Asperges ist im 'NOM' nicht einmal mehr angeführt, wohl die Beweihräucherung. Das hat den Effekt, daß das Asperges in Vergessenheit gerät.

- "Der Priester steht nunmehr dem Volke zugewandt". (IG 262) Seine eigentliche Stellung wäre die, daß er sich als Mittler zwischen Gott und dem Volk Gott zuwendet. Da es aber keinen Tabernakel, keine Präsenz Gottes mehr gibt, bzw. das Volk oder die Gemeinde zum Mittelpunkt des Geschehens geworden ist, ist diese Stellung versus populum nur folgerichtig in dieser 'Liturgie'. Durch die Stellung des Priesters bekommt die Gemeinde eine Ein-Mann-Schau geboten. Die Ausrichtung des Kirchengebäudes auf den Tabernakel wird dadurch ad absurdum geführt.

- Der Priester 'zelebriert' nun auf der Hinterseite des Altars. Die IG 262 spricht sogar vom "Vorwärtsschieben" des Altars. Ein sonderbares Schauspiel! Wie wenn einer ein Buch umgekehrt läse! Das ist eine teufliche Verspottung einer einst heiligen Handlung.

- Jetzt erfolgt die offizielle Begrüßung des Volkes.(IG 86) Eine solche Begrüßung gehört vielleicht zu einer Versammlung (eines Fußballvereines), aber nicht zu dem, auf was noch Anspruch erhoben wird, auf die Feier der heiligsten Geheimnisse.

- Beim Segensgruß breitet der Priester die Hände über das Volk aus (IG 86). So machen es auch die protestantischen Religionsdiener, die aber davon abkommen. Der gleiche Gestus beim "Dominus vobiscum". Damit wird das ganze zu einem karikaturistischen Auftritt.

- Die nun folgende Formel hat man von den Protestanten übernommen, die sie aber passenderweise am Ende ihrer Zeremonie verwenden.

- Nun beginnt die Einführung in die 'Liturgiefeier': ein kurzes Wort dazu, und das Reden beginnt. Dieses Wort wird im Stehen vernommen, als ob es schon das Evangelium wäre! Wenn der Priester den Introitus rezitiert, tut er das nach dem Kreuzzeichen und der Begrüßung (IG 26).

- Nach der Begrüßung folgt das Confiteor. Dieses ist nicht mehr der Messe vorangestellt. Das Bekenntnis selbst ist schwer verstümmelt worden. Maria und die Heiligen sind aus dem ersten Teil gestrichen worden. Die Sünden werden nicht mehr dem Priester bekannt.

- Die Absolution fehlt. Man schlägt sich nur einmal an die Brust. Selbst dieses 'Confiteor' kann noch durch andere Formeln ersetzt werden. Der Priester kann sogar selbst ein Schuldbekenntnis nach eigenem Geschmack vortragen.

- Die Oratio ist auf ein Gebet beschränkt. (IG 32). Damit wird der Gebetsteil in der 'Liturgie' beschränkt. Die Verehrung der hl. Dreifaltigkeit ist ebenfalls in den Gebeten reduziert worden.

- Vom Beginn des sog. 'Wortgottesdienstes' bis zu seinem Ende sitzt der Priester in einem Sessel oder steht am Ambo. Damit wird auf der einen Seite die Trennung zwischen den beiden Teilen der 'Liturgie' betont, zum andern die neue Bewertung des Priestertums demonstriert: als Gemeindevorsteher bzw. als Vorsitzender.

- Die Begrüßung des Altares und die etwaige Beweihräucherung zu Beginn sind praktisch unlogisch, denn erst nachher wird der Altar bereitet. Confiteor (oder das, was davon übrig geblieben ist) und Kyrie folgen unmittelbar hintereinander.

- Das Kyrie ist ebenfalls verstümmelt worden. Die Strophen werden nicht mehr drei-, sondern nur noch zweimal gebetet. Es wird übrigens nicht mehr vom Priester und der Gemeinde bzw. Meßdiener im Wechsel gebetet, sondern nur von der Gemeinde. Mit der Reduzierung auf zweimaliges Beten jeder Strophe wird übrigens die Zahlenmystik, die sich in der dreimaligen Wiederholung spiegelt, zerstört.

- Das Gloria ist ebenfalls der Gemeinde zum Beten auferlegt, und nicht mehr dem Priester.


(Fortsetzung folgt)
 
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