51. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2021
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Eberhard Heller: Besuch aus Mexiko


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Nachruf auf P. Adler/Nachrichten


Ausgabe Nr. 9 Monat November 2004
Vier neue mexikanische Priester


Ausgabe Nr. 3 Monat April 2004
L’ERREUR FONDAMENTALE DE VATICAN II


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2003
Surrexit Christus, spes mea


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2003
La silla apostólica ocupada


Ausgabe Nr. 8 Monat October 2003
L’Eglise Catholique-Romaine de la diaspora


Ausgabe Nr. 8 Monat October 2003
A propos de la situation actuelle de l’Eglise (fr.)


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The Apostolic See Occupied


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Christus ist auferstanden und dem Simon erschienen


Ausgabe Nr. 2 Monat Mars 2002
Le Seigneur est ressuscité et il est apparu à Simon (fr/eng/spa)


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Der Apostolische Stuhl


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Offener Brief an H.H. Prof. Dr. August Groß und Abbé Seraphim


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Mèditation pour le temps de noël


Ausgabe Nr. 8 Monat December 2002
Le Siège apostolique < occupé >


Ausgabe Nr. 8 Monat December 2002
La consécration épiscopale du P. Guérard des Lauriers


Ausgabe Nr. 8 Monat December 2002
La sede apostolica


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Ausgabe Nr. 7 Monat Diciembre 2001
A la recherche de l'unité perdue


Ausgabe Nr. 7 Monat Diciembre 2001
COMMUNICATION DE LA REDACTION (fr./engl/espa/ital)


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Christus erstand, Er, mein Hoffen


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Den Wiederaufbau im Visier


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MITTEILUNGEN DER REDAKTION


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Über die Geheimnisse des Lebens Jesu Christi


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Vom katholischen Priestertum heute


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In memoriam


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In memoriam Frau Irmgard Staude


Der Apostolische Stuhl
 
Der 'besetzte' Apostolische Stuhl
oder: die Schizophrenie als Prinzip der Theologie

- Anmerkungen zur des-Lauriers'schen These vom
"Papa materialiter, non formaliter" -


von
Eberhard Heller

Nicht was Sie denken!

Eine neue Papstwahl fand nicht statt. Gott sei Dank! werden viele denken. Wir haben schon zu viele 'Heilige Väter': Bawden, Linus II., Gregor (Palmar) etc.

Andererseits ist es auch nicht nötig, denn Johannes Paul II. hält diesen Stuhl immer noch besetzt. Das sagen nicht nur die Modernisten und Reformer, nicht nur die Econer und die Mitglieder der Petrusbruderschaft, nein, auch die des-Lauriersisten, die sich in Oberitalien und in den USA festgesetzt haben, sind dieser Ansicht... im Gegensatz zu uns Sedisvakantisten. Auf einen Nenner gebracht ist diese Einsicht das Resultat einer erneuten kurzen Auseinandersetzung mit einer Gruppe im kirchlichen Widerstand, von der ich annahm, sie beharre nur noch aus Gründen der Pietät gegenüber ihrem einstigen theologischen Mentor Des Lauriers auf der abwegigen These vom "Papa materialiter, non formaliter". Doch weit gefehlt! Die Virulenz dieser These, die das Fundament für ein ganzes theologisches System bildet, welches für ihre Anhänger noch bedeutender ist als das Depositum fidei, ist bei der Gruppe um Abbé Ricossa ungebrochen. Unlängst wurde sogar die Konsekration von Abbé Stuyver/Belgien am 16. Januar dieses Jahres durch Bischof McKenna damit begründet, daß er Anhänger dieser These sei. Wir haben also neuerdings einen sog. 'Thesen'-Bischof, zu dem sich im Juni ein zweiter gesellt hat, nämlich Abbé Sanborn aus den USA. Die Konsekration von Bischöfen damit zu begründen, daß sie einem bestimmten Theorem anhängen, dürfte theologisch und kirchen-geschichtlich gesehen einen ziemlich singulären Vorgang markieren.

Einleitung oder Totgeglaubte leben länger

Am 17.12.2001 hatte ich Abbé Ricossa noch geschrieben: "Sie wollen Abbé Stuyver konsekrieren lassen, weil er die des-Laurierssche These vom 'Papa materialiter, non formaliter' vertritt, die im Gegensatz zu dem Feststellungsurteil steht, das S.E. Mgr. Ngô-dinh-Thuc in seiner bekannten DECLARATIO von 1982 getroffen hat, wonach der Römische Stuhl vakant ist. Wie Ihnen bekannt sein dürfte, hat der Urheber dieser These, Mgr. Guérard des Lauriers, sie am Ende seines Lebens mehr oder weniger revidiert (vgl. dazu den entsprechenden Brief in den SAKA-Informationen vom Mai 1988). Trotz dieser Revision insistieren Sie und Ihre Gemeinschaft weiter auf ihr, ohne dieses Beharren meines Wissens theologisch begründet zu haben."

Im Zusammenhang mit der Konsekration von Abbé Stuyver, die auf Betreiben von Abbé Ricossa, einem Ex-Econer, zustande kam - gegen viele Proteste von Priestern aus Frankreich und Belgien, denen ich mich angeschlossen hatte, und gegen die inständige Bitte vieler Gemeindemitglieder, die zur Verhinderung der Konsekration eigens eine Novene gebetet hatten (im Wissen darum, daß ihr Priester für dieses Amt ungeeignet sei) -, zeigte sich, mit welcher Hartnäckigkeit die Mitglieder der Gemeinschaft "Mater boni consilii" (Mutter des guten Rates) in Verrua di Savoia/Italien an diesem theologischen Kadaver noch hängen. Dabei hatte es zunächst den Anschein, als ob auch Abbé Ricossa dieser These nur aus Pietät anhänge, da er doch im religiösen Alltag eng mit sedisvakan-tistischen Priestern zusammenarbeitete wie Bischof Dolan, Abbé Barbara und Pfr. Schoonbroodt, der im dortigen Institut häufiger Exerzitien abgehalten hatte. Diesem gegenüber hatte er erklärt, er würde sich von dieser These distanzieren, wenn er eine bessere Erklärung gefunden habe, um den jetztigen Zustand der Kirche zu interpretieren. Das war ein Irrtum! Totgeglaubte leben meistens länger... leider.

Trotz vieler Einwände und Widerlegungen der These vom "Papa materialiter, non formaliter" - ich denke da besonders an die akribischen Abhandlungen von Myra Davidoglu/Frankreich in der Zeitschrift LA VOIE, aber auch an die Argumente in der EINSICHT - haben sich die Schüler von Mgr. des Lauriers, insbesondere Abbé Ricossa, auf eine wirkliche Auseinandersetzung bisher nicht ein-gelassen. Sie nehmen es weiterhin in Kauf, daß durch das Insistieren auf einer haltlosen Position unser aller Anstrengungen für eine Restitution der Kirche weiter empfindlich gelähmt werden.

Da Abbé Ricossa, in dem ich den Hauptverantwortlichen für diese Unternehmungen sehe, auf mei-nen Vorschlag, die Dignität der These vom "Papa materialiter, non formaliter" erneut auf den Prüfstand zu stellen, um entweder zu einer gemeinsamen Position zu gelangen oder aber sich wegen unüberwindlicher theologischer Differenzen zu trennen, bisher nicht reagiert hat, sehe ich meinerseits nur die Möglichkeit, die Argumente gegen diese These erneut vorzustellen... in der Hoffnung, damit zu einer endgültigen Klärung der Geister und zu einer Entscheidung in dieser wichtigen Frage beizutragen.

Dieser systematischen Darstellung lasse ich eine Schilderung der Umstände folgen, unter denen P. Guérard des Lauriers 1981 zum Bischof geweiht wurde.

„Papa materialiter, non formaliter“ - was besagt diese Formel?

Was bedeutet nun die Formel „Papa materialiter, non formaliter“, mit der Bischof Guérard des Lauriers den Glaubens- und Kirchenstatus Johannes Pauls II. zu interpretieren versuchte, wobei des Lauriers den aus seiner Sicht rechtmäßigen Inhaber des päpstlichen Thrones im Konflikt sieht, den Glauben seinem Auftrag gemäß zu schützen.

Nach des Lauriers Auffassung, die er in der Zeitschrift CASSICIACUM publizierte, wurde Mgr. Wojtyla rechtmäßig zum Papst gewählt - von einer pars minior und sanior, d.s. ca. 10 Kardinäle, die noch von Pius XII. berufen worden waren -, weshalb er „Papa materialiter“ ist. Da er aber als Papst gewohnheitsmäßig die Häresie vertritt - was er als oberster Lehrer nicht dürfte! - ist er nicht Papst in formeller Hinsicht: „Papa non formaliter“, d.i. weil er nicht wie ein Papst handelt. Aber er bleibt „Papa materialiter“, das meint: er bleibt gleichsam ein potentieller Papst. Wenn er nämlich in Angelegenheiten des Glaubens und der Sitte als oberster Lehrer und Hirte wieder orthodoxe Lehren verkünden würde, wäre Johannes Paul II. wieder Papa „materialiter“ als auch „formaliter“; für alle verständlich ausgedrückt: er wird/ist wieder ein ganz normaler Papst.

In den SAKA-INFORMATIONEN vom Januar 1984 schreibt Bischof Guérard des Lauriers: "Zur Zeit ist die streitende Kirche 'besetzt' und in einem Verlustzustand (mise en état de privation). W. [d.i. Mgr. Wojtyla] ordnungsgemäss gewählt (ich lasse es gelten bis zum sicheren Gegenbeweis) von einem Konklave, das etwa aus zehn authentischen Kardinälen bestand (die gegen die Wahl nicht protestiert haben), nimmt also den päpstlichen Stuhl in Besitz; so ist er 'materialiter (gemäss äusseren rechtlichen Gegebenheiten) Papst. Neben anderen Pflichtverletzungen vertritt W. [Mgr. Wojtyla] gewohnheitsmäßig die Häresie. Es ist offensichtlich, daß W. dem 'Gemeingut' Schaden zufügt, das in der streitenden Kirche von dieser Stelle eigentlich gefördert werden müsse. Somit ist W., auf Grund des Naturrechts, metaphysisch und juristisch unfähig, die Autorität ausszuüben. Kraft des Naturrechts, das letztlich von Gott selbst stammt, hat W. nicht die faktische Autorität. Er ist und kann nicht 'formaliter' (im eigentlichen inneren Sinne) Papst sein. Man darf ihm nicht gehorchen, denn seine Pseudo-Anordnungen sind nichtig." - Ich merke nur an, daß Bischof Guérard des Lauriers seine These durch die Anknüpfung an die Voraussetzung der ordnungsgemäßen Wahl von Wojtyla eigentlich nur als Hypothese hätte präsentieren dürfen.

Dieser Diktion folgt auch die Selbstdarstellung des Institutes "Mater boni consilii", der auch Ricossa angehört: "Ein jeder kann feststellen, wie die Kirche leider von Stürmen heimgesucht wird, wie sie vom Herrn prophezeit worden sind, in ihrer fast zweitausendjährigen Geschichte wohl die schlimmsten. Im Institut ist man der Meinung, daß der Ursprung von alledem im zweiten Vatikanum zu suchen ist. Da wurde nämlich die neue Lehre von der Kollegialität der Bischöfe, der Religionsfreiheit, des Ökumenismus und der Zugehörigkeit der Nicht-Katholiken zum mystischen Leib Jesu Christi, die neue Lehre über die nicht-christlichen Religionen und besonders das Judentum, die Beziehung zwischen Kirche und der Welt von heute gebracht, die aber genau mit dem Lehramt der Kirche, so vieler Päpste und ökumenischer Konzilien im Widerspruch stehen. Die Liturgiereform, besonders der heiligen Messe und des Kirchenrechts ist schädlich für die Seelen, fördert die protestantische Irrlehre und läßt zu, was auf grund göttlichen Rechtes verboten ist (wie z.B. gottesdienstliche Handlungen in Gemeinschaft mit Häretikern). Das kann nicht von der katholischen Kirche stammen, welche doch vom Heiligen Geist und vom rechtmäßigen, unfehlbaren Nachfolger des heiligen Petrus geleitet wird. Inmitten dieser beispiellosen Krise, die notwendigerweise alle mitreißt, die die Konzilsdokumente und die daraus hervorgehenden Reformen gutgeheißen haben, kann das Institut die neuen Lehren, die gegen Glaube und Sitten sind, nicht annehmen, kann aber auch nicht die Gläubigen zum Ungehorsam gegen die rechtmäßige Autorität der Kirche aufwiegeln. Deshalb vertritt das Institut die sogenannte These von Cassiciacum (diese Bezeichnung stammt aus der theologischen Zeitschrift, wo diese These zum ersten Mal dargelegt wurde). Diese These wurde aufgestellt von P. Guérard des Lauriers, selig, Mitglied der päpstlichen Akademie des heiligen Thomas, ehemaliger Professor an der Päpstlichen Lateranuniversität und in le Saulchoir (Frankreich). Laut dieser These besitzen Paul VI. und seine Nachfolger nicht die päpstliche Autorität, obwohl sie rechtmäßig gewählt worden sind. Gemäß den Kategorien der Scholastik und gemäß Kardinal Kajetan, dem großen Thomaserklärer des 16. Jahrhunderts und dem gelehrten Robert Bellarmin, der diesen Unterschied wieder aufgriff, sind sie nur materialiter, nicht aber formaliter 'Päpste'. Da sie das Wohl der Kirche nicht verwirklichen und in der Lehre Irrtümer und Irrlehrern verbreiten, erhalten sie von Christus keinerlei Gewalt, um die Gläubigen zu regieren, zu lehren und zu heiligen, solange sie diese Irrtümer nicht widerrufen." (Abzufragen bei dem "Istituto Mater Boni Consilii", Località Carbignano 36, I - 10020 Verrua Savoia - Tel: 0161/ 839335 - Fax: 0161/ 839334. e-mail: sodalitium@plion.it, über die Homepage: www.plion.it/sodali.)

Trotz der oben aufgeführten Behauptung, Mgr. Wojtyla würde "in der Lehre Irrtümer und Irrlehrern verbreiten", weist der theologische Kopf des Institutes, Abbé Ricossa, den Vorwurf zurück, Johannes Paul II. sei "formeller" Häretiker. Im Klartext meint Ricossa, Mgr. Wojtyla sei sich nicht im klaren darüber, was er sagt!... als angeblicher oberster Lehrer! Diese Auffassung bei Ricossa ist um so unverständlicher, als er bei seinem Weggang von Econe diesen Schritt mit einer Erklärung begründet hatte, worin er - zusammen mit drei weiteren Patres (Munari, Nitoglia und Murro) - die Irrtümer Econes hinsichtlich der Autorität des Papstes und des Lehramtes verurteilt. 1)

Da Wojtyla „Papa materialiter“ geblieben ist - trotz seiner notorischen Häresie (ein amerikanischer Autor listet allein 101 Häresien von Johannes Paul II. auf!!) - ich ergänze: trotz seiner Apostasie -, kann man nicht sagen, der apostolische Stuhl sei unbesetzt (konsequenterweise führte das Institut "Mater boni consilii" das Wappen von Johannes Paul II. in seiner früheren Website). Er ist nur nicht „aktiv“ Papst hinsichtlich der von ihm erwarteten Erfüllung seiner Aufgaben. Darum können Ricossa und seine Anhänger - um diese Sentenz zu wiederholen -  "die Gläubigen nicht zum Ungehorsam gegen die rechtmäßige Autorität der Kirche [gemeint: Mgr. Wojtyla] aufwiegeln."

Vereinfacht läßt sich die These vom „Papa materialiter, non formaliter“ auf die einfache Formel bringen: Johannes Paul II. wurde rechtmäßig zum Papst gewählt. Er bleibt es, auch wenn er u.a. „gewohnheitsmäßig die Häresie vertritt“. Nur darf man diesen häretischen Anordnungen nicht gehorchen. Wenn Johannes Paul II. wieder die Lehre der Kirche vertritt, ist er wieder in vollem Umfang Papst. Man muß nur auf seine Bekehrung warten.

Diese Position läßt sich mehrfach hinterfragen:
1. Entspricht sie der von der Kirche bisher entwickelten Argumentation zum Problem des "Papa haereticus"?
2. Wurde Johannes Paul II. in der Tat rechtmäßig gewählt?
3. Kann ein Häretiker überhaupt Papst sein bzw. bleiben?
4. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den beabsichtigten Wiederaufbau der Kirche?

1. Eine neue theologische Kreation

Zunächst scheint die These vom „Papa materialiter, non formaliter“ recht plausibel zu klingen: ein Papst als oberster Lehrer der Kirche kann nicht zugleich der Verkünder von Häresien sein. Und wenn er es doch tut, dann darf man ihm nicht gehorchen... solange nicht, bis er wieder zur Orthodoxie zurückkehrt; er bleibt aber potentieller Papst, denn er wurde ja gewählt!

Ich habe im Laufe der Jahre mit gesteigerter Verwunderung erfahren, daß sich die meisten Kleriker und Gläubigen recht schwer tun mit der Vorstellung, ein Papst könne in Häresie fallen ("papa haereticus"). Der Papst (oder 'Papst') ist in den Augen vieler eine "uneinnehmbare Festung", und man hat kaum Erfolg, sie zu schleifen. Ich meine dabei nicht nur die breite Öffentlichkeit, in deren Meinungsbildung sich auch die modernistischen Katholiken eingegliedert haben - man beobachte nur die unkritische, teilweise schwärmerische Verehrung von Mgr. Wojtyla, dem sogar die liberale Presse zujubelt 2)-, sondern auch viele traditionalistische Kleriker und Laien. Hatte nicht Christus selbst dem Petrus verheißen: "Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felesen will ich meine Kirche bauen." (Matth. 16, 18)  Auf dem I. Vatikanischen Konzil wurde zudem die Unfehlbarkeit des Papstes als verbindliches Dogman verkündet:

"Wenn der Römische Bischof ex cathedra spricht, d.h. wenn er, seines Amtes als Hirt und Lehrer aller Christen waltend, in höchster apostolischer Amtsgewalt endgültig entscheidet, eine Lehre über Glauben oder Sitten sei von der ganzen Kirche festzuhalten, so besitzt er aufgrund des göttlichen Beistands, der ihm in der Person des hl. Petrus verheißen ist, jene Unfehlbarkeit, mit welcher der göttliche Erlöser seine Kirche bei endgültigen Entscheidungen in Glaubens- und Sittenlehren  ausgestattet haben wollte. Diese endgültigen Entscheidungen des römischen Bischofs sind daher aus sich und nicht aufgrund der Zustimmung der Kirche unabänderlich." (Denz 1839)

Es durfte einfach nicht sein, was nicht sein sollte! Daß nämlich ein Papst Häretiker werden kann! Wenn darum früher im Zusammenhang mit der Person Pauls VI. von Häresie und Schisma gesprochen wurde - ich denke da an die subtilen Abhandlungen des Abbé de Nantes, u.a. an sein "Liber accusationis" oder die Analysen in seiner Zeitschrift CRC -, wurde auf legalistische, ja 'mystische' Weise kundgetan, daß der Papst Papst bleibe, auch als möglicher oder wirklicher Häretiker. Schließlich gab es noch den theologischen Trick mit dem Häretiker, der aber kein "formeller" war. Oft suchte man nach Gründen, um zu belegen, daß Montini eigentlich nie Papst geworden sei. Herr Dr. Gliwitzky hatte diese Haltung einmal recht treffend so bezeichnet: "Der langgewohnte Verzicht darauf, den Glauben zur Einsicht zu bringen, ist eine der tiefsten Wurzeln der sogenannten Krise, in der wir stehen. Unsere ganze Anstrengung muß daher unter Beachtung der Zeichen darauf ausgehen, das Wissen darüber zu befördern, wann man nur meint und wünscht, wann man hofft, wann man glaubt und wann man in Wahrheit weiß. ("Einsicht", 1. Jahrgang, Nr. 12, S.37)

Insofern hatte P. Guérard des Lauriers diese - psychologisch vielleicht verständliche - Haltung in seiner These wie in einer Formel zusammengefaßt. Aber entspricht sie der Lehre der Kirche bzw. spiegelt sie die Auffassung ihrer Lehrer wider? Bereits der hl. Paschasius bemerkt im 9. Jahrhundert: "Wer außerhalb der Wahrheit etwas sucht, findet nur Falsches, und wenn er das, was von Christus gesagt wurde, nicht annimmt, stellt er sich außerhalb der Wahrheit!" 3) Das gilt natürlich auch für den Papst. "So kann sich ein Papst trennen vom Haupte, d.i. von Christus durch Unge-horsam in kultischen Dingen, welche zu behüten seine Pflicht ist. Einem solchen Papste, der die Kirche zerstören will, müssen sich alle Christen widersetzen." 4) "Ein Papst, der Irrlehren vertritt", bemerkt Suarez, "ist nicht mehr Papst, und wenn er irrt, dann irrt er nicht mehr als Papst, wie auch die Kirche (hiermit) nicht irrt; sie kann einen anderen wählen." 5) In "Romani Pontificis in definiendo infallibilitas" heißt es: "Ein Papst steht allein dadurch, daß er sich der Häresie schuldig macht, außerhalb der Kirche, und ist von Gott selbst, seines Amtes enthoben." 6) "Ein offensichtlicher Häretiker kann also nicht Papst sein", so lautet auch das Urteil des Kirchenlehrers, des hl. Robert Bellarmin. 7) Darum ist Ricossas Bezug auf den hl. Bellarmin bei seiner Begründung der des-Lauriers'schen These völlig unverständlich, zumal dieser die Unterscheidung in einen Papst "formaliter" und "materialiter" nicht nur nicht kennt, er schließt sogar die Möglichkeit, daß ein Papst als Papst Häretiker sein kann, ausdrücklich aus (in "De Romano Pontifice").

Wenn man die des Laurierssche These mit diesen Positionen vergleicht, kann man leicht feststellen, daß eine Aufspaltung eines Papstes in einen "aktuellen" und einen "potentiellen" nicht stattfindet. Die Häresie hat für ihn die unmittelbare Konsequenz des Amtsverlustes. Wie die Theologin Myra Davidoglou nachweist, ist die These vom „Papa materialiter, non formaliter“ neu: "Tous les papes que l'Eglise catholique a connus depuis sa fondation sont papes formels; l'idée d'un pape potentiel ayant droit a titres de Pontife romain et au Siège apostolique est une nouveauté, en déduire de l'Ecciture sainte ou de la Tradition apostolíque, les deux seules sources de la Révélation divine, ni même de l'histoire de l'Eglise, la possibilité de l'existence d'un tel pape. Sous ce rapport, nous avons donc affaire à une doctrine purement humaine dont nous nous bornerons". (LA VOIE, 1991, Nr. 21, S. 2: "Analyse logique et theologique de la thése dite de Cassiciacum") ("Alle Päpste der kath. Kirche bisher (seit ihrer Gründung) waren formelle Päpste. Der Gedanke eines potentiellen Papstes mit dem Anrecht auf den apostolischen Stuhl ist eine Neuheit dahingehend, daß aus der Hl. Schrift und aus der apostolischen Tradition überhaupt nicht darauf geschlossen werden kann, auch nicht aus der Kirchengeschichte. Unter diesem Gesichtspunkt haben wir es also mit einer rein menschlichen [d.i. einer rein persönlichen] Lehre zu tun."  Myra Davidoglou fährt fort: "Dira-t-on que celui a perdu la papauté n'en est pas pour autant déchu ? (...) Et pourtant, c'est sur 'l'apparaitre', come il dit, que l'auteur va s'appuyer pour tenter d'établir l'occupation non de fait (laquelle est évidente), mais de droit du Siège de Pierre par des hommes come Montini ou Wjtyla, dont lui-même nous rappelle par ailleurs qu'ils sont des hérétiques, donc en droit sinon en fait hors de l'Eglise, parce qu'excommniés et anathémisés par le Concile du Vatican (1870)." (LA VOIE, 1991, Nr. 21, S. 3) ("Wenn er das Papstamt verloren hat, ist er nicht aus ihm herausgefallen? (...) Und doch stützt sich der Verfasser [des Lauriers], um zu beweisen, zwar nicht die tatsächliche Inhabe des päpstlichen Stuhles (dies ist ja offensichtlich), sondern das Anrecht auf Petri Stuhl zu haben - im Falle eines Montini und Wojtylas -, während er selber darauf hinweist, daß sie Häretiker sind, also in Wirklichkeit nicht nur rechtlich, sondern auch tatsächlich außerhalb der Kirche stehen, weil sie exkommuniziert und durch das 1. Vatikanische Konzil -1870 - anathematisiert sind." - Übersetzung: H.H. Pfr. Schoonbroodt)

Des Lauriers leugnet zwar nicht die Möglichkeit der Sedisvakanz, doch diese wäre seiner Meinung nach nur eingetreten, wenn die Wahl Montinis oder Wojtylas zum Papst ungültig gewesen wäre, was erst nachgewiesen werden müßte.

Der ehemalige Lehrer an der Gregoriana des Lauriers und seine Adepten begreifen nicht, daß der Vorwurf der Häresie nicht dem Papst als Papst gilt, daß also damit quasi über den Papst geurteilt wird, was nicht erlaubt ist nach dem Grundsatz "der Papst kann von niemandem gerichtet werden" (weil er als Papst selbst oberster Richter ist 8), sondern daß es sich um ein Feststellungsurteil handelt, in dem erklärt wird, aufgrund einer bestimmten Häresie habe die betreffende Person aufgehört, Papst zu sein.

2. Gültig zum Papst gewählt?

Gehen wir  einmal davon aus – um die Position von P. Guérard des Lauriers einzunehmen -, daß Mgr. Wojtyla von einer „pars minor et sanior“ , gewählt wurde, dann hätte die Wahl gültig sein kön-nen, wenn der Gewählte ein rechtgläubiger Bischof gewesen wäre. Das - die Rechtgläubigkeit Wojtylas vor der Wahl - kann man aber mit Recht bestreiten. Ich erspare es mir, die allseits bekannten Häresien, die er schon vor seinem Amtsantritt vertreten hat, aufzuzählen. Ich weise nur darauf hin, daß er einer der besonderen Förderer der Reformen war (im Gegensatz zu Kard. Wischinsky, der zwar auch keinen Widerstand geleistet hat, der aber das Verdienst hat, durch seinen Einsatz die Polen immerhin in ihrer anti-kommunistischen Haltung gestärkt zu haben).  Nach der Bulle Pauls IV. „Cum ex apostolatus officio“ vom 15. Febr. 1559 verlieren Prälaten und Bischöfe, die vor ihrer Erhebung vom kath. Glauben abgewichen sind, automatisch ihre Autorität und jegliches Amt. Sie sind nicht amtsfähig. Nachdem Paul IV. zunächst alle Strafen bestätigt, die über Häretiker und Schismatiker verhängt wurden, 9) spricht er dezidiert über die Amts-Unfähigkeit von Häretikern:

"Wir fügen hinzu, daß, wenn zu irgendeiner Zeit es offenkundig werden sollte, daß ein Bischof, auch wenn er an Stelle eines Erzbischofs oder Patriarchen oder Primas fungiert, oder ein Kardinal der vorgenannten Römischen Kirche, auch - wie vorbemerkt - ein Legat oder auch ein Römischer Pontifex vor seiner Erhebung zum Kardinal oder seiner Wahl zum Römischen Pontifex vom katho-lischen Glauben abgewichen, in eine Häresie gefallen oder ins Schisma geraten ist oder derlei hervorgerufen und verursacht hat, so ist seine Erhebung oder Wahl, auch wenn sie in Eintracht und mit der einmütigen Zustimmung aller Kardinäle erfolgt ist, null und nichtig und wertlos. Sie kann nicht durch die Annahme der Bischofsweihe oder die nachfolgende Übernahme der Leitung und Verwaltung, auch  nicht durch die "Inthronisation des Römischen Pontifex" selbst oder durch Huldigung oder durch den ihm von allen geleisteten Gehorsam, wie lange er auch gedauert haben mag, als gültig geworden bezeichnet werden, noch Gültigkeit erlangen, noch als gültig in irgendeinem Teilbereich angesehen werden. Man muß dafürhalten, daß allen, die auf solche Weise zu Bischöfen, Erzbischöfen, Patriarchen oder Primaten befördert wurden, in geistlichen und zeitlichen Angelegenheiten eine nichtige Verwaltungsbefugnis zuerteilt worden ist oder zuerteilt wird. Alles und jedes, das durch sie wie auch immer ausgesprochen, geschaffen, vollzogen und verwaltet wurde, und alles, was daraus folgte, entbehrt der Gültigkeit und kann überhaupt keine Sicherheit und auch niemandem ein Recht verleihen. So gehen die so Beförderten und Gewählten eo ipso und ohne irgendeine Erklärung jeglicher Würde, Stellung, Ehre, jeglichen Titels, jeglicher Autorität, jeglichen Amtes und jeglicher Vollmacht verlustig, selbst wenn alle und jeder einzelne so Beförderte oder Gewählte vorher vom Glauben nicht abgewichen wären und nicht Häretiker gewesen wären und nicht ins Schisma verfallen wären oder es hervorgerufen oder veranlaßt hätten." (Bulle „Cum ex apostolatus officio“, § 6)

Nach dieser Bulle kann man darum auch nicht mehr davon ausgehen, es hätte ein „pars minor et sanior“, d.h. legitime Papstwähler gegeben, denn diese waren ebenfalls wegen Häresie ihres Amtes verlustig gegangen. (Mgr. Guérard des Lauriers vertrat in puncto Häresie der italienischen Bischöfe und Kardinäle eine eher eigenartige Position, die sich auf seine Erfahrung mit diesen Herren als Studenten stützte: gegenüber Herrn Dr. Hiller und mir hatte er einmal geäußert, die italienischen Prälaten, die durchwegs als Seminaristen in seinem Hörsaal gesessen waren, seien so dumm, daß sie nicht einmal fähig seien, Häresien zu vertreten, weil sie nicht wüßten, was das ist.) Hier findet die Bestimmung des CIC, wonach Rechtsverstöße, die mit Zensuren geahndet werden, das Wahlrecht der Kardinäle nicht einschränken, keine Anwendung, weil es sich nicht um Rechts-, sondern Glaubensdelikte handelt.

Es wird noch argumentiert, Johannes Paul II. sei nur materieller, aber nicht formeller Häretiker, was soviel besagt, daß er zwar eine Häresie vertritt, aber nicht weiß, daß es eine ist. Man mache sich einmal klar, was einem damit zu denken zugemutet wird: der oberste Lehrer und Wächter über die Lehre weiß nicht, was er lehren und was er bewachen soll! Das sind die theologischen Hintertürchen, die sich Leute wie Ricossa offenhalten, um keine entscheidenden Konsequenzen ziehen zu müssen. Eine solche Auffassung ist nach Can. 16 § 2a des CIC ausgeschlossen, wonach nämlich ein Amtsinhaber, besonders, wenn es sich um den Inhaber des Lehramtes der Kirche handeln soll, nicht geltend machen kann, er kenne seinen Glauben nicht!!! Da Wojtyla noch unter Pius XII. zum Bischof geweiht wurde, mußte vorher in einem Informations- und Definitionsprozeß eigens seine Rechtgläubigkeit nachgewiesen werden (vgl. CIC, can. 330 und 331).

3. Ein Häretiker als Papst, als Nachfolger des hl. Petrus?

Die Frage, ob ein Häretiker Papst sein kann, haben die Kirchenlehrer und Theologen, die sich mit diesem Problem befaßt haben, eindeutig verneint, wie oben bereits dargelegt wurde (Bellarmin, Kajetan, Suarez). H.H. Dr. Otto Katzer, der im deutschsprachigen Raum als Theologe eine ähnliche Stellung einnahm wie H.H. P. Saenz y Arriaga in Mexiko, ist auf dieses Thema genauer eingegangen in dem Artikel "Unbesetzter Apostolischer Stuhl" (EINSICHT VIII/5 vom Dezember 1978, S. 168 ff., Nachdruck: EINSICHT XXXII/1, S. 13 f). Nach ihm kann "der Apostolische Stuhl [...] unbesetzt sein:
1. durch den körperlichen Tod des Papstes,
2. infolge des moralischen Todes des Papstes.

Moralisch tot ist der Papst, wenn er sich offensichtlich gegen die Glaubens- oder Sittenlehre versündigt hat. Dadurch ist aber der Apostolische Stuhl nicht verwaist, wie Papst Pius VI. in seiner berühmten, für unsere Zeiten so wichtigen Apostolischen Konstitution "Auctorem fidei", betont, bezugnehmend auf den hl. Petrus Chrysologus 10): "Petrus, auf seinem Throne lebend als auch den Vorsitz inne habend, bietet den Nachfragenden die Wahrheit des Glaubens". Dies geschieht durch die unfehlbaren und unumstößlichen Urteile des Apostolischen Stuhles."

Die Bestimmung Bellarmins, wonach „Papa haereticus depositus est“ (d.i. ein Feststellungsurteil: „ist abgesetzt“), wird durch die Kajetansche Formel „deponendus est“ (ist abzusetzen) dahin gehend ergänzt, daß dieses Feststellungsurteil bekannt zu machen ist, d.h. die betreffende Person muß von und vor der Kirche als abgesetzt erklärt werden, weil die Kirche eine sichtbare, juridische Gemeinschaft ist, die über den Status ihres Oberhauptes unterrichtet sein muß. Genau dies hat S.E. Mgr. Ngô-dinh-Thuc mit seiner DECLARATIO vom 25. Februar 1982 getan. Nicht, als ob in der DECLARATIO die Sedisvakanz zum ersten Mal festgestellt und die nötigen Konsequenzen aufgezeigt würden, aber es ist das einzige Dokument eines hochrangigen und hochgeschätzten ehemaligen Amtsträgers, der diese Feststellung getroffen und öffentlich verkündigt hat. Auch wenn sie nicht von Amts wegen, sondern 'nur' "ex caritate", d.h. aus Fürsorge für das Wohl der Kirche, verfaßt wurde, so hat Mgr. Ngô-dinh-Thuc doch als Bischof der röm. kath. Kirche diese Feststel-lung für die Gläubigen rechtlich verbindlich ausgesprochen. Die DECLARATIO ist dasjenige Dokument, mit welchem wir unseren Widerstand und die weiteren Aktivitäten - über die Berechtigung aus persönlicher Einsicht hinaus(daß nämlich die Hierarchie abgefallen ist ) auch in rechtlicher Hinsicht absichern können. 11)

Die des-Lauriers’sche These „ein in Häresie gefallener Papst - wohlgemerkt ein rechtmäßig gewählter Papst! - sei ein „Papa materialiter“, d.h. ein Papst, der es noch potentiell sein kann – ist somit eindeutig widerlegt. Das Papstamt ist genau dann beendet, wenn der Inhaber dieses Amtes in Häresie fällt, d.h. er setzt sich gleichsam selbst ab. Der Trick, er sei seiner Häresie nicht bewußt, d.h. er sei kein formeller Häretiker, kann, wie gezeigt wird, nicht angewendet werden. Warum? Weil es nicht sein kann, daß derjenige, der als Nachfolger des Stellvertreters Jesu Christi hier auf Erden als oberster Lehrer und Hüter über die Unversehrtheit des Glaubens eingesetzt wurde, zugleich die Wahrheit und die Unwahrheit verkündet. Man kann nicht die Identität der Person eines Papstes schizophrenerweise aufteilen in eine „materielle“ und zum anderen in eine „formelle“, denn dieser wäre als solcher nicht mehr in der Lage, seine Identität als Person  zu wahren. Eine solch schizophrene Personen-Aufspaltung wäre - inhaltlich gesehen - nicht nur widersprüchlich, sondern auch widersinnig.

Jemand, der wie der Papst in Sachen des Glaubens und der Sitten Unfehlbarkeit beansprucht, der die Wahrheit auf den angegebenen Gebieten qua Amt verkörpert, kann nicht zugleich auch der Vertreter des Irrtums und der Unwahrheit sein. Das hieße auf die betreffende Person bezogen: nicht nur den Widerspruch gelten zu lassen, sondern die Schizophrenie als Prinzip in die Theologie einzuführen. In dem Moment, wo Johannes Paul II. zeigt, daß er auch den Irrtum propagiert – wie Mgr. Guérard des Lauriers betont hat: daß er gewohnheitsmäßig die Häresie vertritt -, hört er auf, der Vertreter der unfehlbaren Wahrheit zu sein... auch potentiell.

Die These "Johannes Paul II. ist Papst, wenn er etwas Rechtgläubiges verkündigt, und er ist es nicht, wenn er etwas Häretisches verlauten läßt" bedeutet zudem, daß  jeder Gläubige jedesmal über Orthodoxie oder Häresie des Papstes entscheiden müßte. Damit würde die Lehrautorität Roms, auf jeden einzelnen Gläubigen übertragen, denn es gälte nicht mehr: "Roma locuta, causa finita" (Rom hat gesprochen, die Angelgenheit ist beendet), sondern: wenn Rom gesprochen hat, geht die Debatte bei den Gläubigen erst richtig los. Die 'höchste' Autorität läge demnach bei dem berühmten "Lieschen Müller" - pardon: bei "Frau Dr. Lieschen Müller".

4. Warten auf die Bekehrung oder Anleihen bei Samuel Becket

Wie sähe unter dieser Voraussetzung - der These vom „Papa materialiter, non formaliter“ - eine Restitution der Kirche bzw. deren Wiederaufbau aus? 12)  Da der „Papa materialiter“ ja potentieller Papst bleibt - trotz der Propaganda des Irrtums oder sogar der Apostasie - kommmt es nur darauf an, daß er auch „formaliter“ wieder Papst wird. D.h. er ist dann „Papa formaliter“ und „materialiter“ zugleich, wenn er (wieder) rechtgläubige Positionen vertritt. Die Anhänger dieser Meinung wie Abbé Ricossa warten also darauf, daß sich Johannes Paul II. wieder bekehrt. Man benötigt nur genügend Vertrauen in Gottes Vorsehung, welches wir, die Sedisvakantisten, natürlich nicht haben. N.b. der Aktivismus, den wir an den Tag legten, als wir von Wiederaufbau, ja von einer Papstwahl faselten, ging auch Bischof Storck auf den Geist!

Damit wäre dann die Krise – hinsichtlich der Restitution der Autorität – behoben... wenigstens, was die Person Johannes Paul II. betrifft. Was mit den anderen häretischen oder apostatischen Bischöfen (inzwischen ‚Bischöfen‘), die ja analog behandelt werden müßten: „episcopus materialiter, non formaliter“, ist damit noch nicht ausgestanden. (Aber vielleicht impliziert die Rückkehr vom „Papa materialiter“ zur Rechtgläubigkeit auch die der „Episcopi materialiter“.)

Über die Rechtssicherheit und die Wiedererlangung der Jurisdiktion dieser Wiederbekehrten spre-chen weder des Lauriers noch Ricossa. Was aber ist, wenn Johannes Paul II. in seinen Dekreten Orthodoxie und Häresie kräftig vermischt - Wojtyla ist ein Meister der Dialektik! - ist er dann „mate-rialiter“ zugleich auch „formaliter/non formaliter“ Papst? Man kann das unsinnige Spiel weitertreiben, solange man will.

Ich habe dieses Warten auf die Umkehr von Mgr. Wojtyla immer verglichen mit dem von Samuel Becket in dem gleichnamigen Theaterstück beschriebenen „Warten auf Godot“. Dort wartet man auf Godot, von dem man weiß, daß er nie ankommen wird... also ein völlig sinnloses Warten. Mit solchen Absurditäten kann man zwar Theaterstücke gestalten (um die Sinnlosigkeit darzustellen), aber weder Theologie noch den Wiederaufbau der Kirche betreiben. War es Mgr. Guérard des Lauriers entgangen, daß Apostasie zu den Sünden gehört, die irreversibel sind, d.h. die Ablehnung der Wahrheit, der lebendigen!, um ihrer selbst willen? Haben seine Schüler, zu denen auch Abbé Sanborn in USA gehört, das vergessen?

Inzwischen sollen die Gläubigen ihr religiöses/kirchliches Leben weiterführen: kritisieren, was kritisierbar ist, an die ‚Bischöfe‘ und den ‚Hl. Vater‘ appellieren, nicht ‚gehorchen‘, wenn die Anordnungen dem Glauben widersprechen. Wenn man dann aber aus ‚Übereifer‘ oder ‚Ungeduld‘ Priester und Bischöfe weihen läßt, sind das natürlich schismatische Anzeichen... weil man Gottes Vorsehung etwa doch mißtraut?

Um die absurden Konsequenzen, die sich aus dieser Position ergeben, die für Ricossa und seine Gemeinschaft „Mater boni consilii“- die vielleicht ihre Ratschäge wohl doch woanders einholt! - anscheinend wichtiger ist als der übrige katholische Glaube, einmal an einem Beispiel aus dem militärischen Bereich klarzumachen: Ein General begeht Hochverrat und liefert sein Vaterland samt der von ihm befehligten Armee dem Feind aus. Anstatt diesen General von einem Kriegsgericht verurteilen und einen neuen Feldherrn ernennen zu lassen, empfehlen die des-Lauriersisten, darauf zu warten, bis es diesem Hochverräter einfällt, wiederum die Fronten zu wechseln, damit sie ihm wieder in 'Treue dienen können'. In der Zwischenzeit lassen die Soldaten 'voll Hoffnung auf den Gesinnungswandel ihres Generals' (theologisch gesprochen: voll Gottvertrauen) den Feind uneingeschränkt gewähren.

Damit hoffe ich, hinlänglich klar gemacht zu haben, daß
a) die These vom „Papa materialiter, non formaliter“ theologisch unhaltbar ist und
b) das Festhalten an ihr die dringend geforderte Restitution bzw. der Wiederaufbau der Kirche verhindert würde.

Darum bleibt den des-Lauriersisten nur übrig, diese These fallen zu lassen und sich dem Sedisvakantismus, so wie er in der DECLARATIO vom S.E. Mgr. Ngô-dinh-Thuc formuliert wurde, anzuschließen und die ebenfalls dort verkündeten Richtlinien zum Wiederaufbau der Kirche anzuerkennen und mitzutragen. Andernfalls müssen wir, die Sedisvakantisten, aufhören, in ihnen Bundesgenossen für unsere kirchlichen Aktivitäten zu sehen. Eine Kooperation, auch auf pastoralem Gebiet, wäre dann nicht (mehr) möglich.

Zum Schluß ein Kapitel über vertane Chancen oder vom Notstand zum Chaos

Zum Schluß noch einige Anmerkungen zu unserer derzeitigen Situation. Wenn man das Verhalten der Gläubigen, aber besonders das der Priester und Bischöfe betrachtet, die vorgeben, für die Bewahrung des Glaubens und den Wiederaufbau der Kirche zu arbeiten, so muß man leider allerorts Sektiertum und Resignation feststellen. In der Zeit nach der Verkündigung der DECLARATIO - sieht man einmal von den Bemühungen ab, die der inzwischen verstorbene Bischof Carmona zu Beginn der 90iger Jahre zur Re-Unierung der Gläubigen unternommen hat und die Bischof Dávila nun fortsetzen möchte - ist nichts geschehen, um die Kirche als Heils-Institution zu restituieren. Etwas vornehmer hat Bischof Dávila bei seinem letztjährigen Besuch in München den Sachverhalt so ausgedrückt: "Wir Priester haben uns in den letzten 20 Jahren nur um pastorale Probleme gekümmert."

Diese pastorale Arbeit kann aber nur gedeihlich sein, wenn sie eingebettet ist in kirchliche Strukturen; denn die bisher geübte Sakramentenspendung ist nur dann legitim, wenn intendiert wird, daß sie als Akt der Kirche geschieht! Nur ihr - der Kirche - hat Christus die Sakramente zur Verwaltung überlassen. Alles andere wäre reine Sektiererei. Darum muß es das vorrangige Ziel aller unserer Anstrengungen sein, diese Restituierung der Kirche voranzutreiben. Denn Christus hat die Kirche als Heilsinstitution - nicht nur als bloße Glaubensgemeinschaft - gegründet, um die unverfälschte Weitergabe seiner Lehre und Gnadenmittel zuverlässig zu gewährleisten. Der Wiederaufbau der Kirche als Heilsinstitution ist darum vom Willen ihres göttlichen Gründers gefordert. Hier ergibt sich jedoch ein Dilemma. Einerseits fehlt derzeit die zur Erfüllung dieser Aufgaben nötige kirchliche Jurisdiktion, da die Hierarchie abgefallen ist, andererseits ist der Wiederaufbau die notwendige Voraussetzung der Wiederherstellung eben dieser kirchlichen Autorität. Für dieses Problem muß eine klare theologische Lösung gefunden werden!

Das bloße Insistieren auf dem weltweit gegebenen Notstand (die fehlende Autorität und die Einheit) rechtfertigt nicht das nur persönlich initiierte Handeln und den Aktivismus mancher Kleriker und definiert auch die Situation theologisch nur unvollkommen. Eine solche Einstellung birgt doch die Gefahr des Sektierertums in sich, zumal jeder daraus für sich beliebige Konsequenzen ziehen kann. Jeder in der Seelsorge tätigfe Priester muß sich das bewußt machen und muß nachweisen können - und hier ist er in der Pflicht gegenüber den Gläubigen! -, daß er als Priester der kath. Kirche handelt! Ansonsten stempelt er sich ipso facto zum Sektierer, der sich priesterliche Vollmachten illegitimerweise nur anmaßt. Der Hinweis auf (zugestandenermaßen) gültige Weihen reicht nicht aus, um sich als Priester der kath. Kirche zu präsentieren. Kein Mensch käme z.B. auf die Idee, sich eine Uniform und ein Gewehr zu kaufen, um sich dann als Soldat der deutschen oder des mexikanischen Heeres zu präsentieren.

Wie sähe eine Lösung aus? Um in dem Beispiel zu bleiben: Er wäre es nur dann wirklicher Soldat, wenn er von diesem Heer einberufen und vereidigt worden wäre. Auf die Kirche angewandt: er wäre nur wahrer Priester, wenn er nachweisen könnte, von der wahren Kirche beauftragt worden zu sein. Das Problem liegt also darin zu sagen, wo denn diese Kirche unter den gegebenen Umständen ist und in welchem Sinne man sich als von ihr beauftragt ansehen darf.

Dagegen wird eingewandt, zur Bewältigung der derzeitigen Probleme bedürfe es keiner eigenen Strategie, es reiche aus, sich auf das Notstandsprinzip zu berufen. Eine solche Auffassung ist nicht nur falsch, sondern auch höchst gefährlich! Mit einer Notmaßnahme will man nur verhindern, daß ein bestimmter Zustand nicht eintritt bzw. eintreten soll: ich will, daß etwas nicht sein soll. Mit dieser Intention gebe ich aber (noch) nicht an, was sein soll. Wenn ich z.B. einen Damm baue, will ich verhindern, daß ein Fluß über die Ufer tritt und das Land verwüstet. Mit dieser Maßnahme habe ich aber noch nicht angegeben, wie ich mein Land bebauen will. D.h. ich benötige noch eine eigene positive Idee, wie ich das Land nutzen, wie ich es kultivieren will.

Kehren wir zurück zu unserer eigenen unmittelbaren kirchlichen Vergangenheit: Es war notwendig, Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat zu spenden, um die gefährdete apostolische Sukzession zu retten, wie dies Mgr. Ngô-dinh-Thuc getan hat. Es wäre aber ein großer Fehler zu meinen, man könne in Zukunft auf geordnete Verhältnisse, letztlich auf das päpstliche Mandat verzichten. Denn die Berufung auf den Notstand muß inzwischen herhalten für alle sektiererischen Aktionen, selbst für die verwerfliche Konsekration von verheirateten Priestern. Wenn Sie, verehrte Zuhörer, nur einmal um sich schauen, ist genau das nicht eingetreten, was mit der einstmaligen Notmaßnahme erreicht werden sollte, nämlich die Rettung der Sukzession und der Kirche. Wir befinden uns in einem selbstverschuldeten, selbstverursachten Sektierertum! Ich erinnere Sie nur noch einmal daran, was aktueller Anlaß und Ausgangspunkt für dieses Referat ist 13), nämlich die skandalösen Bischofsweihen, die McKenna mit jener These begründete, deren Haltlosigkeit ich Ihnen demonstrieren wollte. Welche Abgründe haben sich da aufgetan! Also, wir benötigen für den Wiederaufbau der Kirche, für ihre Restitution als Heils-Institution eigene Konzepte,
- die theologisch fundiert sein müssen und
- die einerseits den aktuellen Realitäten Rechnung tragen müssen,
- die andererseits geeignet sind, diese Realitäten so umzugestalten, daß letztlich die Kirche wieder Hort der Offenbarung Gottes und Gemeinschaft der Gläubigen unter einem rechtmäßig gewählten Papst ist.

Anmerkungen:
1) Die Unterzeichner, Don Franco Munari, Don Francesco Ricossa, Don Curzio Nitoglia und Don Giuseppe Murro, der Lehre der katholischen Kirche gehorchend, derzufolge die Notwendigkeit eines öffentlichen Widerrufs als Folge der Veröffentlichung falscher Lehren über den Glauben und die Sitten erforderlich ist, erkären öffentlich zu widerrufen, daß sie gelehrt haben oder wenigstens impliziter als übereinstimmend mit der Wahrheit zu-ließen, daß geglaubt wurde, in der Zeit von 1982 bis 85, also während ihrer Zugehörigkeit zur Priesterbruderschaft St. Pius X., die folgenden Irrtümer:
1. Dem römischen Papst kommt nur bei "ex cathedra"-Entscheidungen (also wenn er Dogmen lehrt) Unfehlbarkeit zu.
2. Das gewöhnliche und universale Lehramt der Kirche ist nicht unfehlbar.
3. Das II. Vatikanische Konzil kann nicht unfehlbar sein als pastorales, und nicht als dogmatisches Konzil.
4. Es ist erlaubt und gewöhnlicherweise geboten, der doktrinellen, moralischen und liturgischen Lehre der legitimen Autorität (Papst und Bischöfen) den Gehorsam zu verweigern, obgleich anerkannt wird, daß derselben Autorität die ganze Autorität kraft der göttlichen Einsetzung der Kirche zukommt.
5. Es ist möglich, daß die legitime Autorität (der römische Papst) der universalen Kirche Gesetze (Meßritus, Sakramente, Codex des Kirchenrechts) promulgiert und auferlegt, welche Irrtümer, Häresien wie auch für das Heil der Seelen Schädliches enthalten.
6. Es ist möglich, daß ein authentischer wahrer Papst, ein wahrer Stellvertreter Christi, gleichzeitig schismatisch, apostatisch und in Bruch mit der Tradition sein kann und daß seine Akte als null und nichtig zu erachten sind.
Oben genannte IRRIGEN ERKLÄRUNGEN verletzen auf tödliche Weise das katholische Dogma der GÖTTLICHEN EINSETZUNG DER KIRCHE, ihr LEHRAMT, die UNFEHLBARKEIT der Kirche und des RÖMISCHEN PAPSTES. Die unterzeichnenden Priester erbitten von jedem, dem sie auf diese Weise Ärgernis gegeben haben, durch diesen öffentlichen Widerruf Vergebung und auch Gebete,- und sie versichern, daß sie mit der Hilfe Gottes niemals wieder ähnliche Irrtümer vertreten werden.  (zitiert nach KE Nr.3/1996, S. 80)
2) So z.B. in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG vom 26.7.02: "Der 82-Jährige kann den Kopf nicht mehr gerade halten, er nuschelt nur noch, Speichel rinnt aus seinem Mund. Trotzdem ist Johannes Paul II. nach Toronto geflogen, um sich dort von 200 000 Jugendlichen feiern zu lassen. Gegen den Rat seiner Ärzte hat er die strapaziöse Reise angetreten, verlangt sich eine ruinöse Energieleistung ab. Das steht nur durch, wer tief überzeugt ist, in höherem Auftrag zu handeln, und kaum jemand dürfte fester als Johannes Paul II. glauben, das Werkzeug Gottes zu sein: Gott hat ihn ausersehen, die katholische Kirche ins 21. Jahrhundert zu führen, Maria hat ihn die Kugel des Attentäters überleben lassen, nun muss er die ihm auferlegte Krankheit tragen. 'Ein Mann der Schmerzen mit Krankheit vertraut', heißt es im Buch Jesaia über den leidenden Gottesknecht, und der leidgezeichnete Karol Wojtyla sieht sich offenbar als Spiegelbild: Er muss seinen Weg gehen, bis zuletzt."
3) P.L. 120, Paschasius Radbertus, Liber de Corpore et Sanguine Domini, col. 1317.
4) Ad sacrosancta Concilia a Philippo Labbe et Gabriele Cossartio edita Apparatus alter, Venetiis 1728.
5) Defensio Fidei, lib.V. De antichristo, Tom. XX., Cap. XXI, 7.
6) Romani Pontificis in definiendo infallibilitas breviter demonstrata. Thyrsi Gonzales S.J. Parisli 1698.
7) Controversio de Romano Pontifice, lib. II. cap. XXX.
8) Man vgl. dazu die Bulle Pauls IV. „Cum ex apostolatus officio“, § 1: "In Anbetracht dieser so schwierigen und gefahrvollen Angelegenheit hat der Römische Pontifex, der Gottes und unseres Herrn Jesus Christus Stellvertreter auf Erden ist, über die Völker und Reiche unbeschränkte Vollmacht und entscheidet richterlich über alle, ohne selber in dieser Welt richterlichem Urteil zu unterliegen; jedoch darf ihm widersprochen werden, wenn er als vom Glauben abgewichen erfunden wird."
9) „Cum ex apostolatus officio“, § 2: "Alle, die bis jetzt vom katholischen Glauben abgewichen, in Häresie gefallen oder ins Schisma geraten sind oder derlei hervorgerufen oder verschuldet haben, wenn sie als solche erkannt sind, sich bekannt haben oder überführt wurden oder (was Gott in seiner Huld und Güte von ihnen abwenden wolle) fernerhin abweichen, in Häresie fallen, in ein Schisma geraten, derlei hervorrufen, verschulden oder die erfunden werden, daß sie abgewichen, in Häresie gefallen, in ein Schisma geraten sind, solches hervorgerufen oder verschuldet haben, oder die dies bekennen oder dessen überführt werden, - diese, so wollen und bestimmen Wir, daß diese jeglichen Standes, Grades, Ranges, Berufes und vortrefflicher Würde, auch wenn sie in bischöflicher oder erzbischöflicher Würde stehen oder Patriar-chen, Primaten oder eine andere größere kirchliche Würde besitzen, mit der Kardinalswürde versehen sind oder das Amt eines Legaten des Apostolischen Stuhles, wo immer auf Erden, ständig oder zeitlich begrenzt innehaben, daß sie alle die vorgenannten Urteilssätze, Zensuren und Strafen auf sich ziehen."
10) P.L. 54, 743ff.
11) Um diese Position einmal mit der der Ecôner zu vergleichen: Sie haben das Problem der fehlenden päpstlichen Autorität auch, denn sie lehnen ja ebenso viele Beschlüsse des II. Vatikanums und die durch es initiierten Reformen ab. Aber sie tun es aus einem anderen Grund. Sie bestreiteten nicht, daß ein Papst als Häretiker aufhört, Papst zu sein, bestreiten aber, Johannes Paul II. habe dezidiert Häresien verbreitet, er sei nur ‚liberal‘ oder ‚modernistisch‘ und schade so der Kirche, weswegen man sich gegen seine Anordnungen stelle. Mit dieser 'traditionalistischen' d.h. theologisch unausgewiesenen Position begeben sie sich auf argumentativ sehr dünnes Eis, wie alle mit Rom geführten Verhandlungen zeigen.
12) Wir echten Sedisvakantisten zeichnen uns dadurch aus, daß wir neben der Festellung, der Stuhl sei nicht besetzt, zugleich intendieren, daß er wieder besetzt werden soll.
13) Obige Ausführungen in spanischer Übersetzung sind gedacht für die Tagung zur Sammlung glaubenstreuer Katholiken Ende August in Cid. Juarez/Mexiko.

 
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