51. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2021
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ERWIDERUNG AUF DIE STELLUNGNAHME VON DR. E. HELLER
 
ERWIDERUNG AUF DIE STELLUNGNAHME
VON DR. E. HELLER


- IN EINSICHT, 27. Jahrgang. Nr. 6, S. 175 f. -

von
Abbé Paul Schoonbroodt


Zum besseren Verständnis der Wiedergabe eines Leserbriefs, den ich im Saka-Teil von Kyrie eleison veröffentlicht habe, möchte ich auf die kritische Besprechung von Dr. Heller in der Einsicht näher eingehen.

Art der Umfrage

Diese wurde bei etwa 40 Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 25 Jahren an Bushaltestellen und öffentlichen Plätzen durchgeführt, ohne daß sie die Fragen vorher kannten, um die Antworten vor-zubereiten. Im Juli 97 wurde das Ergebnis in der Jugendzeitschrift 'Einblick' veröffentlicht. Da manche Antworten unbefangen das Bestehen Gottes leugneten, fühlte ich mich als Priester verpflichtet, den Unglauben, Folge der Konzilsneuerungen, öffentlich zu bekämpfen. Mein erster Leserbrief "An Gott glauben statt ihn zu leugnen" wurde vom Chefredakteur des Grenz-Echo als Grundsatzartikel mit Zwischenüberschriften veröffentlicht. Das Volk wurde aufmerksam und es folgten Reaktionen, zunächst in zahlreichen Gesprächen, dann aber auch während eines Monates in einer Abfolge von 24 Leserbriefen. Der Inhalt blieb unangefochten, denn, was könnte einer gegen Schrifttexte und Dogmen der Kirche vorbringen wie z.B. "Wer glaubt und sich taufen läßt, wird selig werden." und: "die heilige Mutter die Kirche hält fest und lehrt: Gott, aller Dinge Grund und Ziel, kann mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Sicherheit erkannt werden. Denn sein unsichtbares Wesen läßt sich seit Erschaffung der Welt durch das, was gemacht ist, deutlich erkennen." (Röm 1,20) Diese Lehre wurde in der zitierten Formulierung auf dem ersten vatikanischen Konzil 1870 als Dogma verabschiedet. Der heilige Paulus schreibt: "Sie sind nicht zu entschuldigen. Obwohl sie nämlich Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott verehrt." (Rom 1, 21)

Zurück zum alten Katechismus

Da es nicht genügt, Kritik zu üben, bot ich einen möglichen Lösungsvorschlag an: man sollte einen vorkonziliaren Katechismus hervorholen, um die unveränderliche Lehre der Kirche über die Themen Gott, Kirche, Messe kennen zu lernen. Würde die Jugend nämlich über das Grundwissen des Katechismus verfügen, würde sie bei solch einer Umfrage nicht „durchfallen". Ein Abiturient (17 Jahre!) besorgte sich daraufhin nach vielen Bemühungen einen vorkonziliaren Katechismus in Aachen. So hatte er Gelegenheit, die Lehre der Kirche zu vergleichen mit dem, was in der neuen Kirche praktiziert wird.

Seit Karl dem Großen ist die Vermittlung der Glaubenswahrheiten in Form von Fragen und Antworten bezeugt. Der hl. Pius V. schrieb den ausgebreiteten Catechismus romanus für die Pfarrer vor und der hl. Petrus Canisius verfaßte einen Katechismus, der in den deutschsprachigen Ländern große Verbreitung fand und die Katholiken gegen die Irrlehren des Protestantismus bewaffnete. Der heilige Pius X. verfaßte einen kleinen und großen Katechismus, der in Italien bis in die sechziger Jahre vorgeschrieben war. Das Erteilen des Katechismus ist wesentlich Aufgabe der Geistlichen und Religionslehrer; wenn beide versagen, der Eltern oder ihrer Beauftragten.

Keine fideistische Methode

Die Weitergabe der Katechismuswahrheiten, so wie es in Vergangenheit geschah, als fideistische Methode zu bezeichnen (fideistisch = blindgläubige Annahme) ist nicht richtig. Wir glauben, weil Gott die Wahrheit ist und nicht irren kann und weil die heilige Kirche uns diesen Glauben predigt. Der Glaubensgehorsam wird gefordert, ist aber deswegen nicht uneinsichtig und könnte vom hl. Anselmus abgesegnet werden. Es gibt normalerweise den Katechismus für die Kleinen, für die großen Schüler, es gibt die Christenlehre für die Oberklassen. Bei der Fortführung des Katechismus in der Christenlehre finden auch philosophische und besonders apologetische Fragen ihren Platz. Es wäre aber Unverstand, in den unteren Klassen Philosophie zu betreiben.

Natürlich sollte es immer so sein, daß der Religionslehrer auch apologetisch gebildet ist. Ob Priester oder Laie sollte er so stark im Glauben und so vorbildlich in den christlichen Tugenden sein, daß er die jungen Gemüter dadurch für das Leben prägt.

Ja zur "Lehre und Erfahrung der Alten"

Wie die Lehre der Alten ein Schatz der Kultur ist, so hat sie auch eine erstrangige Regel für die Rechtgläubigkeit: "ich habe euch überliefert, was ich selbst übernommen habe" (Paulus 1. Kor. 11, 23). Im Buch Ecclesiasticus Kap. 39, 1 steht "Der Weise erforscht die Weisheit aller Alten, und be-schäftigt sich mit den Propheten". Der vom hl. Pius X. vorgeschriebene Antimodernisteneid für die Kleriker und die Professoren an den katholischen Fakultäten enthält folgenden Satz: "Ohne Rückhalt nehme ich die Glaubenslehre ans die von den Aposteln durch die rechtgläubigen Väter stets in demselben Sinn und in derselben Bedeutung bis auf uns gekommen ist".

Ja zu den scholastischen Gottesbeweisen

Bei der Bekehrung eines Erwachsenen kann der Weg auf Grund der Erziehung oder eines sündigen Lebens weit und mühsam sein. Er wird aber zur Erkenntnis des wahren Gottes kommen. Es ist theologisch sicher, daß einer sogar leicht zur Erkenntnis des Bestehens Gottes gelangen kann. Darauf folgt sehr schnell der übernatürliche Glaube, welcher durch die Taufe geschenkt wird.

Die fünf Wege des hl. Thomas, um das Bestehen Gottes zu beweisen, beziehen sich auf die Betrachtung der Kausalität in der Schöpfung, die ohne die erste selbständige Ursache nicht erklärlich ist, des weiteren die Kontingenz der Geschöpfe, die Ordnung des Kosmos usw. Sollten Studenten heute im 2. Semester diese Gottesbeweise tatsächlich als Zirkelschlüsse abtun, so ist das nur eine Folge der modernen Philosophie, die alles vom ''Ich" des Betrachters aus erkennen will. Bekanntlich hat R. Descartes, einer der Väter der falschen Philosophie, den falschen Grundsatz geprägt: ''Cogito ergo sum = ich denke, also bin ich." Macht die neue Kirche nicht auch den Menschen zum Mittelpunkt der Wirklichkeit?

Die Gewißheit heute, daß Jesus Gott ist

Wenn H. Heller in seinem Artikel auf S. 175 unten die Menschwerdung des Gottessohnes Jesus Christus ''hinterfragen'' will, damit diese Wahrheit dem heutigen Menschen überzeugend klar wird, dann wird damit ein sonderbarer Weg zum Glauben an Jesus Christus vorgezeichnet. Reicht etwa die Predigt des Evangeliums nicht mehr aus? Ist doch das Hören des Wortes Gottes immer noch eine der Voraussetzungen, um zum Glauben zu kommen. Es kommt allerdings die Bereitschaft zur Buße hinzu.

Vergleich mit dem heiligen Don Bosco trifft nicht zu

H. Dr. Heller zieht das Wirken des heiligen Don Bosco unter den Jugendlichen von Turin heran, um meine Aktion in der Öffentlichkeit abzutun. Aber mein Ziel, wenigstens den nachdenkenden Katholiken in Ostbelgien die Versämnisse der modernen Geistlichkeit in bezug auf die schlimmen Folgen der religiösen Erziehung der Jugend hinzuweisen, ist in Wirklichkeit ein wirksamer Vorstoß für die Verteidigung der katholischen Wahrheit gewesen.

Und was den heiligen Don Bosco betrifft, ging auch er als römisch katholischer Priester in Soutane und trug das Birett auf seinem Hauptes, lehrte u.a. den Katechismus und nahm seinen Zöglingen die Beichte ab. Eines seiner Beichtkinder war der heilige Dominik Savio. Abschließend dürfte auch dem Leser klar sein, falls er die Ausführungen in der 'Einsicht' vertrauensvoll gelesen hatte, daß der kritische Artikel vom katholischen Standpunkt her gesehen mangelhaft und irreführend war.

Abbé Paul Schoonbroodt, Präsident der Saka

Herz-Jesu-Kirche, B 4790 Steffeshausen

***

ERNEUTE STELLUNGNAHME ZU DEN AUSFÜHRUNGEN VON ABBÉ SCHOONBROODT

von
Eberhard Heller

Hochwürdiger Herr Pfr. Schoonbroodt!

Haben Sie herzlichen Dank für Ihre "Erwiderung" auf meine kritischen Ausführungen, in der Sie zunächst Ihre Korrespondenz und Statements zu der Glaubensumfrage unter den Jugendlichen in Belgien näher erläutern. Dadurch wird der Eindruck, der bei der Lektüre Ihres Beitrages in KE 4/97 (SAKA-Teil, S. 66-70) entstanden ist, teilweise korrigiert.

Ich hätte Ihre obige "Erwiderung" kommentarlos abgedruckt, wenn sie nicht einige Punkte enthielte, die entweder einer Berichtigung oder einer weiteren Erörterung bedürften, bzw. wenn sie nicht mögliche Mißverständnisse signalisierten, da gewisse Passagen in Ihren Ausführungen den Eindruck vermitteln, als ob die dort vorgetragenen Auffassungen zwischen uns strittig wären. Andererseits gehen Sie auf meine Argumente gar nicht einmal ein. Darüber hinaus sehe ich es als meine Pflicht an, Ihren Vorwurf gegen mich, "daß der kritische Artikel vom katholischen Standpunkt her gesehen mangelhaft und irreführend war", zurückzuweisen.

Man kann die nachfolgenden Erläuterungen auch unter dem Motto lesen "Der wahre Glaube - in der Auseinandersetzung zwischen traditionalistischer Erstarrung und lebendigem Tradieren", weswegen meine Einwände gegen Ihre Einwürfe eine Ausführlichkeit erhalten haben, die sie ohne diesen Reflex sicherlich nicht verdient hätten.

Meine Stellungnahme zielte hauptsächlich auf zwei Punkte:

- Einmal wollte ich um Verständnis für die Situation der heutigen Jugend bitten, einer Jugend, die weitgehend ohne Vermittlung der Glaubenswahrheit und ohne objektive Wertvorstellungen sich überlassen blieb bzw. bleibt;
- zum anderen ging es darum, daß diese Situation andere bzw. erweiterte Methoden der Glaubensunterweisungen gegenüber den bisherigen verlangt, welche ich im einzelnen erläutert habe.

Der Einfachheit halber und der besseren Übersicht wegen kommentiere ich die strittigen Punkte.

Zunächst noch einiges zur allgemeinen Situation der heutigen Jugend: Im besten Falle hat sie von den christlichen Glaubensvorstellungen etwas durch den Unterricht in der Schule mitbekommen, allerdings gebrochen durch das Prisma moderner Häresien und Apostasien. Dazu gehört auch die Vorstellung von der Gleichwertigkeit bzw. -gültigkeit der drei Offenbarungsreligionen - Judentum, Christentum, Islam -, in denen angeblich der gleiche Gott angebetet wird. Die Auseinandersetzung mit der 'Konzils-Kirche' und die Abgrenzung gegen sie kann deshalb aus der Sicht dieser Jugend nur als immanentes Geplänkel angesehen werden: Versuchen Sie doch einmal, H.H. Pfarrer, jemandem zu erklären, warum der 'Hl. Vater' nicht auch der Ihrige ist. Da müßten Sie schon 'Tote vom Schlaf aufwecken'.

zu: "Zurück zum alten Katechismus"

Natürlich ist der Katechismus Grundlage der Unterweisung - das wurde von mir auch nicht bestritten! Meine Kritik richtete sich gegen die von Ihnen vorgeschlagene Form, nämlich diesen jungen Leuten lediglich einen solchen in die Hand zu drücken. Das reicht eben nicht aus!

zu: "Keine fideistische Methode"

Sie wehren sich dagegen, wenn ich von "fideistischer Methode" beim Katechismusunterricht spreche, welche ich als 'Glauben' "ohne den Erkenntnisakt eigener Einsicht" beschrieben habe (S. 175). Mit dieser Kritik ist doch nicht eine generelle Ablehnung des Unterrichts gemeint - wie Sie meinen Ausführungen zu unterstellen scheinen -, sondern nur diese Art der Unterrichtung.

Christus hatte seine Aposteln beauftragt, das Evangelium zu "verkünden" (vgl. Mk 16,15) "zu lehren, alles zu halten", was Er ihnen aufgetragen hatte (Mt 28,20), aber nicht, die Menschen Seine Botschaften nur auswendig lernen zu lassen, ohne inhaltliches Verständnis. D.h. mit diesem Lehren ist doch ein Akt geistiger Vermittlung gemeint, der darum bemüht sein muß, dieses Evangelium begreifbar darzustellen, es im anderen lebendig werden zu lassen, um das Fundament für dessen Glaubensüberzeugung zu legen. Man braucht nur einmal auf die theologischen Anstrengungen eines hl. Paulus zu schauen, die er für die Unterrichtung der neuen Gemeinden aufwandte, oder die intensiven exegetischen Darlegungen des hl. Matthäus betrachten, die er aufwandte, um den Juden begreiflich zu machen, daß Christus der verheißene Messias ist, um zu verstehenen, was mit dem Verkünden bzw. dem Lehren gemeint war!

Wenn Sie nun, H.H. Pfarrer, einmal die Unterrichtsmethoden von so manchen 'alten' Religionslehrern daraufhin abfragen, ob durch sie gelehrt oder nur gelernt wurde (ohne Verständnis des Lehrgegenstandes!), dann müssen doch auch Sie zugeben, daß es dabei häufig bei einem bloßen (d.i. unverstandenen) Auswendiglernen gewisser Katechismusaussagen blieb, daß bei den Kindern Wert auf gutes Memorieren gelegt wurde und es nicht darum ging, zu "lehren" im Sinne Christi. Es blieb häufig bei einem unverstandenen Inhalt. Gegen die Auffassung, daß der Glaube "blind" sei, hat sich schon der hl. Anselm gewehrt! Sein Anliegen war es zu zeigen, daß der Glaube durch und durch vernünftig, einsichtig ist. Nicht umsonst haben wir für unsere Zeitschrift sein Motto: "Credo ut intelligam" gewählt! Die Annahme des Glaubens muß doch durch seine inhaltliche Aussage erfolgen und nicht auf einer bloß angemaßten Autorität beruhen, die von dem Unterrichteten blindes Vertrauen fordert!

Und was ist wegen dieses Versagens der Religionslehrer passiert - Sie werden das doch nicht leugnen wollen -: die 'Alten' und die von ihnen fideistisch unterrichteten 'Jungen' haben dem Modernismus wegen fehlender Glaubensüberzeugung nicht widerstanden, sondern sind abgefallen.

Man kann es auch anders machen! Man kann sogar den Kindern in den unteren Klassen philosophische Gedanken zumuten! und zwar so, daß diese verstanden werden. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Häufig war ich erstaunt, wie tief sie sogar in grundsätzliche und fundamental-theologische Sachverhalte eindringen können, wenn man ihnen klar macht, daß der Glaube etwas ist, was sie in ihrem Leben unmittelbar berührt! Hätten Sie gedacht, daß ein Kind mit sieben Jahren die Frage stellt, warum auch die Tiere nach dem Sündenfall aus dem Paradies ausgeschlossen wurden, obwohl sie doch völlig 'unschuldig' waren. Wie anders wollen Sie eine solche Frage beantworten, ohne Grundsätzliches zur Schöpfung und ihrem Sinn zu sagen? Die Erklärung der Trinität oder der Transsubstantiation - theologische Probleme - erfordern doch m.E. auch erhebliche Anstrengungen seitens des Lehrers!

zu: Ja zur "Lehre und Erfahrung der Alten"

Beschränken wir uns auf die Untersuchung der "Erfahrung der Alten", denn die Lehre wurde von mir nicht in Frage gestellt! Und mir ist unverständlich, auf welche Behauptung meinerseits Sie mit diesem Passus reagieren wollen.

Aber ich greife Ihr Stichwort "Erfahrung" auf, weil sich damit zwei grundsätzlich verschiedene Glaubenshaltungen illustrieren lassen: die eines katholischen Christen und die eines Traditionalisten. Der katholische Christ baut auf der Erfahrung auf, ist aber bereit, neue Wege zu gehen, wenn bisher unbekannte Probleme auftreten, die bewältigt werden müssen; denn es geht ihm um eine konkrete Applikation der Glaubensprinzipien auf die jeweilige Wirklichkeit. Um Ihnen ein Beispiel zu geben: als die Lehre des Aristoteles über die arabische Philosophie in das Christentum Eingang fand und bei einer ganzen Reihe von Christen in fundamental-theologischer Hinsicht zu Zweifeln führte, waren es vornehmlich der hl. Albert d.Gr. und mit ihm der hl. Thomas von Aquin, die im Auftrag der Päpste (weil beide ihr Vertrauen genossen!) die Begrifflichkeit des Aristoteles für die christliche Theologie fruchtbar zu machen versuchten!

Der Traditionalist setzt gewisse Erfahrungen, die er im Zeitpunkt X gewonnen hat, absolut und versucht, neue Erfahrungsmomente entweder zu verteufeln ("Häresie!"), zu ignorieren oder sie in sein vorfabriziertes Schema zu pressen. Ich mache hier eine Anmerkung, die gewisse unerfreuliche Erfahrungen resumiert. Manchmal hat es den Anschein, daß eine ganze Reihe von sog. konservativen Klerikern und Gläubigen nur deshalb beim "Alten" geblieben sind, weil sie geistig einfach starre, blinde oder uneinsichtige Formalisten sind, die eine bestimmte äußere Form, in der sich der Glaube einmal präsentiert hat, verabsolutieren... und das eigentliche Glaubensprinzip, welches dahinter steht, ignorieren. Eine solche Haltung trägt zu Recht den Namen "Traditionalismus" - mit dem wahren Glauben hat er nur in äußeren Momenten ein gewisse Ähnlichkeit.

In der Tat! Diese "Traditionalisten" bleiben "beim Alten" - am Wiederaufbau der Kirche beteiligen sie sich nicht!

Es gibt in Italien ganze Regionen, in denen es bis vor kurzem nie geschneit hat. Durch die klimatischen Verschiebungen fällt nun auch dort Schnee. Meinen Sie, die Leute würden sagen: "Das gab's früher nicht, darum können wir ihn ruhig ignorieren." - Nein, die Leute ziehen sich warme Socken an und schaufeln ihn weg! Und das Verkehrsamt stellt sogar Schilder auf, um auf möglichen Schneefall hinzuweisen!

Andererseits soll - wie mir einmal berichtet wurde - in Moskau eine Vorschrift existieren, wonach die Schneefahrzeuge erstmalig am 6. Dezember auszurücken haben. Sie tun's! egal ob Schnee liegt oder nicht!  

zu: Ja zu den scholastischen Gottesbeweisen

Ich hatte von ihnen gesagt, daß sie nicht zur Erstellung eines "klaren Begriffs des Absoluten" herangezogen werden sollten. Pfarrer Schoonbroodt widerspricht dem. Darum sei mir erlaubt, einmal einen solchen "Gottesbeweis" etwas ausführlicher zu analysieren, und zwar den ersten der "quinque viae" in der "Summa theologiae" I q.2 a.3: "Der erste und augenfälligere Weg aber ist der, welcher von der Bewegung her genommen wird. (a) Es ist nämlich gewiß und steht für die Sinneswahrnehmung fest, daß einige (Dinge) in dieser Welt bewegt werden. Alles aber, was bewegt wird, wird von etwas anderem bewegt. Nichts nämlich wird bewegt, außer sofern es sich zu dem in Möglichkeit verhält, wozu es bewegt wird. Etwas bewegt aber, sofern es in Wirklichkeit ist; denn bewegen heißt nichts anderes, als etwas aus der Möglichkeit in die Wirklichkeit überführen. Aus der Möglichkeit kann aber etwas nicht überführt werden außer durch etwas Seiendes in Wirklichkeit: z.B. etwas Warmes in Wirklichkeit, wie das Feuer, bewirkt, daß das Holz, das warm der Möglichkeit nach ist, in Wirklichkeit warm wird, und dadurch bewegt es dieses und verändert es. Es ist aber nicht möglich, daß dasselbe (Ding) zugleich in derselben Hinsicht in Wirklichkeit und in Möglichkeit sei, sondern nur in verschiedenen Hinsichten: Was nämlich in Wirklichkeit warm ist, kann nicht zugleich in Möglichkeit warm sein, sondern es ist zugleich kalt in Möglichkeit. Es ist also unmöglich, daß etwas in derselben Hinsicht und auf dieselbe Weise bewegend und bewegt ist oder sich selbst bewegt. Alles also, was bewegt wird, muß von etwas anderem bewegt werden. (b) Wenn also das, wovon es bewegt wird, (seinerseits) bewegt wird, dann muß es auch selbst von einem anderen bewegt werden, und jenes (wiederum) von einem anderen. Hier aber kann es nicht ins Unendliche gehen, weil so nicht etwas erstes Bewegendes wäre, und infolgedessen auch kein anderes Bewegendes, weil die zweiten bewegenden (Ursachen) nur dadurch bewegen, daß sie von einem ersten Bewegenden bewegt sind, wie z.B. der Stab nur dadurch (etwas) bewegt, daß er von der Hand bewegt ist. (c) Also ist es notwendig zu etwas erstem Bewegenden zu kommen, das von nichts bewegt wird. Und dies verstehen alle als Gott." (zitiert nach: Seidl, Horst: "Thomas von Aquin - Die Gottesbeweise in der 'Summe gegen die Heiden' und der 'Summe der Theologie'" Hamburg 1986, S. 53 f.)

Dieser Bweisg wird in der klassischen Thomas-Literatur meist aufgelöst in zwei Syllogismen.

1. Syllogismus
II     (a) Minor: Einige Dinge werden bewegt.
I      (b) Major: Was bewegt wird, wird von einem anderen bewegt.
III    (c) Conclusio: Einige Dinge werden von anderen bewegt.
(Im 2. Syllogismus wird die Conclusio aus dem 1. zum Minor.)

2. Syllogismus
II    (a) Minor: Einige Dinge werden von anderen bewegt.
I     (b) Major: Die Reihe der Beweger soll nicht ins Unendliche gehen.
III   (c) Conclusio: Also gibt es ein erstes Bewegendes. "Und dies verstehen alle als Gott."

(Eine ähnliche Beweisdarstellung - allerdings ohne schematische Gliederung - liefert auch Joseph Gredt: "Die aristotelisch-thomistische Philosophie" II. Bd., Freiburg i.Brsg. 1935, S. 173-175.)

Würdigung dieses Sorites:
1. Syllogismus
II     (a) Minor: Annahme stellt eine willkürliche Ausgrenzung aus der Sinnenwelt dar. Die Beweiskette                     würde nicht initiert, wenn Thomas von einem Selbstbeweger ausginge.
I     (b) Major: Wird ohne Begründung eingeführt.
III    (c) Conclusio: Der Major ist bereits im Minor enthalten, darum ist die Conclusio tautologisch.

2. Syllogismus
II   (a) Minor: Stellt eine Tautologie dar - s.o.
I    (b) Major: Ist ein willkürliches Postulat und stellt kein Vernunftgesetz dar. Per Machtspruch wird dann auf      die Existenz geschlossen: Weil der regressus ad infinitum nicht stattfinden soll, darum muß es ein Limit          dieses Regresses geben.
III  (c) Conclusio: Aus einem Postulat und einer Tautologie ergibt sich bestenfalls eine Hypothese. Ein
Erkenntnisakt findet nicht statt. Der Übergang: "Und dies verstehen alle als Gott" ist sachlich falsch: er wird sicherlich nicht von allen zugegeben, aber auch wenn er es würde, wäre damit über den Wahrheitsgehalt dieses Satzes nichts ausgesagt. Thomas unterstellt dem einfachen Gläubigen, das eben Entfaltete sei auch sein Gottesbegriff.

Auch wenn man trotz dieses Ergebnisses darauf beharren wollte, daß mit diesem sog. 'Beweis' die Existenz Gottes suggeriert würde: mit ihm kommt kein Mensch zur Erkenntnis der Inkarnation Gottes in Christus! Wie der erste 'Beweis' sind auch die anderen aufgebaut: sie setzen unreflektiert das Grund-Folge-Verhältnis voraus. Das Bewiesene entspricht somit seiner Voraussetzung. Ein solches Verfahren nennt man Zirkelschluß, mit dem keine Erkenntniserweiterung erreicht wird.

Ich füge hier die Würdigung der thomistischen "quinque viae" durch Günther Storck ein, dem nachmaligen Bischof, der die Position Thomas' philosophisch als realistisch einstuft: "Für den Realismus ist das objektive Sein das Absolutum. Der Realismus hinterstellt dem Sein das Absolutsein. Die entscheidende Defizienz aber besteht gerade darin, daß er dieses Absolutsein des Seins nicht einsehen kann. Es soll dieses Sein absolut sein, aber die Selbstbegründung erfolgt nicht aus diesem Absolutum und wird nicht in ihm eingesehen. Sie wird nur faktisch hinterstellt. (...) Klassisch kommt diese Unzulänglichkeit in den 'quinque viae probandi Deum' zum Ausdruck. Wenn man einmal von den unzulänglichen, weil nur hypothetisch begründeten Prämissen absieht, ist der generelle Fehler der, daß alle Beweise auf ein (angeblich:) notwendiges Sein (ein erstes Bewegendes, eine causa efficiens, ein notwendiges Sein, Ursache des Gutseins, ordinatio ad finem) führen, das allerdings nur unter der Bedingung notwendig ist, daß erklärt werde, was erklärt werden soll: das kontingente Sein. Das Absolutum als Absolutum, nämlich der Charakter des Absoluten als Selbstbegründung kann in diesen Beweisen gar nicht eingesehen werden. Deshalb ist die stereotyp am Ende des jeweiligen Beweises wiederkehrende Formel: 'et hoc omnes intelligunt Deum' auch irreführend. Niemand versteht unter dem so erschlossenen Sein 'Gott'. Nur mit Hilfe einer Äquivokation kann man so formaliter verfahren. (...) Die religiöse Existenz hat sich mit Recht immer gegen diese Got-tesauffassung gewandt." (Storck, Günther: "Die Gottesidee der Wissenschaftslehre J.G. Fichtes" München 1976, S. 208 f.)   

Man kann auch grundsätzlich fragen: läßt sich das Dasein Gottes beweisen (demonstrare, probare)? Unter einem Beweis versteht man allgemein: aus Voraussetzungen ableiten; philosophisch radikalisiert: aus einem ersten Grund etwas als Folge deduzieren. Wenn nun Gott aber als Absolutes angesetzt wird, wie sollte dann dasjenige Moment konzipiert sein, aus dem Gott als Folge abgeleitet werden kann, ohne dabei das Wesen des Absolut-Seins Gottes zu relativieren. Hier deutet sich schon aus formal-logischen Überlegungen an, daß das Dasein Gottes in diesem Sinne nicht bewiesen werden kann. D.h. aber nicht, daß Gott nicht erkannt werden kann! Hier greife ich auf die Überlegungen des hl. Anselm von Canterbury, der ca. 200 Jahre vor Thomas v. A. gelebt hatte, zurück ("Monologion"), der mit seinem "unum argumentum" (ontologisches Argument) reduktiv Gottes Dasein erweist. Und nicht umsonst heißt es in der Konstitution des 1. Vatikanischen Konzils "Dei Filius" vom 24.4.1870 (DS/DH 3004), die Sie eingangs zitieren: "Gott, aller Dinge Grund und Ziel, kann mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Sicher-heit erkannt werden." Bei dieser Formulierung wurde bewußt auf die Fixierung der Methode der Gotteserkenntnis verzichtet: man nahm cognoscere, und nicht: probare oder demonstrare.

Was Sie in dieser Passage noch über R. Descartes als "Vater der falschen Philosophie" äußern, verzeihe ich Ihnen. Das haben Sie sicherlich so im Seminar gelernt (d.h. nicht eingesehen); es deutet dessen Niveau an. Ich merke für philosophisch interessierte Leser nur an, daß dieses "cogito ergo sum" nicht irgendwelche individuellen Vorstellungen betrifft, sondern das logische Verhältnis von Denken und Sein, und daß dieses "cogito ergo sum" nur unter der Voraussetzung von "Deus est" gilt. Für religiös interessierte Leser dieser Hinweis, der belegen soll, daß die Kirche Descartes' Philosophie einen anderen Stellenwert beimaß, als es Pfarrer Schoonbroodt tut: sie war zeitweise die Grundlage, auf der die Theologiestudenten philosophisch ausgebildet wurden. So 'mußte' beispielsweise der hl. Pfarrer von Ars, von dem man wahrlich nicht sagen kann, daß er dem Subjektivismus verfiel oder "den Menschen zum Mittelpunkt der Wirklichkeit" machte, im Priesterseminar Philosophie nach Descartes studieren.

zu: Die Gewißheit heute, daß Jesus Gott ist

Eingangs habe ich davon gesprochen, daß durch die Gleichsetzung der Offenbarungsreligionen - Judentum, Christentum und Islam -, die Mgr. Wojtyla nicht müde wird zu verbreiten ("wir beten alle den gleichen Gott an"), die Entstehung eines Religionsskeptizismus geradezu provoziert wird, welches heute als Vorurteil in den Köpfen geistert, der m.E. ebenso gefährlich ist wie ein latenter Atheismus. Um in dieser Situation, in der die 'Kirche' mit ihrem 'Hl. Vater' - er wirkt wie ein Magnet auf die Jugend - offen den Synkretismus propagiert und nicht nur die Idee der Trinität, sondern auch die Vorstellung der wahren und einzigen Inkarnation Gottes gründlich zerstört hat, das "Evangelium zu verkünden" (Mk 16,15), kann man nicht mehr "wie früher", d.h. vor der Revolution von Vat. II. davon ausgehen, dies durch bloße Vermittlung einzelner Glaubenswahrheiten zu erreichen. Man muß erst die Basis, die zerstört wurde, wieder errichten. Und genau dies, H.H. Schoonbroodt, erfordert größere, umfassendere Anstrengungen als früher:

- Es muß zum einen ein fundamental-theologischer (oder religionsphilosophischer) Vorspann geliefert werden, durch den ein klarer Gottesbegriff entfaltet wird;
- zum anderen muß die Überzeugung eingewurzelt werden, daß sich in Christus dieser Gott offenbart hat  - und nur in ihm! D.h. ich muß die Erkenntniskriterien aufdecken, wie ich heute wissen kann, daß diese Offenbarung vor 2000 Jahren tatsächlich geschah, daß Christus wahrer Gott ist.

Man darf nicht meinen: durch die Erzeugung eines klaren Gottesbegriffes sei die zweite Forderung bereits erfüllt! Denn erst dann erhebt sich die Frage, in welcher Person sich dieser Gott inkarniert hat. Das ist keine Angelegenheit, in der die Menschwerdung des Gottessohnes "hinterfragt" wird, wie Sie, Herr Abbé, diese Aufgabe der Erkenntnis apostrophieren, sondern hier handelt es sich um den eindeutigen Willen zu wissen... als den Grund für echte Glaubensüberzeugung. Sie brauchen doch nur einmal die Reihen Ihrer 'ehemaligen' Konfratres Revue passieren zu lassen, um festzustellen, daß viele nur über einen gewissen Theismus - gemischt mit einem gewissen Konservatismus und einigen moralischen Prinzipien - verfügten, der dem Ansturm von Ökumenismus und Synkretismus nicht standhielt. (Und wenn Sie dann die Folgen dieser Entwicklung einmal hautnah miterlebt haben..., spätestens hier sollte Ihnen Ihre Skepsis gegenüber solch moderner 'Hinterfragerei', deren Radikalität Ihnen wahrscheinlich nicht einmal bewußt ist, vergehen!

zu: Vergleich mit dem heiligen Don Bosco trifft nicht zu

Ich habe den hl. Don Bosco als Gegenbeispiel der Vorstellung angeführt, daß mit dem Überreichen eines alten Katechismus die pastorale Arbeit für einen Seelsorger bereits beendet sei. Warum trifft dieser Vergleich Ihrer Meinung nicht zu? Hat er Ihrer Auffassung nach seine pastorale Arbeit mit dem Austeilen von Büchern als beendet angesehen? Das wäre - nur historisch betrachtet - unzutreffend.

Gerade Don Bosco hat durch sein radikales Engagement, durch seine restlose Hingabe an die stark gefährdete Jugend der damaligen Zeit, der er ein unerschütterliches, gleichbleibendes Vertrauen entgegenbrachte, viele nicht nur aus der Gosse auflesen, ihnen eine berufliche Ausbildung zukommen lassen, sondern sie auch für den Glauben gewinnen können. Dieser Einsatz Don Boscos für das 'zerlumpte Gesindel', für die Strafgefangenen war für damalige Verhältnisse so 'unanständig', daß sich zwei 'anständige' Prälaten veranlaßt sahen, ihn entführen und ins Irrenhaus stecken zu wollen. Wie bekannt, ging der Anschlag fehl; nicht er, sondern die 'anständige' Prälaten landeten in der Irrenanstalt. Don Bosco sagte einmal: "Ich liebe diese Jungen, und das spüren sie. Wer sich geliebt weiß, der liebt wieder. Und wer geliebt wird, erreicht alles, besonders bei der Jugend. Das ist das ganze Geheimnis." Wo gibt es im deutschsprachigen Raum einen sog. rechtgläubigen Priester, der mit diesem 'Rezept' sich um die Gestrauchelten der heutigen Zeit, um die Haschbrüder, die jungen Mädchen, die sich verkaufen, um sich Drogen zu kaufen, die Disco-Lungerer, jene, die an den "Zäunen" stehen, kümmert, um sie zum "himmlischen Gastmahl" einzuladen? Ich kenne niemanden!

In meinem Beitrag hatte ich geschrieben: "Ohne wirkliche Annahme der Not in Güte wird die Person des Klerikers nur noch fremder, seine Soutane, die ihn eigentlich als Kleriker, als Seelsorger ausweisen sollte, wird zum Symbol einer Barriere, die in der Tat den Seelsorger vor diesen Jugendlichen, denen man 'nichts in die Tasche gesteckt hat', hermetisch abschirmt." - Darauf antworten Sie: "Und was den heiligen Don Bosco betrifft, ging auch er als römisch katholischer Priester in Soutane und trug das Birett auf seinem Haupte". Wie soll ich diese Passage als Anwort auf meine Kritik verstehen können? Ich meine - und das wird Sie vielleicht ärgern: Ihre Soutane ist kein Ersatz für Argumente!

Anderseits haben Sie natürlich recht: der "Vergleich mit dem heiligen Don Bosco trifft nicht zu"; denn bei ihm wurde die Soutane nicht zum Ärgernis! Er teilte die Armut seiner Zöglinge! Vielleicht ist Ihnen die Episode bekannt, wonach er seine Stellung als Hauskaplan bei der Gräfin Barolo in Turin verlor, weil diese ihm vorschreiben wollte, sich eine neue Soutane zu kaufen - seine war recht zerflickt und unansehnlich -, er dies aber ablehnte mit der Begründung, er brauche das Geld für seine Jungen.

Abschließend haben die Leser Gelegenheit zu beurteilen, ob meine damaligen Ausführungen mit den neuerlichen Ergänzungen "vom katholischen Standpunkt her gesehen mangelhaft und irreführend" waren oder nicht. Ich meinerseits weise eine solche Beurteilung, nachdem ich mich fast ein Viertel Jahrhundert um die Verteidigung des wahren Glaubens bemüht und dabei auch die traditionalisti-sche Erstarrung als geistigen Tod des Glaubens ausgemacht habe, in aller Entschiedenheit zurück, und ich stütze mich dabei auf ein Beispiel des Wüstenvaters Agathon:

Man sagte von Abbas Agathon, daß einige zu ihm gegangen seien, um ihn auf die Probe zu stellen, ob er in Zorn geraten würde. Sie hatten nämlich von seiner großen Unterscheidungsgabe (diakrisis) gehört. Sie sprachen also zu ihm: »Du bist Agathon? Wir hören von dir, du seiest unzüchtig und hochmütig.« — »Ja, so ist es.« — »Du bist Agathon, der Schwätzer und Verleumder?« — »Ich bin es.« — »Du bist Agathon, der Häretiker?« Da gab er zur Antwort: »Ich bin kein Häretiker!«  Und sie baten ihn: »Sage uns: weshalb hast du so vieles hingenommen, was wir von dir gesagt haben, diesen letzten Ausspruch aber erträgst du nicht?« Darauf erwiderte er: »Die ersten Anschuldigungen schreibe ich mir zu, denn sie sind nützlich für meine Seele. Doch die Häresie ist eine Trennung von Gott, und ich will nicht von Gott geschieden sein.« Als sie das hörten, wunderten sie sich über seine Unterscheidungsgabe und gingen sehr erbaut hinweg. ("Sprüche der Väter" hersg. und übers. von P. Bonifatius, Graz - Wien - Köln 1963, S. 57 f.)

Meine Ausführungen würden hier enden, wenn ich nicht noch eine ausgesprochen wichtige Angelegenheit ansprechen müßte: meine unbeantwortete Anfrage in EINSICHT, 27/6, S. 192. Ich hatte dort gefragt: "Was macht es für einen Sinn, wenn Sie auf der einen Seite zu Recht den Ritus Pauls VI., den sog. "N.O.M.", ablehnen, andererseits aber den Besuch von (wahrscheinlich) simulierten 'Messen' im alten Ritus propagieren, die von Laien gelesen werden oder Personen, deren klerikaler Status ungesichert ist?" Gemeint ist die Propaganda für die in den Zentren Heilbronn, Karlsruhe etc. von den sog. "Clerici vagantes" gelesenen sog. 'Messen', d.h. für den Besuch von eindeutig sektiererischen Meßveranstaltungen.

Auf unsere Ausführungen über die Sektierer und das immanente Sektierertum ist bisher kein einziger vernünftiger Einwand erfolgt. Darum ist für mich unfaßbar, daß Sie als Präsident in den Zentren, für die Sie Verantwortung tragen, weiterhin diesen ungeheuerlichen Skandal dulden. Mir ist es auch ein Rätsel, wie H.H. P. Groß, der sich so zurückhaltend gibt, auf der einen Seite sehr wohl Stellung beziehen kann gegen die neuerliche Aktion für den "Katechismus des Oratoriums", andererseits aber schweigt zu den Zuständen in den Meßzentren.

Ich werde nicht aufhören, auf diesen Skandal auch weiterhin aufmerksam zu machen und die dafür Verantwortlichen zur Stellungnahme aufrufen.

Eberhard Heller


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Hinweise:

Rev. Fr. Courtney Edward Krier hat in LAS VEGAS, USA / Nevada ein Gebäude gekauft, welche er zu einer Kirche umbauen will, weil die bisher angemieteten Räumlichkeiten zu klein wurden und ungünstig gelegen waren. Der Erwerb des Baues nebst Grundstück, ebenso der Umbau sind mit erheblichen Kosten verbunden. Über eine finanzielle Unterstützung, auch aus Deutschland, würde er sich sehr freuen. Hier seine Adresse: 4772 Morrow Rd., Modesto, California 95356
Tel. 001/209-545-0443, Fax 001/209-545-1151 - hl. Messe in Modesto sonntags: 17:30 Uhr

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Für die Korrespondenz mit unseren latein-amerikanischen Mitarbeitern und den dortigen religiösen Gemeinschaften, aber auch für Übersetzungen von Beiträgen aus dem Spanischen suchen wir dringend einen ehrenamtlichen Mitarbeiter mit guten spanischen Sprachkenntnissen.



 
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